Es bleibt bei Freispruch für Frau, die bei Ladendieben künftig wegschauen will
Staatsanwaltschaft gibt Ruhe

Der Freispruch wurde von der Staatsanwaltschaft akzeptiert, die Entscheidung der Amtsrichterin Julia Taubmann ist jetzt rechtskräftig. Damit steht fest: Es wird zu keiner Neuauflage eines Prozesses kommen, der in den vergangenen beiden Wochen für Gesprächsstoff in Amberg und weit darüber hinaus gesorgt hatte.

Zivilcourage gezeigt


Das Verfahren (wir berichteten) drehte sich um eine 56-jährige Ambergerin, die in einem Bekleidungsgeschäft einen Ladendieb beobachtet und ihn der Kassiererin gemeldet hatte. Als daraufhin eher wenig geschah, wurde die Frau tätig und stoppte den aus dem östlichen Ausland stammenden Täter, der fünf geklaute T-Shirts in seinen Rucksack gestopft hatte. Zu diesem Zeitpunkt wollte der Mann gerade an der Kasse vorbei. Kurz danach gerieten er und die Ambergerin in eine verbale Auseinandersetzung. Dann trat der Gegner plötzlich zu und traf die 56-Jährige am Oberschenkel. Auch die Frau zog mit dem Fuß aus. Doch ob sie den als Zeugen geladenen und nicht zur Verhandlung erschienenen Dieb mit ihrem Schuh berührte oder gar verletzte, blieb fraglich.

Der im Prozess anwesende Staatsanwalt erkannte in dieser Reaktion zumindest eine versuchte Körperverletzung, sprach von gesteigertem Verfolgungseifer der Angeklagten und verlangte 600 Euro Geldstrafe. Nur wenige Augenblicke später wurde die 56-Jährige freigesprochen. In ihrem Schlusswort hatte sie der Richterin gesagt: "Wenn ich wieder einen Ladendieb sehe, schaue ich weg."

Im Vorfeld der Verhandlung war von der Ermittlungsbehörde ein Strafbefehl in vierstelliger Höhe wegen Körperverletzung beantragt worden. Die Richterin hatte sich aber geweigert, ihn zu unterzeichnen. Daraufhin kam es am Amtsgericht zur mündlichen Erörterung der Geschehnisse.

Keine Anfechtung


Die Staatsanwaltschaft hätte vom Gesetz her die Möglichkeit gehabt, den Freispruch mit einer Berufung zur 3. Strafkammer des Landgerichts anzufechten. "Wir haben darauf verzichtet", teilte Oberstaatsanwalt Dr. Thomas Strohmeier auf Anfrage mit.
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