Drogenlieferant kommt mit Bewährungsstrafe davon
Freudentränen im Gerichtssaal

Es ging um etliche Jahre hinter Gittern. Als das Schöffengericht trotz vieler Bedenken einem 46-Jährigen zwei Jahre zur Bewährung gab, flossen bei seiner im Zuhörerraum sitzenden Lebensgefährtin Freudentränen.

Für seine Karriere als Drogendealer saß ein Oberbayer, der heute in Berlin lebt, siebeneinhalb Jahre in Haft. Dabei kam er auch in die Justizvollzugsanstalt Amberg und damit in einen Bereich, der trotz mancherlei Sicherheitsvorkehrungen nach wie vor als Umschlagplatz für Rauschgift gilt. Im Gefängnis lernte er einen heute 63-jährigen Regensburger kennen, der fast die Hälfte seines Lebens hinter Gefängnismauern zubrachte und momentan in der JVA Kaisheim sitzt.

Als der Oberbayer entlassen wurde und nach Berlin ging, hatte er einen Auftrag von seinem Mithäftling. Er lautete: "Subutex beschaffen." Subutex ist ein Drogenersatzmittel. Der Neu-Berliner tat, wie ihm geheißen, und ging in der Bundeshauptstadt am Kottbusser Tor auf den Schwarzmarkt, zahlte 15 Euro pro Tablette. Was dann geschah, bezeichnete Oberstaatsanwalt Dr. Thomas Strohmeier jetzt als "mafios strukturiert."

Heiß begehrte Ware


Die Tabletten wurden von Berlin aus an einen in Regensburg sitzenden Mittelsmann geschickt. Dort erschienen dann nahezu regelmäßig und über einen längeren Zeitraum hinweg Leute, die in der JVA Amberg Wochenendurlaub hatten. Bei ihrer Rückkehr schmuggelten sie die Tabletten ins Gefängnis ein.

Insgesamt 200 Subutex-Tabletten, hinter Gittern offenbar heiß begehrt, besorgte der 46-Jährige. Im Gefängnis wurden sie für 200 Euro pro Stück verkauft. Wie das ablief, verdeutlichte sich jetzt vor dem Schöffengericht: Angehörige der Konsumenten zahlten Geld auf das Konto des Mittelsmannes in Regensburg ein, erst dann wurde den Gefangenen die heiße Ware durch den unterdessen zu vier Jahren Haft verurteilten 63-jährigen Drahtzieher ausgehändigt.

Vor den Richtern blieb dem Mann aus Berlin nur die Flucht nach vorn. Er gab seine Ankäufer- und Versenderrolle zu. Dabei stellte sich heraus: Er hatte bei seiner Tätigkeit lediglich rund 1000 Euro Gewinn gemacht. Der Landschaftsgärtner lebt heute in geordneten Verhältnissen, er hat (weil selbst lange Zeit abhängig) eine Drogentherapie erfolgreich hinter sich, bekam eine sehr positive Empfehlung seines Bewährungshelfers.

Staatsanwalt bleibt hart


Das machte die Entscheidung nicht einfach. Einerseits eine gute Prognose, andererseits mehrere offene Bewährungsstrafen. Oberstaatsanwalt Dr. Thomas Strohmeier wog beides in seinem Plädoyer ab und gelangte zu der Auffassung, dass der Mann aller guten Zielsetzungen zum Trotz drei Jahre hinter Gitter müsse. In diesem Fall, so ließ sich erkennen, wären die Bewährungen widerrufen worden, hätte sich der neuerliche Knast-Aufenthalt auf rund sieben Jahre erweitert.

Richter sehen Positives


Das Schöffengericht unter Vorsitz von Markus Sand orientierte sich am Antrag der Verteidigerin Mayumi Weinmann (Regensburg). Sie verlangte zwei Jahre und bat um eine letzte Bewährungschance. So kam es dann auch.

Die Richter lenkten zwar den Blick auf die Drogenkarriere des 46-Jährigen. Sie sahen ihn aber andererseits seit längerer Zeit eingebunden in die Familie seiner Lebensgefährtin und ausgestattet mit einem festen Arbeitsplatz.
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