Eduard Zintl legte eine Bilderbuchkarriere hin
Vom Hausmeister zum Kämmerer

Bürgermeister Martin Preuß überraschte Eduard Zintl zum 90. mit einem Geschenkkorb. Bild: gf

Vom einstigen Hausmeister des Landratsamts bis zum Oberverwaltungsrat und Kreiskämmerer: Es ist eine nicht alltägliche Karriere, die Eduard Zintl in seinem Leben machte. Klar, dass zu seinem 90. Geburtstag am Montag auch Bürgermeister Martin Preuß und Landrat Richard Reisinger als ehemaliger Dienstherr gratulierten.

Am 22. Februar 1926 erblickte Eduard Zintl in der ehemaligen Gemeinde Luitpoldhöhe das Licht der Welt, ging dort zur Schule und wechselte später auf die Oberrealschule. Wenige Jahre nach Kriegsbeginn wurde er zur Flugabwehrausbildung nach Nürnberg beordert. Kurze Zeit musste er zum Arbeitsdienst nach Oberschlesien, bevor 1944 die Einberufung zur Wehrmacht folgte. Freiwillig meldete sich Zintl zur Luftwaffe und wurde in Berlin auf einer Bücker 181 zum Piloten ausgebildet, wie er am Montag seinen Gästen erzählte.

"Als die Royal Airforce Berlin angriff, fehlte uns das Flugbenzin und die jungen Piloten der Wehrmacht mussten am Boden bleiben", blickte der Jubilar auf diese Zeit zurück, um zu ergänzen, dass er sich mit einem befreundeten Offizier nach Salzburg absetzte. Ende 1944 geriet er dort in amerikanische Kriegsgefangenschaft und konnte erst im Sommer 1945 zu Fuß in die Heimat zurückkehren. Hier fing er beim Landratsamt als Hausmeister an und nutzte zahlreiche Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen. Zintl absolvierte die Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie, war zeitweise Leiter des Jugendamts sowie der Straßenverkehrsbehörde und wurde 1959 zum Kreiskämmerer berufen. In seiner Amtszeit erstellte er fast 30 Jahre lang den Haushalt des Landkreises und ermöglichte damit den Bau zahlreicher Schulen, außerdem des Krankenhauses in Sulzbach und das Industrie- und Bergbaumuseum Theuern. Auch wenn Amberg-Sulzbach Grundstücke für Straßenbaumaßnahmen benötigte, schlug die Stunde von Eduard Zintl, der geschickt verhandelte und dafür sorgte, dass Immobiliengeschäfte ohne Enteignung abgeschlossen wurden.

1988 ging der Amberger, mittlerweile zum Oberverwaltungsrat befördert, in Pension, war aber nach der Wende noch zehn Jahre in den neuen Bundesländern als Fachreferent für kommunale Finanzen tätig. 1950 heiratete er Zintl seine Traudl, die er im Tanzcafé Paradies kennengelernt hatte. Dort spielte er bei den Blue Stars, einer Sechs-Mann-Kapelle, Akkordeon und Klavier. Diese Formation war damals eine gefragte Band bei Hochzeiten und beim Tanztee im Hotel Fleischmann.

Weiterer Ausgleich zum Büroalltag war das Angeln. Fast einen Meter lang war der größte Hecht, den Eduard Zintl einmal am Haken zappeln hatte. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor; im Lauf der Jahre kamen vier Enkel und ein Urenkel dazu. Gleich nach der Hochzeit zogen Rotraud und Eduard Zintl in die August-Sperl-Straße, denn auf einen kurzen Weg zum Büro legte der Jubilar Wert. Vor zwei Jahren starb seine Frau; Eduard Zintl versorgt sich seither selbst, wird aber von den Söhnen und deren Familien unterstützt.
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