Ernittlungen gegen einen abgeurteilten Drogendealer
Kronzeuge sollte verschwinden

Der Mann hat noch 15 Jahre Knast vor sich. Doch es könnte sein, dass sich dieser Aufenthalt hinter Gittern noch verlängert. Nach umfangreichen Ermittlungen, die wegen Drogenhandels gegen den 40-Jährigen aus Amberg liefen, soll nun ein weiteres, nicht minder brisantes Verfahren gegen ihn im Gange sein.

Amberg/Nürnberg. Ursprünglich ging es um Heroingeschäfte im Kilo- und um Cannabishandel im Zentnerbereich. Außerdem stand der Einbruch in ein Outlet-Center zur Debatte. Als eine Strafkammer des Landgerichts Nürnberg das Urteil verkündete, kam es im Gerichtssaal zu ungewöhnlichen Sicherheitsvorkehrungen. Die drei Angeklagten, darunter auch der Amberger, erhielten lange Haftstrafen. Gegen den 40-Jährigen wurden vierzehneinhalb Jahre verhängt. Das lag unmittelbar an der Höchstgrenze dessen, was das Gesetz für solche Delikte vorsieht.

Seit 2014 in Haft


Der Mann, überführt, maßgeblich an einem straff organisierten Drogenhandel mit einem Stützpunkt in Sulzbach-Rosenberg beteiligt gewesen zu sein, verschwand 2014 hinter Gittern. Im vergangenen Jahr zitierte ihn die Staatsanwaltschaft erneut auf die Anklagebank. In diesem Prozess bekam der Amberger von einem Nürnberger Schöffengericht zwei Jahre Haft wegen uneidlicher Falschaussage. Auch dabei ging es um ein Drogen-Strafverfahren und seine Rolle als Zeuge.

Nun ist der 40-Jährige allem Anschein nach schon wieder ins Visier der Behörden geraten. In diesem Fall geht es dem Vernehmen nach um einen Mann aus Franken, der im Zusammenhang mit organisiertem Rauschgifthandel ebenfalls viele Jahre hinter Gitter wanderte. Er zeigte sich allerdings auskunftsfreudig, schilderte offenbar gegenüber Ermittlern Strukturen und interne Abläufe. Deshalb kam der Häftling in ein sogenanntes Zeugenschutzprogramm. Ob man ihm wegen seiner für die Szene verhängnisvollen Mitteilsamkeit eine Verkürzung der Haftzeit oder andere Vergünstigungen zusicherte, ist nicht bekannt.

Der 40-Jährige aus Amberg soll angeblich mit dabei gewesen sein, als es in einer bayerischen Justizvollzugsanstalt zwischen Gefangenen zu Überlegungen kam, den redseligen Zeugen zu beseitigen. Das würde den Tatbestand der Verabredung zu einem Gewaltverbrechen darstellen und wäre erneut mit einer langen Freiheitsstrafe bedroht, würde sich dieser massive Verdacht als zutreffend erweisen.

Mit anderen Worten: Der ohnehin schon bis weit ins nächste Jahrzehnt einsitzende Oberpfälzer käme bei einem Nachweis seiner Beteiligung an diesem Mordauftrag womöglich erst ein gutes Stück nach 2030 wieder auf freien Fuß. Der Amberger Strafverteidiger Jörg Jendricke vertritt als Anwalt die Interessen des 40-Jährigen. Auf Anfrage sagte der Anwalt, er wisse von den neuerlichen Ermittlungen gegen seinen Mandanten. Nähere Einzelheiten aber wollte der Jurist mit Verweis auf das laufende Verfahren und seine Verschwiegenheitspflicht nicht nennen.

Ähnlicher Verdacht


Schon vor der Verurteilung zu 14 Jahren und sechs Monaten wegen Drogenhandels hatte sich der heute 40-Jährige im Fadenkreuz bundesweiter Ermittlungen befunden. Im Jahr 2010 waren bei Paderborn zwei Männer erschossen worden, die kriminellen Rauschgiftkreisen offenbar in die Quere kamen. Dass der Amberger damals seine Hände im Spiel hatte, als sich das Kapitalverbrechen auf offener Straße ereignete, ließ sich seinerzeit nicht nachweisen.
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