Eine Lanze für die Altenpflege

SPD-Landtagsabgeordneter Reinhold Strobl (hinten rechts) ließ sich von den Mitarbeiterinnen der Caritas-Sozialstation und Diakon Richard Sellmeyer die Aufgaben und Arbeitsabläufe, wozu auch die Dokumentation gehört, schildern. Bild: Sandig

Sie kümmern sich um jene, die aufgrund ihres Alters oder einer Krankheit auf Pflege angewiesen sind. Sie sind nah dran am Menschen, brauchen aber trotzdem Distanz. In der Altenpflege zu arbeiten, ist oftmals alles andere als einfach.

In die Caritas-Sozialstation am Bergsteig war SPD-Landtagsabgeordneter Reinhold Strobl gekommen, um sich über die Arbeit der dort Beschäftigten zu informieren, aber auch zu hören, wo der Schuh drückt. Die Mehrheit der insgesamt 45 Mitarbeiter ist in Teilzeit tätig, zwischen 15 und 30 Stunden.

Auch Essen auf Rädern


Die Einrichtung ist nach Worten von Richard Sellmeyer, der in seiner Funktion als Diakon auch die beiden Caritas-Sozialstationen Amberg und Hirschau leitet, nicht nur in der ambulanten Pflege tätig, sondern übernimmt auch Essen auf Rädern, das aus der Küche des Seniorenheims an der Friedlandstraße kommt. Täglich seien es rund 45 bis 60 Mahlzeiten, schätzt Pflegedienstleiterin Ingeborg Gerlach. Ein weiterer Bereich ist der Hausnotruf. "Das ist ein sehr gutes Beruhigungsmittel für diejenigen, die ihn haben, aber auch für die Angehörigen", weiß Gerlach. Die am Bergsteig beheimatete Sozialstation betreut zwischen 165 und 170 Leute, nicht nur im Stadtgebiet, sondern auch in umliegenden Gemeinden.

Die Caritas-Sozialstation hat auch eine Betreuungsgruppe für alleinstehende Senioren. Wie Nicole Hollederer, Praxis-Anleiterin und gerontopsychiatrische Fachkraft, erklärt, wird montags gemeinsam gekocht und gegessen, donnerstags trifft man sich zur Kaffeerunde. Für die Sozialstation ist dies durchaus ein logistischer Aufwand. Denn laut Pflegedienstleiterin Gerlach werden alle Teilnehmer - rund 10 bis 14 Leute pro Treffen - mit dem Bus abgeholt und wieder heimgebracht.

Derzeit hat die Einrichtung drei Auszubildende, zwei Männer und eine Frau erlernen den Beruf Altenpfleger. "Problem ist, dass sie so gut wie nie da sind", führte Sellmeyer aus. Denn allein die Zeit, die die Azubis an der Altenpflegeschule verbringen, gibt er mit 40 bis 50 Prozent der Ausbildung an. "In den drei Jahren sind sie 600 Stunden nicht da", nannte die Pflegedienstleiterin konkrete Zahlen. Die ambulante Pflege sei mit der Arbeit in einem Krankenhaus oder einem Seniorenheim nicht zu vergleichen, erklärte der Diakon. Zum einen kommen die Pflegekräfte direkt in die Wohnungen der Menschen, sind in ihrem direkten Umfeld. Daran würden sich die zu betreuenden Menschen aber rasch gewöhnen, sagte die Pflegedienstleiterin. Ihre Stellvertreterin Petra Otto ergänzte: "Das Vertrauen wächst schnell." Irgendwann werde die Pflegekraft immer erwartet - wehe, sie verspäte sich mal, weil sie beim vorherigen Patienten länger gebraucht hat als erwartet oder ziemlicher Verkehr ist.

Eine engere Bindung


Ob sie denn Wünsche an die Politik hätten, fragte Reinhold Strobl in die Sozialstations-Runde. "Dass die Altenpflege mehr anerkannt wird", sagte Nicole Hollederer sofort. Ihre beiden Kolleginnen, aber auch Diakon Sellmeyer nickten zustimmend. Die Krankenpflege habe oftmals einen höheren Stellenwert als Altenpflege, sagten sie. Zu den Menschen entwickle sich oft eine engere Bindung. "Man wird fast schon Teil der Familie." Nicht selten werde man zu Feiern eingeladen. "Man darf mitfühlen, aber nicht mitleiden", erklärte Gerlach, warum eine Distanz zwischen Beruf und Privatleben aber notwendig sei. (Angemerkt/Hintergrund)
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