Eugen Drewermann stellt in Erlöserkirche sein Buch über Jan Hus vor
Kritik an der Kirche endet mit dem Tod

Eugen Drewermann beschäftigte sich mit dem böhmischen Reformator und Gelehrten Jan Hus. Bild: usc

Ein Kirchenkritiker der Jetztzeit sprach über einen Kirchenkritiker des 15. Jahrhunderts und Wegbereiter Martin Luthers: Eugen Drewermann begeisterte in der Erlöserkirche mit seinem Vortrag über das Wirken des böhmischen Reformators Jan Hus seine rund 100 Zuhörer. Das Referat fußte auf Drewermanns aktuellem Buch "Jan Hus (1369 bis 1415) - Ein Reformator im Feuer Gottes" und war Vorbereitung auf das kommende Luther-Jahr.

Wer war Jan Hus? Was waren seine Anliegen? In welchem Zustand befand sich in seiner Zeit die Amtskirche? Drewermann sprach frei und gab viele Denkanstöße: Jan Hus, aus einfachen Verhältnissen stammend, studierte an der Prager Universität. 1400 wurde er zum Priester geweiht. Er hielt Vorlesungen in Theologie an der Prager Universität. Wegweisend war seine Tätigkeit in der Bethlehem-Kapelle, in der er in tschechischer Sprache predigte - und nicht in Latein. Wie Luther wollte auch Hus, dass das Volk die Bibel in seiner Sprache lesen konnte. Tausende hörten ihm zu; seine Anhänger rekrutierten sich vor allem aus der tschechischen Bevölkerung, während die deutsche Oberschicht sich weiter an die traditionelle katholische Kirche hielt.

Einen wichtigen Einfluss auf Hus übte der englische Reformator John Wyclif aus. Beide kritisierten den weltlichen Besitz der Kirche, Korruption und Ablasshandel, traten für die Autorität des Gewissens ein und versuchten, durch ihre Predigten die Kirche dem Volk näherzubringen. Beide betrachteten allein die Bibel als letzte religiöse Autorität und sahen allein in Christus das wahre Oberhaupt der Kirche. Hus wurde 1410 verbannt und fand Unterschlupf bei adligen Freunden. 1414 musste er sich dem Konstanzer Konzil stellen. Auf der Anreise wurde er in vielen Gemeinden, auch in der Oberpfalz, begeistert begrüßt.

Nachdem König Siegmund freies Geleit zugesagt hatte, hoffte Hus, seine Lehren erfolgreich verteidigen zu können; er wurde jedoch bei seiner Ankunft festgenommen. Da Hus die Aufforderung zum Widerruf der Lehren und zur Unterlassung der Predigertätigkeiten kategorisch ablehnte, wurde er schließlich verurteilt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Die Hinrichtung verhinderte nicht die Organisation seiner Anhänger, der Hussiten, und führte schließlich ab 1419 zu den verheerenden Hussitenkriegen, in denen die Habsburger und Rom 20 Jahre lang gegen die tschechischen Protestanten zogen.
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