Erfolgreiches Fassadenprogramm in Amberg
Neue Farbe für altes Gemäuer

Baustellen-Leiter Peter Kreuzer malt und sieht schwarz. Aber nur im wörtlichen, nicht im übertragenen Sinn, denn die Baustelle am Walfischhaus läuft bisher gut. Bilder: wsb (2)
 
Elfriede Walleter zeigt ein Dokument, das besagt, dass die Familie ihres Mannes das Haus in der Löffelgasse 1902 kaufte.

Nicht nur die Blätter an den Bäumen färben sich bunt, sondern auch die Häuser in der Altstadt. Seit die Stadt Sanierungen von Fassaden bezuschusst, haben die Putzer und Maler Konjunktur.

2014 hatte der Stadtrat einen Versuch gestartet: Hauseigentümer innerhalb der historischen Stadtmauern sollten mit einem Zuschuss ermuntert werden, die Gebäudefassaden zu renovieren. Zwei Jahre später spricht Baureferent Markus Kühne von einer Erfolgsgeschichte. Der Bauausschuss ist einhellig der Auffassung, das Förderprogramm weiterzuführen.

Die Stadträte hatten sich darauf verständigt, pro Jahr maximal 100 000 Euro für Sanierungsvorhaben zur Verfügung zu stellen. Als Rahmenbedingung legten sie fest, dass pro Anwesen höchstens 30 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten, gedeckelt auf 25 000 Euro, unterstützt werden. Die Stadt greift dabei Geld des Freistaats ab. Denn 60 Prozent jeder 25 000-Euro-Einzelförderung überweist die Regierung der Oberpfalz aus dem Topf des Städtebauförderungsprogramms von Bund und Ländern.

Den Auftakt machte vor zwei Jahren der Eigentümer des Anwesens Obere Nabburger Straße 27. Ein Jahr später folgten dann zwei weitere Häuser (Viehmarkt 15 und Neustift 25). Im laufenden Jahr greifen sechs Immobilienbesitzer auf die Förderung zu. Fassadenarbeiten laufen gerade am Frauenplatz 8, in der Neustift 57, Steinhofgasse 11 und 15, Militärspitalgasse 8 und Löffelgasse 2. Wobei es sich beim letztgenannten Projekt um das Walfischhaus und damit eine der markantesten Fassaden in der Innenstadt handelt (siehe Artikel unten). "Für das Förderjahr 2017 gibt es bereits jetzt drei Anträge", erläuterte Kühne. "Mit diesem Programm werten wir die Altstadt deutlich auf."

Mit diesem Programm werten wir die Altstadt deutlich auf.Baureferent Markus Kühne


Neuer Anstrich für das WalfischhausBald sehen die Betrachter des Walfischhauses wieder schwarz. Die Fassade des historischen Gebäudes wird renoviert. Mit Ruß und Wachs - originalgetreu wie im Mittelalter.

Zuletzt war das auffällige Gebäude in der Löffelgasse ziemlich verblasst. "Die Stadtführer wollten nicht mehr daran vorbei gehen", erzählt Eigentümerin Elfriede Walleter. Doch bald ist es wieder tiefschwarz, wie im 17. Jahrhundert, als der Färber Samuel Hetzendörfer dort wohnte und arbeitete. Der Schwarzfärber hing im Giebel des Hauses seine Tücher auf und passte die Wandfarbe entsprechend an. Seit 1902 ist das Haus in Besitz der Familie des Spediteurs Hans Walleter. Bevor sie das Gebäude 1983 zuletzt sanierte, erstrahlte es im zarten Rosa.

"Die Arbeiter haben damals mit Fingernagelfeilen 15 Farbschichten freigelegt. Darunter kam plötzlich die Originalfarbe zum Vorschein", erklärt seine Gattin. Schwarz war das Walfischhaus gewesen und schwarz soll es wieder sein. Etwa 100 000 Euro schätzt Elfriede Walleter die Kosten für die Renovierung. Darum kümmert sich eine Werkstätte für Restaurierung aus Parsberg. Nach den Vorgaben des Denkmalschutzes arbeiten die Handwerker wie im Mittelalter. Baustellenleiter Peter Kreuzer zeigt auf einen unscheinbaren Kübel mit schwarzer Farbe. "Da haben wir Ruß mit Leinöl gebunden", erklärt er. Flammruß oder Lampenschwarz nennt sich die Farbe.

Die Baustelle dauert von Mitte August bis Ende Oktober. "Wir brauchen mehrere Lasuren. Dazwischen muss es immer wieder trocknen", kündigt Kreuzer an. Danach kommt Carnauba-Wachs auf die Außenwand, das dann aufpoliert wird. Auch die aufwendigen Fischgestalten an der Außenseite des Miethauses mit elf Wohnungen werden restauriert. "Wie vor 250 Jahren. Alles mit der Hand und ohne Maschinen", erklärt Kreuzer stolz.

Wie lange der Anstrich hält, kann der Handwerker nicht sagen. Besonders Tauben sieht Elfriede Walleter als starke Bedrohung. "Wir können machen, was wir wollen. Es werden immer mehr", klagt sie. (blu)
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