Erste Flüchtlinge ziehen ein
Eine Herberge auf Zeit

 
Ein Blick in ein Zimmer, in denen die Flüchtlinge untergebracht werden. Den ersten Stock der Erstaufnahmeeinrichtung beziehen alleinreisende Männer, den zweiten die Familien.

Ein Lkw des THW stößt rückwärts in das umzäunte Areal. Freiwillige Helfer laden Bierbänke aus, um Sitzgelegenheiten im Freien zu schaffen. Drinnen wischen Putzfrauen die Gänge. Eine Helferin sortiert in der Kleiderkammer T-Shirts ein. Für die Bewohner ist alles hergerichtet.

Am Dienstagnachmittag wurden letzte Vorbereitungen getroffen - am Mittwochmorgen kamen die ersten Bewohner auf Zeit, 111 Flüchtlinge, vor allem Iraker und Syrer. Kleinigkeiten waren es, die noch anstanden. Haus 6 auf dem ehemaligen Bundeswehrkrankenhaus-Gelände ist als Erstaufnahmeeinrichtung konzipiert.

"Wissen nie, wer kommt"


Das Gebäude nebenan, die Nummer 7, wird derzeit noch umgebaut und soll laut Christian Zisler, der bei der Stadt Amberg die Koordinierungsstelle für Flüchtlinge und Asyl leitet, später für dezentrales Wohnen dienen. "Da sind wir noch in der Bauphase", informierte er. Anfang oder Ende Mai soll diese Maßnahme abgeschlossen sein. Entstehen werden 60 Plätze, die Erstaufnahmeaufrichtung ist für 200 Menschen ausgelegt, erläuterte Zisler. Wer als Flüchtling nach Deutschland kommt, wird in eine Erstaufnahmeeinrichtung gebracht. Von dort aus erfolgt die Verteilung der Hilfesuchenden auf die Kommunen, die dann jeweils für die Asylverfahren der Menschen zuständig sind. In dieser Zeit sind die Schutzsuchenden entweder in Gemeinschaftsunterkünften oder im dezentralen Wohnen untergebracht. Erst nach Durchlaufen des Verfahrens und der Anerkennung beziehen die Flüchtlinge Wohnungen auf dem freien Markt. "Wir wissen vorher nie, wer kommt", sagte Christian Zisler über die Leute, die am Mittwoch dort eintrafen. Lediglich eine Zahl war am Dienstagnachmittag schon bekannt: 111 Flüchtlinge werden es sein.

Die Stadt hat sich für den Betrieb einen Partner gewählt: den BRK-Kreisverband. Dessen Aufgabe ist es, für die Leute da zu sein, ihnen zu helfen, wenn sie verletzt oder erkrankt sind, sich um die Kinder zu kümmern und den Bewohnern zu erklären, wie alles funktioniert und abläuft.

Mit Arabisch-Kenntnissen


"Das Rote Kreuz ist sozusagen der Herbergsvater", sagte Zisler. Wert wurde darauf gelegt, dass unter den Mitarbeitern welche sind, die Arabisch können. "Das ist einfacher, als wenn erst ein Dolmetscher geholt werden muss", so Zislers Erfahrung. Er ist optimistisch: "95 Prozent der Sprachprobleme werden wir im Haus lösen können." In der Mehrzahl seien die Flüchtlinge Syrer und Iraker.

Zeit- und arbeitsintensiv


In der Kleiderkammer ist eine ehrenamtliche Helferin beschäftigt, T-Shirts nach Größe zu sortieren und in die Regale zu legen. "Diesen Dienst darf man nicht unterschätzen", lobt Zisler das Engagement der freiwilligen Helfer. "Das ist sehr zeit- und arbeitsintensiv." Die Stockbetten, mit denen die Zimmer bestückt sind, hat die Regierung der Oberpfalz aufbauen lassen. "Die stehen schon seit einem Monat hier", sagt Zisler. Während Putzfrauen noch die Gänge wischen, macht der Leiter der Koordinierungsstelle für Flüchtlinge und Asyl einen Rundgang.

Im Speisesaal stehen die Stühle akkurat nebeneinander an den Tischen. Jeden Tag wird ein Catering-Unternehmen das Mittagessen liefern, dabei gleich Abendessen und auch das Frühstück für den nächsten Morgen mitbringen. Als Zisler nach draußen kommt, stehen schon die Biertisch-Garnituren, die das THW geliefert hat. Am Dienstagnachmittag ist alles so weit vorbereitet, die Bewohner können kommen. Am Mittwochmorgen fahren die Busse vor, erst zwei, später noch ein dritter. Die ersten 111 Menschen beziehen die Erstaufnahmeeinrichtung auf dem Areal des ehemaligen Bundeswehrkrankenhauses. (Angemerkt/Hintergrund)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.