EG-Schülerzeitung gewinnt bundesweiten Wettbewerb
Ein erfolgreicher EGoist

Der Abi-Jahrgang 2016 am Amberger Erasmus-Gymnasium. Die Abiturienten wünschten keine Namensnennung. Bild: hfz
  Von Anna Weber

Der Jury im fernen Berlin muss der Name zunächst befremdlich angemutet haben: Warum eine Schülerzeitung nach einem unsympathischen Zeitgenossen benennen? In Wirklichkeit wollen wir uns als besagte EGoist-Redaktion natürlich keine Untugend zum Aushängeschild machen, sondern auf unsere Verbundenheit zum heimatlichen Erasmus-Gymnasium (EG) hinweisen. Dies leuchtet ein - denn mit einem Team aus Einzelkämpfern wäre es uns Schreiberlingen wohl kaum gelungen, im bundesweiten Schülerzeitungswettbewerb mit einem Förderpreis ausgezeichnet zu werden.

Als Jung-Journalisten am Erasmus-Gymnasium blicken wir auf eine lange Reihe an Vorgängern zurück. Die Tradition unserer Schülerzeitungen reicht bis in die Nachkriegszeit, genauer gesagt bis 1948/49, als mit dem "Lustigen Audem" die erste Publikation erschien, die uns heute noch vorliegt. Ein einzelnes Blättchen vergilbtes Papier, mit Schreibmaschine bedruckt, Verkaufspreis 5 Pfennig - mit dem farbenfrohen Spektakel, an das unser heutiges Publikum gewöhnt ist, hat der "Lustige Audem" noch nicht viel gemein. Nichtsdestotrotz kann man sich lebhaft vorstellen, wie sich EG-Schüler, die heute um die 80 Jahre alt sein dürften, dereinst über die Anekdoten und "Gedichtchen" amüsierten.

Eine erste Blütezeit erlebte das journalistische Schaffen am EG Ende der 1960er Jahre, als mit dem "Symposion" erstmals ein bebildertes Magazin erschien. Dem Zeitgeschmack entsprechend findet sich hier neben Berichten über Tanzkurse oder Fußballspiele auch viel Politik und Kritik - sowohl an der Schule, als auch an gesellschaftlichen Themen insgesamt. Zeitweilig unter der Leitung von Peter Seidl, heute Schuldirektor, erreichte "Symposion" beachtliche Auflagen von bis zu 800 Stück.

Den heutigen Leser erheitern besonders die "Erasmen" (kultige Lehrersprüche, die auch im EGoist noch eine der beliebtesten Rubriken sind) sowie die damaligen Werbeanzeigen. Viele der angepriesenen Unternehmen gibt es heute noch, doch müssen wir ihre Inserate nicht mehr per Hand malen. In gewisser Weise sind die Redakteure von damals aber doch zu beneiden: Als das G8 noch ferne Zukunftsmusik war, gab es einen ganzen Jahrgang älterer Schüler mehr, der als Zielgruppe relevant war. Dementsprechend war in der Schülerzeitung mehr Raum für anspruchsvolle Reportagen und Artikel, wie zum Beispiel ein Interview mit Willy Brandt, damals Außenminister.

1998 entstand schließlich der EGoist wie wir ihn heute kennen. Ein vorläufiger Höhepunkt in seiner Geschichte war der Gewinn des Schülerzeitungswettbewerbs des Medienhauses "Der Neue Tag" im Jahr 2009. Obwohl sich aufgrund der Anziehungskraft dieses Erfolgs viele weitere Schüler der Zeitung anschlossen, begann mit dem Weggang der siegreichen Redakteure eine unstete Phase für den EGoist. Er wurde abwechselnd für tot und wieder lebendig erklärt, doch es blieb bei einer einzigen weiteren Ausgabe.

Um 2013 schließlich begannen Gerüchte über eine geplante Wiederbelebung des geliebten Magazins über die Gänge zu geistern. Im Laufe eines Jahres fanden ein paar halbherzige Treffen statt, wobei viel Zeit ergebnislos ins Land ging. Erst in den Sommerferien 2014 kam die Wende: Neben Julian Prechtl, Maximilian Knab und mir in der Chefredaktion begannen Nina McAllister, Kathrin Welnhofer und Amelie Wismeth fest an der Schülerzeitung mitzuarbeiten - sowie unsere "Jüngstjournalisten" Janis Stiegler und Ronja Bergler (damals 5. Klasse). Obwohl nun in schneller Folge Artikel und Bilder produziert wurden, dauerte es noch bis Februar 2015, bis die "Auferstehung" unseres EGoist schließlich druckreif war. Schließlich mussten wir uns in Aufgaben wie Layout, Finanzen und nicht zuletzt journalistische Arbeitstechniken erst einmal autodidaktisch einarbeiten.

Umso größer war unsere Freude, als sich unser Produkt als Verkaufsschlager entpuppte und wir auch einen ersten Erfolg (unter den besten Fünf im bayernweiten Wettbewerb) für uns verbuchen konnten. Zu diesem Zeitpunkt hätte allerdings keiner von uns gedacht, dass der EGoist auch auf Bundesebene Beachtung finden würde: Im Februar erreichte uns die frohe Botschaft, einen Förderpreis gewonnen zu haben und, dass wir zur feierlichen Verleihung im Bundesrat eingeladen sind. Dort nahmen Julian Prechtl und ich in Vertretung der gesamten Redaktion die Auszeichnung von Bundesratspräsident Stanislaw Tillich entgegen.

Doch auf festlichen Lorbeeren, und seien sie noch so gemütlich, sollte man sich bekanntermaßen nicht ausruhen. Deshalb bemühen wir uns zurzeit, feste Redaktionsstrukturen zu etablieren, damit nach unserem Abitur die Arbeit weitergeführt werden kann. Wir hoffen dabei inständig auf den Eifer der Nachwuchsredakteure, denn nichts wäre so schade wie ein EGoist, der erneut dem tödlichen Siechtum preisgegeben wird.

KontaktErasmus-Gymnasium
Gymnasiumstraße 7
92224 Amberg
Telefon: (09621) 1 22 61
E-Mail: Erasmus.Gymnasium@eg-amberg.de
Internet: www.eg-amberg.de
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.