Einer der beiden Täter ist nach wie vor verschwunden
Milde Strafe für Paketräuber

Tatort war das Hauptpostgebäude am Kaiser-Ludwig-Ring, Opfer ein 54-jähriger Ausfahrer. Bild: Huber

Sie kamen im Dunkel der Nacht und beraubten einen Paketausfahrer, der gerade am Postgebäude beim Bahnhof hielt. Jetzt saß einer der beiden Täter vor dem Landgericht. Der zweite ist verschwunden.

Die Erste Strafkammer unter Vorsitz von Landgerichts-Vizepräsidentin Roswitha Stöber gab sich große Mühe bei der Aufklärung des Falles. Doch manchmal laufen Dinge aus dem Ruder, auf die kein Einfluss zu nehmen ist. Zum einen: Ein in der Nacht zum 6. Juni 2015 in Bahnhofsnähe überfallener Paketausfahrer ist zwischenzeitlich in seine Heimat Rumänien zurückgekehrt. Zum Prozess kam er nicht. Also konnte nur seine vor der Kripo gemachte Aussage verlesen werden.

Die zweite Widrigkeit: Auf der Anklagebank saß neben dem Regensburger Anwalt Helmut Mörtl ein 22-Jähriger, der keinerlei Angaben dazu machen mochte, wer ihn in der fraglichen Nacht beim Überfall begleitet hatte. Dass er selbst mit dabei war, gab er zu. Allerdings aber, wie er betonte, in eher untergeordneter Rolle. Und dann auch noch, wie der junge Mann anmerkte, "total besoffen." Den Raub bezeichnete er als "spontane Angelegenheit".

Messer gezückt


Um 2.45 Uhr morgens hatte der 54-jährige Ausfahrer am Hauptpostgebäude angehalten, um dort Pakete auszuladen, die er aus Nürnberg brachte. Der Mann war eben dabei, Kartons in eine zu diesem Zeitpunkt geöffnete Halle zu tragen, als plötzlich am Heck des Transporters zwei unmaskierte Männer auftauchten. Einer zog ein Messer aus der Hosentasche, stammelte Halbsätze wie "Nicht Polizei" und "Kein Telefon." Der Überfallene begab sich an die Beifahrerseite seines Klein-Lkw und bekam mit, wie die beiden Räuber sich einige Pakete schnappten und zu Fuß flüchteten.

Später fanden Polizeibeamte mehrere aufgerissene und entleerte Kartons in der Bahnhofsunterführung. Sie stammten von Versandhäusern und enthielten Kundenbestellungen wie ein T-Shirt, Schuhe und ein Damenkleid. Den Wert der Beute bezifferte Staatsanwältin Daniela Spies jetzt im Prozess vor der Strafkammer auf knapp 400 Euro.

Pech für den 22-Jährigen: An einem der Kartons wurden DNA-Spuren von ihm gefunden. Das ergab sich drei Wochen später bei einer Analyse im Bayerischen Landeskriminalamt (LKA). Am 30. Juni wurde der Mann in seiner Amberger Wohnung festgenommen und kam zunächst in U-Haft. Allerdings nur für ein paar Tage.

Was er nun den Richtern erzählte, ließ sich nicht widerlegen. Vorrangig dabei: Er habe den Fahrer nicht mit einem Messer bedroht. Und wer war der zweite Räuber, der mit dem Messer? Schon im Verlauf der Ermittlungen hatte es dazu keine Angaben von dem 22-Jährigen gegeben. Auch jetzt im Prozess schwieg er. Von dem etwa 30-jährigen Unbekannten weiß man eigentlich nur, dass er ein blau geschlagenes Auge und eine blutige Nase hatte. Doch das musste vorher passiert sein.

18 Monate auf Bewährung


Der spektakuläre Überfall endete mit einer vergleichsweise milden Strafe. Der geständige Täter bekam 18 Monate Haft zur Bewährung, verbunden mit 2500 Euro Geldauflage. Nach seinem Komplizen wird weiter gesucht.
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