Erster Amberger Schlag
Schmalzstadel lockt Tauben an

80 neue Wohnungen für Tauben entstanden im Schmalzstadel an der Neustift (links). Rund um das Fenster können sich Tiere ohne Partner hinsetzen. Heute wird mit dem Anfüttern begonnen. Bild: Steinbacher

Mit wippenden Köpfen und spitzen Schnäbeln watscheln sie über das Kopfsteinpflaster und bekleckern Mauerwerk. Das sieht nicht nur hässlich aus, sondern greift auch die Substanz an. Jetzt gibt es in der Altstadt den ersten Amberger Taubenschlag. Nicht, weil alle die Vögel so gerne mögen, sondern um ihnen den Garaus zu machen. Wem das weniger gefällt: den Anwohnern.

Sie haben sich bereits im Sommer mit einem offenen Brief an die Stadtverwaltung gewandt. Kot, Dreck und Verunreinigungen an der eigenen Hausmauer befürchten die Nachbarn des neuen Taubenschlags rund um den Schmalzstadel (wir berichteten). Rechtsreferent Dr. Bernhard Mitko sagte, dass auf den Einwand der Anwohner reagiert wurde. Falls es zu viele Verunreinigungen in der Nachbarschaft geben sollte, müsse der Taubenschlag eventuell andernorts aufgebaut werden. Allerdings hofft man jetzt erst einmal auf eine mittelfristige Verringerung der Population. Erste Ergebnisse seien in zwölf bis 15 Monaten zu sehen, so Elisabeth Keck, Leiterin des Umweltamtes. Heute wird mit dem Anfüttern gestartet. Das und die Pflege der Anlage übernimmt eine Fachfirma für Schädlingsbekämpfung. Man darf gespannt sein, wann der Erstbezug des hübschen Verschlags erfolgen wird. Schreiner Johann Erras hat während seiner Holzarbeiten schon mal ein Täubchen am Eingang des Schmalzstadels sitzen sehen. Der Hobby-Brieftaubenzüchter ist überzeugt: "Das wird nicht lange dauern, dann kommen die ersten." Keck hoffte, dass nach Ablauf des ersten Jahres das Sauberhalten der Anlage durch Ehrenamtliche übernommen werden könne.

Insgesamt bewilligte der Stadtrat für Aufbau und das erste Jahr Betreuung durch eine Fremdfirma 30 000 Euro. Laut Rechtsreferent Mitko gebe es bereits verschiedene Städte, die ähnliche Taubenschläge mit gleichem Ziel - die Verringerung der Population - aufgestellt hätten, zum Beispiel in Augsburg und in Regensburg. Die Erfahrungen seien unterschiedlich.

Wie oft brüten die Tauben?John Luge vom Ordnungsamt zählte an zwei Tagen in der Amberger Altstadt 280 Tauben. Diese hohe Anzahl bringt eine große Vermehrungsrate mit sich. Ein Gelege wird zwei bis vier Mal pro Jahr für etwa 17 Tage bebrütet.

Dabei sitzt die Taube auf bis zu zwei Eiern. Die Nester, die sie meist in Regenrinnen und Abflüssen baut, sollen künftig in den Schlag umziehen. Dieser wird regelmäßig durch eine Fachfirma für Schädlingsbekämpfung gereinigt. Tauben und auch deren Fäkalien dienen verschiedenen Parasiten als Lebensraum. Mit dem Schlag hofft die Stadt Amberg, dass der aktuelle Bestand an verwilderten Tauben mittel- und langfristig verringert werden kann.

Neben 80 Brut- und 30 Sitzplätzen gibt es im Schmalzstadel künftig auch gesundes Futter - und "nicht so etwas, was ihnen von der Parkbank aus zugeworfen wird", sagte Rechtsreferent Dr. Bernhard Mitko. (roa)
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