Durch Reportage bekommt junger Syrer Job in Amberger Haarsalon
AZ stylt Flüchtling zum Friseur

Fürs AZ-Foto hat sich der syrische Asylbewerber Salim Aboharash von seiner aus Kambodscha stammenden Kollegin Hatta (rechts) noch einmal schick machen lassen, bevor er unter den Augen von Geschäftsinhaberin Beate Tran (hinten) selbst wieder Kunden frisiert in seinem neuen Job bei Hairstar. Bild: Steinbacher

"Salims Flucht vor Monstern": Unter diesem Titel hat die AZ im August über das Schicksal eines Asylbewerbers aus Syrien berichtet (hier geht's zum Beitrag). Er blieb in Amberg und ist zu einem Musterbeispiel für gelungene Integration geworden. Er lernt nicht nur Deutsch, sondern hat auch eine Arbeit gefunden - durch den AZ-Artikel und die Mithilfe der Redaktion.

Tatsächlich war es unser Bericht vom August, der Salim Aboharashs Flucht vor dem syrischen Bürgerkrieg und den mordenden IS-Truppen beschrieb und eben auch erwähnte, dass der 27-Jährige in Deutschland gern so rasch wie möglich arbeiten würde. Er wollte die Unterstützung des Staats nicht lange in Anspruch nehmen, betonte damals schon, dass er lieber für sich selber sorgen möchte. Salim ist von Beruf Friseur, wäre aber auch bereit gewesen, "jede andere Arbeit anzunehmen".

Schicksalsstory als Chance


Das musste er gar nicht, denn das Friseurgeschäft Hairstar an der Hockermühlstraße wurde auf den AZ-Artikel aufmerksam und entschloss sich, diesem jungen Mann eine Chance zu geben. Inhaberin Beate Tran und ihr Mann Phuc-An schrieben an die AZ und baten darum, den Kontakt zu Salim herzustellen. Das tat die Redaktion gerne, wobei Salim ab Herbst zunächst einmal einen Deutsch-Kurs beim Kolping-Bildungswerk antrat, den er jeden Vormittag besucht und nach dem ersten Modul im April voraussichtlich mit einem zweiten Teil fortsetzt.

Aber auch das war für Beate Tran kein Hindernis, ihr Interesse an Salim blieb bestehen. Sie wandte sich an die Agentur für Arbeit und vereinbarte mit ihr, den 27-Jährigen vorerst nur nachmittags nach seinem Unterricht in einer sogenannten Maßnahme zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung zu beschäftigen. In dieser Phase konnte sie sich auch einen Eindruck von Salims Können verschaffen, was zum weiteren Entschluss führte, ihn ab April mit einem Halbtagsjob anzustellen (nach dem zweiten Deutsch-Kurs dann in Vollzeit). "Für mich steht der Mensch im Vordergrund", sagt Beate Tran und findet es generell "schlimm", Mitbürger als Ausländer zu sehen.

Salim ist nicht der erste Mitarbeiter mit fremdländischer Herkunft, den sie einstellt. Die Ambergerin hatte schon mehrere Auszubildende mit russischer und eine junge Frau mit arabischer Abstammung. Auch ihr Ehemann hat vietnamesische Eltern, und im Laden an der Hockermühlstraße arbeitet seit längerem eine Friseurin aus Kambodscha. Von daher sind Beate Tran und ihr Team die Internationalität gewohnt, Salim passt dazu, auch wenn er der erste Mann unter sieben Frauen ist. Aber auch das war so gewollt, denn Beate Tran möchte erstens eine Art Barbershop für Herren in ihrem Laden aufbauen. Zweitens weiß sie, dass der junge Syrer den Schnitt und die Rasur von Bärten gut hinbekommt, weil er das in seiner Heimat oft gemacht hat. Tatsächlich legen arabische Männer in der Regel großen Wert auf die Pflege ihres Barts, bestätigt der 27-Jährige schmunzelnd seine Erfahrungen.

Kein Problem mit Frauen


Und bei noch einem Thema muss er lächeln: Er hat keinerlei Probleme, mit Frauen zusammenzuarbeiten, sie als Kolleginnen oder Vorgesetzte zu akzeptieren. Für das, was Muslimen oft nachgesagt wird, legt Salim unter sieben Frauen bei Hairstar täglich den Gegenbeweis ab.

HintergrundSalim Aboharash würde gerne seine Frau nach Deutschland nachholen, um die er in seiner hart umkämpften Heimatstadt Aleppo fast täglich bangt. Dort liefern sich Regierungstruppen und Regimegegner immer wieder Gefechte, auch die Terrorkommandos des IS bedrohen die Einwohner, die nicht schon geflohen sind. Diese Schergen hatte der syrische Asylbewerber beim AZ-Interview 2015 als Monster bezeichnet. Er hofft, dass seine Frau vor ihnen sicher ist und bleibt trotz aller Furcht vernünftig. "Ich will erst mal stabil werden mit meinem Job und Aufenthalt - und Geld sparen", sagt der 27-Jährige, "dann erst kann ich hoffentlich meine Frau hier in die Arme schließen". (ath)
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