Ex-Klinikumschef Wilhelm Daller legt nach
Wirbel um Defizit-Zahlen

Amberg: Klinikum St. Marien |

Ein offener Brief sorgt für Furore am Klinikum St. Marien. Der ehemalige Klinikumsvorstand Wilhelm Daller wirft seinem Nachfolger vor, das Krankenhaus tief in die roten Zahlen zu führen. Doch Manfred Wendl wehrt sich.

Der Chef des Klinikums hat für Freitag um 10 Uhr ein Pressegespräch anberaumt, bei dem er auf die Vorwürfe reagieren will. So viel ließ Wendl am Donnerstag schon mal verlauten: Dass das Krankenhaus 2015 ein Defizit von mehr als drei Millionen Euro verzeichne, wie Daller behauptet, sei nicht wahr. "Das Defizit liegt voraussichtlich bei 125 000 Euro." Bei dem Gespräch will Wendl nach eigenen Worten "die wirtschaftliche Situation des Hauses erläutern und einen Einblick in die aktuellen Zahlen sowie einen Ausblick auf die Zukunft geben".

Sparen unausweichlich


Der Klinikumsvorstand wird nicht alleine auftreten. Mit ihm nehmen Oberbürgermeister und Verwaltungsratsvorsitzender Michael Cerny, Kaufmännischer Direktor Hubert Graf, Ärztlicher Direktor Dr. Harald Hollnberger und stellvertretende Pflegedirektorin Katja Rösner an dem Gespräch teil. Wendl war am Donnerstag dienstlich in Baden-Württemberg unterwegs und wollte vorab nicht näher auf die im offenen Brief seines Vorgängers genannten Zahlen eingehen. "Dass Sparmaßnahmen notwendig sind, ist klar", sagte er.

Daller hatte in seinem an die Klinikumsleitung und die Medien versandten Schreiben nicht nur ein Defizit von mehr als drei Millionen Euro im Geschäftsjahr 2015 genannt, sondern auch davon gesprochen, dass sich der Gesamt-Fehlbetrag bis 2020 auf rund 24 Millionen Euro summieren werde. "Ein solches Defizit schlägt voll auf den Haushalt der Stadt Amberg durch, welche als Träger des Klinikums die Verluste in den Folgejahren auszugleichen hat", schreibt Daller. "Dies wird zu schweren Verwerfungen im städtischen Haushalt führen, und notwendige Investitionen können nicht mehr so wie bisher getätigt werden." Wegen der zu erwartenden Minuszahlen soll es in den vergangenen Tagen zwischen der Klinikumsleitung und dem Oberbürgermeister sowie den Vorsitzenden der Stadtratsfraktionen bereits Gespräche gegeben haben.

Nicht der erste Brief


Daller verweist darauf, dass das Krankenhaus unter seiner Führung von 1987 bis 2011 "jedes Jahr Gewinne, teilweise in erheblicher Höhe, erwirtschaftet" hat. 2011 seien Rücklagen in zweistelliger Millionenhöhe und ebenso hohe Rückstellungen zu Buche gestanden. Der ehemalige Klinikumschef: "Ich verstehe diese negative Entwicklung trotz aller Probleme im Gesundheitswesen nicht." Wendl hatte Daller im November 2012 als Vorstand abgelöst. Seither lässt der Amtsvorgänger kein gutes Haar an seinem Nachfolger. Daller hat zu diesem Zweck bereits mehrere offene Briefe geschrieben.

Der Pressekonferenz der Klinikumsleitung folgt am Nachmittag ein Termin, den die Gewerkschaft Verdi angesetzt hat. Sie bittet die Vertreter der Medien für 15 Uhr zu einem Gespräch über "Aktuelle Entwicklungen beim Klinikum Amberg". Auskunft geben wollen Klaus Heyert, im Verdi-Bezirk Oberpfalz zuständig für den Bereich Gesundheitswesen, und Reinhard Birner, der Personalratsvorsitzende des Klinikums.

Von Letzterem fordert Daller in seinem Schreiben auf massive Weise eine Stellungnahme ein. "Was muss denn eigentlich noch passieren, dass der Personalrat des Klinikums endlich aus seinem Dornröschenschlaf erwacht?", schreibt er.
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