Eigenbetriebe der Amberge JVA
Der Meister trägt Uniform

Nicht nur Nutz-, auch Zierpflanzen und -kleingehölze führt die Gärtnerei der JVA als hochwertige Handelsware zum Verkauf an Privatkunden.
 
Etwa einen halben Hektar inklusive dreier Gewächshäuser bewirtschaftet die JVA-Gärtnerei. Die Salate und das Gemüse aus ökologischem Anbau gehen überwiegend in der Eigenverbrauch der Küche, es gibt aber auch private Stammkunden. Bilder: Steinbacher (4)
 
Als Langholz angeliefert und zu gespaltenen Meterscheiten sterweise zur Auslieferung oder Weiterverarbeitung zwischengelagert: Der Holzhof richtet nach Kundenwünschen Brennholz abholfertig auch sackweise her. Bis zu einem bestimmten Radius werden größere Mengen zudem frei Haus geliefert.

Nur die Kunden dürfen wieder raus. Die Arbeiter müssen bleiben. Im Schnitt arbeitet etwa die Hälfte der rund 550 Gefangenen innerhalb der Amberger JVA-Mauern. Saison hat gerade die Gärtnerei.

Von der Fläche her ist das der größte einer ganzen Reihe von Betrieben, die der Öffentlichkeit weitgehend verborgen bleiben. Rund 5000 Quadratmeter werden gärtnerisch bewirtschaftet, knapp 800 davon in drei Gewächshäusern. Dahinter steckt unverholen auch eine gehörige Portion Eigennutz: die Versorgung der anstaltseigenen Küche mit frischen Salaten und Gemüse. Das senkt Kosten. Außerdem kann Gefangenen die Möglichkeit zum Arbeiten gegeben werden. Das hilft, die vielfältigen Probleme eingesperrter Menschen zumindest abzumildern.

Die Gärtnerei ist einer der Betriebe mit relativ großer Außenwirkung. "Wir haben etliche Stammkunden", erzählt einer der JVA-Beamten nicht ohne Stolz. Dass er und seine Kollegen ihre Namen nicht in der Zeitung lesen wollen, ist ihrer Tätigkeit geschuldet. So ruhig und gemächlich, wie es an diesem ganz gewöhnlichen Morgen eines Arbeitstages zugeht, ist es sicherlich nicht immer innerhalb dieser Mauern.

Nicht ganz ohne


Das oberste Gebot heißt Sicherheit, und das wird gleich neben den ausgedehnten, sorgsam gepflegten Salat- und Gemüsebeeten offensichtlich: Mit sogenannten Nato-Draht-Rollen bewährte, hohe Metallgitterzäune schaffen einen akribisch gerechten, mehrere Meter breiten Pufferstreifen zu den Außenmauern. Das soll Überwürfe von Drogenpäckchen und Handys als die wohl härtesten Währungen hinter Gittern zumindest erschweren. Der Außenbereich der JVA-Gärtnerei ist in dieser Hinsicht also nicht ganz ohne.

Das ändert nichts daran, dass sie zu den ältesten internen Betrieben zählt. Dass hier fachlich professionell gearbeitet wird, sticht jedem sofort ins Auge. Kein Wunder. Zwei Gärtnermeister sind hier die Chefs. Unübersehbar. Sie tragen die Uniform des Justizvollzugsdienstes, der in die beiden Bereiche Wach- und Werkdienst aufgeteilt ist. Eine abgeschlossene Berufsausbildung ist Voraussetzung, um sich für eine Werkdienst-Laufbahn bewerben zu können. Ein JVA-interner Betrieb muss zudem mit einem Meister aufwarten können. "Genau wie draußen", erklärt dazu der Leiter des gesamten Werkdienstes.

Alles quer Beet


Es ist also Berufs- und nicht Hobbygärtner-Stolz, wenn einer der beiden Chefs über die Freilandbeete und drei Gewächshäuser das Spektrum dieses Betriebs aufzählt. Salate und Gemüse der Saison würden sich von selbst verstehen. "Heute müssen die restlichen Gurkenpflanzen noch 'raus", verwies der Gärtnermeister in Uniform zudem darauf, dass das Meiste auch selbst gezogen wird. "Ökologisch, ohne Spritzmittel und Kunstdünger."

Auch das eigene Substrat wird sorgfältig gehegt und gepflegt, inklusive nötiger thermischer Behandlung. Die Palette ist lang und umfasst eigentlich alles, was eine Saison so hergibt: diverse Blatt- und Kopfsalate, Paprika, Rote Bete, Gelbe Rüben, Sellerie, Porree, Bohnen. All das wird auf dem Speiseplan der JVA nicht nur einmal stehen. Die Gärtnerei verkauft all ihre Produkte aber auch nach draußen (siehe Kasten).

Auch was fürs Auge


Dazu zählen gleichermaßen Zierpflanzen und -gehölze, die ebenso ein breites Spektrum abdecken und nicht minder saisonell (Grabschmuck, Weihnachten) ausgerichtet sind. Vereinzelt finden sich Raritäten darunter. In den Monaten der Hochzeit arbeiten bis zu 18 Gefangene in der JVA-Gärtnerei und den beiden Leitern ist bewusst, dass sie das nicht aus Passion tun. Fähigkeiten und Fertigkeiten spielen natürlich eine Rolle. Aber auch die Anstalt hat ein gehöriges Wort mitzureden, ob sie aus internen Gründen jemanden für geeignet hält, auf dem ausgedehnten Freigelände zu arbeiten. Das Bedürfnis nach etwas frischer Luft oder Sonne reiche jedenfalls nicht aus, schiebt einer der Meister in Uniform eine Art Riegel vor. Schließlich gehe es nicht zuletzt um die eigenen Qualitätsansprüche und den guten Ruf bei den Stammkunden von draußen.

So kommen Kunden in die JVA Einen Laden oder feste Öffnungszeiten gibt es in der JVA aus Sicherheitsgründen nicht. Deshalb sind telefonische Anmeldungen unverzichtbar. Bei Bedarf ist es möglich, mit dem Pkw auf das Gelände zu fahren. Die Gärtnerei steht unter der Rufnummer 09621/79-2 18 (Weiß), die Landtechnik mit Holzhof unter der Nummer 09621/79-2 35 (Trummer) zur Verfügung. Anderweitige JVA-interne Betriebe sind über den Zentralruf 09621/790 erreichbar.

Bulldog-Oldtimer zur Restauration


Da schlagen die Herzen vieler Oldtimer- und Bulldog-Liebhaber höher. In der Werkstatt der JVA-Landtechnik steht aufgebockt derzeit das Chassis eines zur Restauration demontierten Allgaier-Schleppers AP 16, Baujahr 1955. Er ist weitgehend baugleich mit historischen Porsche-Traktoren. Diese zweite einschlägige Auftragsarbeit für die Werkstatt, wird von einem Landmaschinenmechaniker-Meister betreut. Die erste war ein Eicher-Bulldog, der nach einer Generalüberholung noch für kleinere Arbeiten hergenommen werden sollte. Nach der Restaurierung war er dem Eigentümer dafür zu schade. Jetzt fährt er damit lieber auf Bulldogtreffen.


In eigener SacheDiese Seite stellt den Auftakt zu einer losen Artikelfolge im Vorfeld einer Veranstaltung der JVA im September dar. In einer Art öffentlicher Hausmesse präsentiert sie Produkte und Dienstleistungen weiterer interner Betriebe (Kfz-Werkstatt, Scheinerei, Malerei, Metallbau, Montagearbeiten). Angebote gibt es zudem auf dem Sektor der Berufsaus- und schulischen Fortbildung


Ursprünglich aus einem Landgut hervorgegangen, spielte der Selbstversorgungs-Gedanke in der heutigen JVA Amberg (eröffnet 1786 als Arbeits- und Zuchthaus) schon immer eine tragende Rolle. Bis 2013 gab es sogar noch eine eigenständige Landwirtschaft mit Schweinezucht. Die Ställe entsprachen jedoch nicht mehr gängigen EU-Richtlinien und wurden aufgegeben.

An diese Stelle ist ein Holzhof mit einer angegliederten Werkstatt für Gartenkleingeräte (Rasenmäher, Fräsen, Vertikutierer, Motorsägen) getreten. Diesen Betrieb leitet ein Landmaschinen-Mechanikermeister im Justizvollzugs-Werkdienst. Dieser Bereich arbeitet mit Ausnahme kleinerer Reparaturen ausschließlich für Kunden von außerhalb. Zwar hat die JVA noch ein paar Hektar eigenen Wald, was in ihrem Holzhof verarbeitet werden soll, muss aber weitgehend zugekauft werden. Ob für einen Kamin- oder Küchenofen, eine mit Scheitholz betriebene Heizung oder sonstige Holzbefeuerungen, dieser JVA-Betrieb arbeitet nach den Vorgaben seiner Kunden und liefert in einem bestimmten Radius auch frei Haus. Sortierung und Maßvorgaben nach Wunsch, abgerechnet wird in Ster (Raummeter) "und nicht in Schüttmetern", betont der Leiter des Holzhofes. Vor diesem Hintergrund sei dieser Erwerbszweig auf jeden Fall preislich konkurrenzfähig.

Nicht ganz so einfach ist es, geeignete Arbeitskräfte zu finden. Ein Motorsägenkurs ist Pflicht und die JVA muss zudem ein ausgeprägtes Vertrauen in Gefangene setzen können, um ihnen so ein Gerät auch in die Hand zu drücken, um damit zu arbeiten.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.