Ein Jahr nach der aufsehenerregenden Vorstandswahl
Neuer Geist im Tierschutzverein

In den renovierten Räumen fühlen sich die Katzen Roman und Jenny (die schwarze) wohl. Sie ließen sich deshalb von Sabine Falk und Tierheim-Leiterin Carmen Gurdan (von links) gerne auf den Arm nehmen. Von rechts: Gabi Binder und Veterinäramtsleiter Dr. Werner Pilz. Bilder: Steinbacher (2)
 
Wenn ein Riese wie Jumbo, ein Rüde der Rasse Deutsche Dogge, ins Tierheim kommt, wird schnell klar, warum die alten Hundeboxen zu klein waren und aus zwei alten eine neue gemacht werden musste.

Sabine Falk ist so viel eingefallen, dass sie auf mehrere Zettel schreiben musste, was sich seit ihrer Wahl zur Vorsitzenden des Tierschutzvereins vor einem Jahr alles geändert hat. Das offensichtliche Geheimrezept für den Erfolg nennt sie aber eher beiläufig.

Amberg. (ll) Es taucht irgendwo zwischen Tierärzten und Mitgliedern auf: "Wir sind ein Team und arbeiten zusammen. Wir sind wie eine kleine Familie." Dieser Zusammenhalt scheint die Leute bei der Stange zu halten. Denn leicht ist es nicht, für die Aufgaben im Tierheim neue Mitarbeiter zu finden, von denen es jetzt sieben gibt. "Sie müssen immer tierlieb und zuverlässig sein", beschreibt Sabine Falk die Kriterien. Vor allem in der Quarantäne kann man sich keine Nachlässigkeiten erlauben.

Gassigeher-Führerschein


Neue Gesichter also allerorten: die Tierheimleiterin Carmen Gurdan; die kooperierenden Tierärzte Dr. Ingo Dübeler und Dr. Bernd Lukas, die ihre Praxen in der Nähe haben; viele neue Mitglieder - allein 54 über den Gassigeher-Führerschein, den man jetzt braucht, wenn man einen Hund aus dem Heim haben will, und den es nur für Mitglieder gibt. Sie zahlen 15 Euro im Jahr. Komplett neu ist die Homepage. Über den Facebook-Auftritt unterstützt man Leute bei der Suche nach vermissten Tieren. Für Wildtiere hat man einen Bauern an der Hand, der sie aufnimmt. Wie etwa die fünf weißen Tauben, die bei einer Hochzeit davonflogen.

Auch an den Räumen hat sich einiges geändert. Acht Zimmer und die Toilette wurden renoviert. Bezahlt haben das Vorstandsmitglieder aus eigener Tasche, sagt Sabine Falk. Firmen wie Hohler und Behr, Gienger oder Eisen Schmidt hätten durch Spenden für die sanitären Ablagen eine großen Beitrag geleistet. Auf die Kaninchenschwemme 2015 habe man mit einer Vergrößerung der entsprechenden Räume und der Ausläufe für Zwergkaninchen reagiert.

Abgabe nur mit Kontrolle


Verbesserte Methoden und Aktionen finden sich auf dem Zettel von Sabine Falk ebenso: der Fahrdienst für hilfsbedürftige Tiere, wenn deren Halter kein Auto haben; die Kastrationsaktionen, bei denen genau geprüft wird, ob es sich tatsächlich um wilde Tiere handelt; dass zu fast jeder Vermittlung ausgiebige Vorkontrollen genauso gehören wie eine Rückmeldung per Mail, wo sich die Tierheim-Crew jedes Mal freut, wenn sie auf den geschickten Bildern sieht, dass sich der ehemalige Schützling wohlfühlt; und schließlich der Umstand, dass man die Tiere zuerst einmal nur auf der Basis eines "Probewohnens" abgibt - der neue Halter zahlt dabei schon die Tierarztkosten, "wir wären aber noch die Eigentümer, wenn Probleme auftauchen sollten", schildert Sabine Falk den Hintergrund.

Dass es im Tierheim derzeit so gut läuft, zieht inzwischen sogar Interessenten aus Weiden oder Schwandorf an, die so schöne Amberger Katzen haben möchten, erzählt die Vorsitzende. Das bringt zwar für die Menschen zusätzliche Arbeit, aber - und das betrachten hier alle als wichtiger - für das Tierwohl zusätzliche Optionen.

Nächste Aufgabe: Hundetrakt renovierenDr. Werner Pilz muss von Amts wegen genau hinschauen, was im Tierheim passiert. Denn das Veterinäramt hat hier eine Überwachungsfunktion. Pilz spricht aber auch von einer Partnerschaft. Und von Vertrauen. Das hat er zu der neuen Führung des Tierschutzvereins, seit er gesehen hat, mit welchem Engagement die Truppe um Sabine Falk arbeitet. Dass diese Leute nicht über den Dingen schweben, sondern aus Personalmangel selbst Dienste im Tierheim übernehmen. Pilz hat eine "sehr engagierte und motivierte Vorstandschaft mit viel Tierliebe und Einsatz" kennengelernt und wünscht sich "dringend, dass diese fleißigen Leute unterstützt werden". Weil es im Verein mit den neuen Leuten vorwärtsgehe, gebe er ihnen auch Zeit für den Umbau des Hundetrakts mit den zu kleinen Boxen. Aber spätestens 2017 müsse das in Angriff genommen werden. Dafür geht der Tierschutzverein wieder auf die Kommunen zu, für die er als "Fundbehörde" tätig ist. Wenn man dabei einrechnet, dass auch die Sozialräume und der Kleintiertrakt dringend sanierungsbedürftig sind, kommt laut Pilz auf die Gemeinden eine Umlage in Höhe von etwa sechs Euro pro Einwohner zu. Es zeichne sich zudem ab, dass die 50 Cent pro Einwohner, mit denen die Stadt Amberg und die Landkreis-Kommunen das Tierheim jährlich unterstützen, zu wenig seien.


Lieber an die Tiere denken
Angemerkt von Markus Müller

Sabine Falk behält den Überblick, auch wenn es turbulent zugeht. Das war vor einem Jahr so, als sie in einer nervenaufreibenden Versammlungen nach einer wiederholten Wahl neue Vorsitzende des Tierschutzvereins wurde. Das ist jetzt so, als sie eigentlich erzählen will, was sich seither geändert hat, aber ständig Fundtiere gemeldet werden. Ein Bussard mit Kopfwunde, der sich nicht mehr richtig bewegen kann. Eine kranke Katze. Alles dringend. Wie schlimm ist es? Werden sie gebracht? Müssen sie geholt werden? Wo? Wer fährt? Zu welchem Tierarzt soll es dann gehen? Sie kümmert sich.

"Die Tiere sind unsere Chefs", hat Sabine Falk kurz nach ihrer Wahl als Parole ausgegeben. Soll wohl heißen: Die Belange der Tiere müssen an erster Stelle stehen. Weniger die Befindlichkeiten der Menschen drumherum, die dem Verein in der Vergangenheit oft genug Negativ-Schlagzeilen beschert hatten. Auch das trug zu dem Eindruck bei, dass entschlossene Tierschützer oft schwierige Menschen sind.

Sabine Falk wirkt überhaupt nicht schwierig. Eher umgänglich. Sie hat vermutlich erkannt, dass man auf einem Weg, auf dem man sich selbst lauter Hindernisse aufbaut, nicht weit kommt. Sie sagt es nicht so, aber ihre Strategie ist offensichtlich: einen ordentlichen und geregelten Betrieb im Tierheim hinbekommen und dadurch Ruhe im Verein schaffen sowie den nicht nur rechtlichen, sondern auch moralischen Anspruch, von den Kommunen noch mehr Geld zu bekommen, um das Tierheim weiter modernisieren zu können. Leicht wird es nicht, die Gemeinden davon zu überzeugen. Aber Veterinäramtsleiter Dr. Werner Pilz setzt darauf, dass Sabine Falk das schafft: "Sie ist eine unheimliche Kämpferin."



Quarantäne droht Katzenschwemme"Der Quarantänebau ist zwar kosten- und zeitintensiv, aber auch ein Segen", sagt Sabine Falk und weist gleich darauf hin, dass der keine Errungenschaft des neuen Vorstands ist, sondern noch von den Vorgängern umgesetzt wurde. In dem abgetrennten Neubau müssen die hergebrachten Katzen mindestens zwei bis drei Wochen in Quarantäne, weil sehr viele von ihnen den Parvo-Virus haben, der die Tiere an Durchfall verenden lässt. Die 24 Boxen dort sind allerdings jetzt schon voll, berichtet Tierheimleiterin Carmen Gurdan. Dabei stehe die jährliche Katzenschwemme erst noch an, mit einem Höhepunkt im Mai.
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