Endspurt der Amberger Bockbier-Saison
Barnabas, der ewige Querdenker

Das war nicht nur gute Miene zum bösen Spiel. Auch die lokale Parteiprominenz konnte mit dem nötigen Schuss an Selbstironie herzhaft über die Starkbierrede von Bruder Barnabas lachen. CSU-Stadtratsfraktionsvorsitzendem Dieter Mußemann (linkes Foto) machte es ebenso viel Spaß wie der SPD-Spitze (rechtes Foto, von links) Birgit Fruth und Uli Hübner sowie Stadträtin Hannelore Zapf.
 
Das war nicht nur gute Miene zum bösen Spiel. Auch die lokale Parteiprominenz konnte mit dem nötigen Schuss an Selbstironie herzhaft über die Starkbierrede von Bruder Barnabas lachen. CSU-Stadtratsfraktionsvorsitzendem Dieter Mußemann (linkes Foto) machte es ebenso viel Spaß wie der SPD-Spitze (rechtes Foto, von links) Birgit Fruth und Uli Hübner sowie Stadträtin Hannelore Zapf.

Gerade ein Steinwurf liegt zwischen dem Winkler-Bräu und dem früheren Paulanerkloster, wo alles begann. Sie sind sich also von jeher sehr nahe, das gehaltvolle Bockbier und der Mönch, der für gottesfürchtige Grantelei auf Kosten der weltlich Mächtigen steht.

Eine ganze Mass war schon nötig, um die acht Mal mit Bruder Barnabas anzustoßen, als er aus seinem Herzen keine Mördergrube machte und von der Seele schwadronierte, was da so schief läuft in Amberg und dem Rest Welt. Sollte es den überhaupt geben. Und es ist immer wieder erfrischend, wenn sich Matthias Schöberl die Mönchskutte überzieht. Schon allein deshalb, weil ein ehemaliger CSU-Stadtrat genau das macht, was die Christsozialen immer gern tun, aber mit Verbannung belegen, wenn es um sie selbst geht: inbrünstig über andere herziehen.

Schöberl, berufsbedingt (ZDF-)öffentlich-rechtlichen Geistes, ließ am Samstagabend natürlich alle bei dieser Josefi-Feier präsenten Stadtratsfraktionen und -flügel gleichermaßen bei seiner Bockbier-Standpauke mitkommen. Und an die "lieben Ambürgerinnen und Ambürger" gewandt, mahnte er bibelfest (Matthäus 23,12): "Wer sich selbst erhöht, der soll erniedrigt werden!" Er sprach#s und tat's zur herzhaften Freude seines Publikums.

Schlummernde Talente


Um nur ein paar Beispiele der fast einstündigen Starkbierrede zu geben: Barnabas lästerte über den kleinmütigen Ordnungssinn (voller Rathaus-Mülleimer) der "königlich-bayerischen Sozialbürokraten" (nicht erklärungsbedürftig) und Ökobausparer (Grüne), frotzelte gegen die "Jeanne d'Arc Kleinraigerings" (CSU-Stadträtin Gabi Donhauser) oder delektierte sich an oberbürgermeisterlicher Erklärungskunst wie: "Die Plättenfahrt ist im ersten Sinn natürlich eine Schifffahrt auf der Vils in einem ans Historische angelehnten - ja, einer Plätte." "Ding" wäre wohl besser gewesen, sinnierte Barnabas.

Konsequent halt


Aufgeregte Flüchtlingsdebatte hin oder her. Den bisher konsequentesten Vorschlag hat der Starkbierredner aus einer Presseerklärung der Amberger CSU herausgefieselt: Es gelte, "auch die innerdeutschen Grenzen wieder besser zu sichern". Dann kehre endlich wieder Ruhe am Weißwurstäquator ein. Leibhaftig anwesend, gab Barnabas dem "Nebenwerwerbs-Landtagsabgeordneten" Harald Schwartz gleich ein paar Tipps nach München mit, damit er unbedingt auf seinen Chef Horst Seehofer aufpasse. Nicht dass sich der bald einen Bunker unter der Staatskanzlei grabe, während die Kanzlerin weiterhin "öffentlich an ihren erdogenen Zonen" herumspiele.

Reichlich mutig


Schöberl liegt der Barnabas und er kann diese Figur mit viel Wortwitz und -geschick packen. Er hat das Talent, seine Fastenpredigt auch sprachlich und mimisch in Szene zu setzen, kabarettistische Züge treten offen zutage. Der ehemalige CSU-Stadtrat braucht aber auch viel Mut. Vom Nockherberg wäre er mit dieser Starkbierrede mit Schimpf und Schande heruntergetrieben worden. Denn zimperlich ist Schöberl nicht, zuweilen auch recht derb-direkt.

Davon setzten sich erfrischend die geistreichen Passagen ab, und mit dem umgedichteten Frankenlied rückte er in eine reizvolle Nähe zum Singspiel. Den Leuten im vollen Winkler-Bräu hat es gefallen, und vielen, die nicht da waren. hätte es wohl gefallen, weil dieser Mann in dieser Rolle gut ist.
Was ist nun eigentlich die Haltung der Amberger SPD? Frau Fruth, ganz ehrlich. Ich hätte viel begriffen, wenn Sie es nicht erklärt hätten!Bruder Barnabas

Nein, Lichtmess war nicht. Da wurden früher die Knechte und Mägde entlassen. Josefi wurde am Samstag gefeiert, und die Familienbrauerei Winkler tut das seit Jahren öffentlich. Schließlich heißt der Inhaber Josef Winkler und führt bisher zusammen mit seiner Ehefrau Angelika das Unternehmen.

In die Geschäftsführung mit einsteigen wird heuer noch einer der beiden Söhne, Maximilian Winkler. Die Begrüßung der Gäste in der Brauereigaststätte in der Unteren Nabburger Straße, die von dem Wirtsehepaar Wolfgang und Gabi Behringer geführt wird, nahm der Seniorchef zum Anlass, diese anstehende Veränderung öffentlich zu machen. Derzeit arbeitet laut des Vaters der Junior nach dem Abschluss seines einschlägigen Studiums in Weihenstephan, einem Ableger der Technischen Universität München, noch in einer Brauerei im Allgäu.

In wenigen Wochen wird er nun auch beruflich nach Amberg zurückkehren. Maximilian Winkler gab einen standesgemäßen Einstand an diesem Abend. Da er als Zweitnamen auch Josef trägt, bekräftigte er unter dem Beifall eine Gepflogenheit der Familie: zwei Halbe Bock für jeden Gast des Abends, der Josef oder Josefine heißt.

Ob er bei dem ausgeschenkten Doppelbock auch schon die Finger mit im Spiel hatte, verriet der Bräu in spe nicht. Er sprach von einem "charaktervollen Bier" mit fast 19 Prozent Stammwürze im Sud. 18 würden ausreichen, um als Doppelbock klassifiziert zu werden. Vorsicht sei geboten. Der im Steinkrug als Halbe ausgeschenkte frische Doppelbock komme auf wackere acht Prozent Alkoholgehalt.

Josef Winkler deutete an, dass der Junior "mit vielen Ideen unsere Familienbrauerei befruchten" wolle. Maximilian Winkler wurde etwas konkreter. Denn ein erster Versuch läuft schon seit drei Jahren. So ist in Flaschen abgefüllter Doppelbock in einer bisher noch recht bescheidenen Größenordnung im Keller eingelagert worden.

Ein nicht alltägliches Experiment. Warum nicht Bier gleichfalls wie Wein oder Spirituosen über längere Zeiträume weiter reifen lassen und später nachschauen, was dabei herauskommt? Versprechen wollte der junge künftige Winkler-Bräu nichts, lud die Gäste der abendlichen Josefifeier aber zu einer Kostprobe im Anschluss an die Fastenpredigt von Bruder Barnabas ein.
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