Ellen Galle hilft in Sri Lanka
Wo Reis und Eier Luxus sind

Die Mädchen und Buben, die im Rainbow Centre betreut werden, sind Straßenkinder und Waisen - in vielen Fällen sogar beides in einer Person. Die 76 Jahre alte Rollstuhlfahrerin Ellen Galle (im Bildhintergrund) machte sich wieder auf den Weg nach Sri Lanka, um den Ärmsten der Armen zu helfen. Eine ihrer wichtigsten Erkenntnisse: Manchmal reicht schon ein Teller mit Reis, Gemüse und einem Ei, um ein Kind glücklich zu machen. Bild: privat

Ellen Galle lässt sich nicht stoppen. Die 76 Jahre alte Rollstuhlfahrerin packte wieder ihre Koffer, um auf Sri Lanka dazu beizutragen, die immer noch spürbaren Auswirkungen der Tsunami-Katastrophe von 2004 zu lindern. Im Vorjahr hatte die Ambergerin 2705 Euro Spendengelder dabei, heuer war es noch mehr.

"Ich habe wieder viele gute Dinge auf den Weg bringen können und dadurch immer freudestrahlende Kinder um mich herum gehabt", sagt die Seniorin, die seit ihrem 17. Lebensjahr an der unheilbaren Nervenkrankheit Multiple Sklerose leidet. Schon im ersten Jahr nach der verheerenden Flutwelle hatte sie damit begonnen, auf der Insel im Indischen Ozean, die sie zuvor als Touristin kennen- und lieben gelernt hatte, zu unterstützen, wo sie nur konnte. Diesmal halfen ihr die 4880 Euro, die sie in ihrem Umfeld gesammelt und von Lesern unserer Zeitung überwiesen bekommen hatte.

Seit 2006 sorgte die Ambergerin zum Beispiel im Haushalt einer Schwerstbehinderten für einen Küchenanbau, einen Rollstuhl, ein dichtes Dach, Kleidung, Nahrungsmittel, eine Toilette, Möbel und eine barrierefreie Zufahrt. Da die Frau mittlerweile verstorben ist, kümmert sich die Tochter (13) um den Bruder (18), der zum Pflegefall geworden ist. Galle brachte bei ihrem erneuten Besuch Kleidung und haltbare Lebensmittel für ein halbes Jahr mit.

Auch in einer Schule in dem kleinen Ort Darga-Town schaut die Ambergerin jedes Jahr vorbei. Die Mädchen und Buben, die dort unterrichtet werden, stammen ausnahmslos aus armen Elternhäusern oder sind Waisen. In diesem Jahr besorgte Ellen Galle für 78 von ihnen Schuhe, Strümpfe und Stoffe für Schuluniformen. Außerdem hatte die Rentnerin Stifte, Hefte, Lineale, Radiergummis und zwei Ventilatoren im Gepäck.

Viele Straßenkinder


Weiter ging's zum Rainbow Centre, in dem Straßenkinder eine Bleibe finden. Der jüngste Bewohner ist laut Ellen Galle drei Monate, der älteste 19 Jahre alt. 2014 hatte die 76-Jährige sechs Zentner Lebensmittel, Medikamente und Schulmaterial dort abgeliefert, im Vorjahr ähnelte sich das Bild. Galle blieb ihrer Linie treu und war heuer gleich vier Mal vor Ort: "Ich brachte 500 Kilogramm Nahrungsmittel und 105 Mittagessen mit Reis, Gemüse und Ei." Zum Nachtisch gab es für alle Eis - für die meisten das erste ihres Lebens. Für ein acht Jahre altes und fast taubes Mädchen, das seit 2012 von den Spenden aus Amberg und Umgebung profitiert, finanzierte die 76-Jährige bisher Hörgeräte und nun für weitere zwölf Monate einen Sprachunterricht.

In einer anderen Schule ließ Galle die 2014 begonnene Sanierung vollenden. Die 55 Mädchen und Jungen verfügen nun endlich über drei Toiletten. Zudem kaufte die Ambergerin vier Tische und Bänke. Auch das gibt es auf Sri Lanka: Gleich neben dem Hotel der Deutschen befindet sich ein Montessori-Kindergarten, der bis dato ebenfalls ohne WC auskommen musste. Ellen Galle hat das geändert: "Ich ließ eine Toilette mit Wasseranschluss und Betondach bauen."

Von ihren einheimischen Freunden, die sie bei ihrer Tour begleiten, erfuhr die Ambergerin, dass es mitten im Dschungel, wo kein Tourist hinkommt, eine arme Familie gibt, der geholfen werden müsste: "Vater blind, drei Kinder, die Frau hat mit einem Reisfeld die Familie ernährt." Bei Dürre stand deren Schicksal jedes Mal auf dem Spiel: "Ich ließ einen Brunnen bohren. Mit Hilfe einer elektrischen Pumpe hat die Familie Wasser. Das Reisfeld kann wieder bewirtschaftet werden."

Zwei Stunden zur Schule


Für drei Jungen kaufte Ellen Galle jeweils ein Fahrrad, da sie jeden Morgen eine Stunde zum Bus laufen mussten und dann noch 50 Minuten bis zum Unterricht unterwegs waren. Dank der Ambergerin sparen die Schüler jetzt jeden Tag 90 Minuten. Doch die Besucherin aus Deutschland half auch Erwachsenen. Zum Beispiel einem Hilfsarbeiter, der mit seiner Frau und den drei Kindern auf 20 Quadratmetern lebt. Dass die Familie keine Toilette hatte, wollte Ellen Galle nicht hinnehmen und gab einen Anbau in Auftrag. Für den Nachwuchs kaufte sie Kleider und Schuhe.

Denn in erster Linie sind es die Kinder, für die Galle ein Herz hat: Für zwei fünfjährige Mädchen organisierte sie jeweils eine komplette Ausrüstung zur Einschulung: "Die Eltern hätten das Geld nicht aufbringen können. Aus den Kindern wären Analphabeten geworden." Der Schulstart koste auf Sri Lanka 45 Euro, ein Arbeiter verdiene 60 Euro: "Davon muss er aber eine fünf- bis achtköpfige Familie ernähren. Bildung tritt bei vielen in den Hintergrund", sagt Galle, die nächstes Jahr wieder nach Sri Lanka will. Mit dann 77 Jahren.

Die Eltern hätten das Geld nicht aufbringen können. Aus den Kindern wären Analphabeten geworden.Ellen Galle über die 45 Euro, die der Schulstart auf Sri Lanka kostet
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