Elementare Verbindung zur Oberpfalz

Zweistelliges Wachstum pro Jahr verzeichnet die Lüdecke GmbH - davon können manche Branchen und Unternehmen nur träumen. Die größten Herausforderungen: qualifizierte Mitarbeiter zu finden und die Qualität beizubehalten.

Mitte der 1990er kam der große Schub - bis dahin hatte Lüdecke Kupplungssysteme für Druckluft im Bausektor hergestellt. "Das wurde dann systematisch ausgebaut", erzählt Klaus Herdegen. Er ist seit 15 Jahren Geschäftsführer bei Lüdecke und damit bereits die dritte Generation im innovativen Familienunternehmen. "Den Begriff Familienunternehmen interpretiere ich auch so, dass wir alle im Unternehmen eine große Familie sind - gerade im Umgang untereinander. Wir haben Konkurrenz in Asien und Europa. Um erfolgreich zu sein, sind wir als Team gefragt", betont Herdegen. "Optimale Arbeitsbedingungen, Gesundheitsvorsorge, Sport, Weiterbildung und ein intaktes soziales Umfeld im Unternehmen sind für uns selbstverständlich."

"Made in Amberg"

Firmengründer Emil Georg Lüdecke erfand 1930 die Klauenkupplung für Druckluft. Dieses System ist heute weltweit Standard und ebenso einfach wie genial: Unterschiedliche Anschlüsse lassen sich damit durch symmetrische Kupplungsköpfe schnell verbinden und durch eine kurze Drehung verriegeln. 1986 wurde die Firma von Erwin Bogner, der seit 1955 als Geschäftsführer und Teilhaber tätig war, komplett übernommen und als Familienunternehmen weitergeführt. Unter seiner Führung entwickelte sich das mittelständische Familienunternehmen zu einer Top-Adresse für hochwertige Kupplungssysteme. Mit großem persönlichen Einsatz baute er ein weltweites Vertriebsnetz auf und stellte die Weichen für die zukunftsweisenden Produktschwerpunkte Pneumatik, Temperiertechnik, Bau- und Wasserarmaturen sowie Edelstahlkupplungssysteme.

Zum Portfolio zählen aktuell unter anderem Klauenkupplungen, Kugelhähne, Schlauchverbindungen, Wasser-, Chemie- und Industriearmaturen, Abblaspistolen und Abblashähne, Pneumatikarmaturen oder Schnellverschlusskupplungen.

Verarbeitet werden dabei alle gängigen Metalle wie Temperguss, Stahl, Messing, Aluminium oder Edelstähle verschiedener Qualitäten sowie Polyurethan in der Spiralschlauch-Fertigung. Diese Produkte werden über den technischen Fachhandel vertrieben, von führenden Maschinenbauern weltweit eingesetzt und täglich in mehr als 120 Länder versendet.

Der Global Player Lüdecke verzeichnet seit Jahren ein stetiges Wachstum. "Aber seit 2012 wachsen wir extrem - zweistellig pro Jahr", berichtet Klaus Herdegen und betont im gleichen Atemzug, dass dies die Firma vor große Herausforderungen stelle. Die Ansprüche sind groß - beim Kunden und auch im Unternehmen selbst. "Wir wollen ja beste Qualität liefern und da müssen wir beim Wachstum aufpassen, dass wir auch gesund wachsen. Wir produzieren ja alles selbst - und das soll konstant ablaufen und hochwertig bleiben. Made in Amberg, made in Germany. Denn was uns auszeichnet, ist die Tatsache, dass wir 95 Prozent unserer Produkte in Amberg produzieren", sagt er. Aufträge vergebe man auch stets in der Region. "Letztendlich profitieren wir ja alle davon", so Herdegen.

Kantine und Dachterrasse

Lüdecke trägt der rasanten Entwicklung der letzten Jahre Rechnung: Aktuell wird der Firmensitz um drei neue Produktions- und Montagehallen sowie einem Kunden- und Schulungscenter erweitert - 3000 Quadratmeter neue Flächen mit 2000 Quadratmetern Fertigung. Zusätzlich findet ein Ausbau des R & D-Bereichs (Forschung und Entwicklung) statt. "Diese Maßnahmen ermöglichen es uns, noch schneller auf Kundenbedürfnisse zu reagieren und gleichzeitig unser Versprechen ,Engineered and made in Germany" beizubehalten", erläutert Herdegen. Und wenn man in ein paar Jahren nochmals mehr Platz brauchen würde? Kein Problem. "Wir haben Luft nach oben, es sind etliche Bauabschnitte geplant und wir könnten sogar nochmal verdoppeln." So kommen die Mitarbeiter nach der Fertigstellung auch in den Genuss einer Kantine und einer Dachterrasse.

Leistungen und Produkte bezieht die Firma aus der Region, Deutschland und der EU, und die rund 130 Mitarbeiter kommen fast alle aus der Umgebung. Eine Herausforderung sei aktuell auch bei Lüdecke die Suche nach Fachkräften. "Wir sind auf der Suche nach qualifizierten Mitarbeitern. Ein paar Rückkehrer zieht es auch wieder in die Oberpfalz." Die Zahl der Mitarbeiter ist in den letzten Jahren um 50 Prozent gestiegen. "Wir hatten Glück, dass wir gute Leute gefunden haben. Lehrlinge haben wir zu 100 Prozent gehalten."

Glücksfall OTH

Der Hochschulstandort Amberg-Weiden ist ein Glücksfall für Lüdecke. Bereits 2001 hat das Unternehmen erste Studenten der heutigen Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) beschäftigt. Man stehe in engem Kontakt, vergebe Bachelor- und Masterarbeiten und profitiere von den Werksstudenten: "Da haben wir einen sehr guten Ruf. Und wenn es passt, bleiben die Leute bei uns."

Der Standort im Herzen der Oberpfalz ist für Lüdecke also ideal. Ob man ihn optimieren kann? "Ich glaube, die Oberpfalz an sich müsste sich noch besser vermarkten, positionieren und verkaufen. Es ist lebenswert hier. Einige kommen gerne zurück, um hier zu arbeiten - aber viele haben die Oberpfalz trotzdem nicht am Schirm", sagt Klaus Herdegen.
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