Ein anderes Wort für Polizistin
Rechtsanwalt vergreift sich im Ton - oder doch nicht?

(Foto: dpa)

Von Wolfgang Houschka

Der Disput entzündete sich an einer Bezeichnung, die aufhorchen ließ. Beim Schöffengericht war in allseitigem Einvernehmen der Beschluss gefasst worden, auf die Aussage einer in den Zeugenstand geladenen Polizistin zu verzichten. "Die Gendarmeuse braucht nicht zu kommen", ließ plötzlich der Verteidiger des Angeklagten vernehmen und sorgte damit für Unbehagen beim Staatsanwalt.

"Wiederholen Sie dieses Wort!", wurde der gerne in bayerischer Tracht unter der Robe erscheinende Advokat aufgefordert. Er tat wie gewünscht und ergänzte geschwind, ein solcher Ausdruck sei in weiß-blauen Landen durchaus noch vielen geläufig. Genauso wie der Gendarm. Nur eben die weibliche Form. "Sagen Sie das nicht in Gegenwart der Dame", wurde der Staatsanwalt strenger im Ton und fuhr sinngemäß fort, die solchermaßen ins Französische gewandelte Berufsbezeichnung könne, bei phonetisch richtiger Aussprache, leicht als Schmähwort empfunden werden. Dann herrschte für einige Sekunden Stille, ehe der Jurist ergänzend befand: "Das sollte jetzt schon ins Protokoll aufgenommen werden."

An diesem Punkt der Debatte darüber, wie der Bayer angeblich eine Polizeibeamtin zu nennen pflegt, mischte sich Richter Markus Sand ein. Er fragte reihum, ob jemand außer dem Anwalt das verwendete Wort kenne und erntete nur Kopfschütteln.

Dann sah er im Internet nach und ließ wissen: "Aber das gibt es offenbar tatsächlich." In Frankreich vielleicht. Weniger bis gar nicht in Bayern. Auf einen Akteneintrag wurde verzichtet.
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