Ehemaligenfest
Von der Lust des Erinnerns

Bei der Sportvorführung der Mittelstufe kamen den Absolventen auch unschönere Erinnerungen in den Sinn. Besonders gefürchtet seien " die sibirischen Hofrunden im Winter" gewesen. Bilder: Martin Lindner (4)

Meminisse iuvat - es ist erfreulich, sich zu erinnern. Im Kreis der Anwesenden brauche er das aber nicht zu übersetzen, scherzte Direktor Peter Seidl. 66 Absolventen-Jahrgänge des Erasmus-Gymnasiums schwärmten am Samstag beim 8. Ehemaligenfest seit 1847 den Stunden ihrer Schulzeit nach. Mit Hinblick auf die Geschichte auch unbeschönigt und kritisch.

Den Auftakt zum Festprogramm machte Militärpfarrer a.D. Johannes Lang in der Georgskirche. Zu den Texten für den Gottesdienst hatte ihn seine Abiturfeier 1970 inspiriert. "Jetzt geht und erobert euch die Welt!", sei damals die Losung gewesen. In seiner Predigt verdeutlichte er, dass jeder Christ die Verantwortung habe, auf diesem Weg auch für andere und für Gott zu leben.

Erstmals im Jahr 1847


Für den weltlichen Teil des Festakts zogen die Absolventen der Jahrgänge 1950 bis 2016 in den Kongregationssaal um. Bis 1921 hatten hier die Entlassfeiern des Erasmus-Gymnasiums stattgefunden, erklärte Seidl. In seiner Rede gab der Direktor einen geschichtlichen Abriss über die sieben Studiengenossen-Feste seit 1847. Die Grundidee sei stets gleich: "Sich zu treffen, um lustvoll in Erinnerung zu schwelgen." Für die wortkargen Oberpfälzer auch unter der lockernden Macht des Bieres, wie der Schulleiter bemerkte. Mit Leidenschaft zitierte Seidl die Worte seiner Vorgänger aus den einstigen Festschriften.

Neben den schwärmerischen Passagen seien die Texte immer auch ein Spiegel der Geschichte. Dabei ein Dauerbrenner: Lästige Schul- und Bildungsreformen. "Wenn keiner auch Latein und Griechisch spricht, dem Geiste hat's geschadet nicht", zitierte Seidl das Festgedicht 1904. Heute stehe die humanistische Schulform mehr denn je in Konkurrenz mit anderen Bildungswegen.

Mehr Menschlichkeit


Auch Festredner Dr. Wolfgang Schmalzbauer, der ehemalige Präsident des Landgerichts, verteidigte die Ideen des humanistischen Gymnasiums. MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) seien zwar "der gegenwärtige Superlativ schlechthin". Es sei aber auch wichtig, die Digitalisierung in der Schule nicht zu verpassen. Das rein mathematische Denken klammere die Menschlichkeit an sich aus. In einer Zeit, in der sich Maschinen über den Menschen hinwegsetzen könnten, "brauchen wir nicht weniger, sondern mehr, unendlich viel mehr humanistische Bildung". Schmalzbauer schloss die Rede versöhnlich mit Horaz: "Bei allen Dingen ist das rechte Maß zu finden."

Deutlich gelöster wurde die Stimmung nach dem zweistündigen Festakt beim gemeinsamen Essen im Pausenhof des Gymnasiums. Bänkeweise saßen die Jahrgänge beieinander und hatten sich viel zu erzählen. Wo man hinhörte, überall wurde sich umarmt und sich nach dem Beruf, dem Familienstand oder dem Alter der Kinder erkundigt. Absolventen der vergangenen Jahre suchten ihre Kunstwerke im Haus und machten Selfies in den Klassenzimmern.

Die Älteren geben Anekdoten zum Besten: Der gefürchtete Sportlehrer und Ex-Nazi Zangl habe ihm einen Direktorats-Verweis geben wollen, weil er über dessen strenge Zurechtweisungen gelacht hatte, erzählte Josef Pfleger, Absolvia 1952. "Bei meiner Schilderung musste der damalige Rektor Hamburger dann selbst lachen und hat mich verschont."
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