Familie Hüttner über ihre Erfahrungen mit E-Autos
E-Auto sorgt für Dauergrinsen

Die Rücksicht auf die Natur ist für Marion Jung-Hüttner und Werner Hüttner ein Grund, warum sie sich gleich zwei Fahrzeuge angeschafft haben, die ein Ladekabel statt eines Tanks brauchen. Aber es gibt noch viele weitere. Über ihre Erfahrungen mit E-Autos diskutieren die Hüttners gerne auch mit den Besuchern des Tages der Elektro-Mobilität, der heute von 10 bis 18 Uhr auf dem Dultplatz in Sulzbach-Rosenberg läuft. Bild: Hartl

Was die deutschen Autofahrer daran hindert, auf E-Autos umzusteigen? Werner Hüttner muss da nicht zweimal überlegen. "Die Reichweitenangst", sagt der Schäfloher. Seine Erkenntnis nach vier Jahren Elektromobilität lautet: "Die ist absolut unbegründet."

Um das zu untermauern könnte Hüttner Statistiken bemühen. Die besagen etwa, dass der deutsche Durchschnitts-Automobilist 22 Kilometer am Tag fährt. Beim Hybridfahrer sind es 42 Kilometer, beim E-Auto-Nutzer 43. Aber er will nicht mit Zahlengeklingel überzeugen, sondern mit seinem eigenen Beispiel, seiner Alltagserfahrung. Und die ist, dass man keine Angst haben muss, mit dem E-Auto stehenzubleiben, "weil man die maximale Reichweite ohnehin nie ausnutzt".

Seit 1996 fasziniert


Bei Hüttner kam die Begeisterung für das Fahren mit Strom auch nicht vom einen Tag auf den anderen. Zwar war er sich seit 1996 sicher, dass er mal eine E-Auto haben wollte, nachdem er bei der Landesgartenschau eine Probefahrt absolviert hatte - "das leise Gleiten über die Wiese hat mich fasziniert". Aber es dauerte bis 2012, ehe der Wunsch in Erfüllung ging. Damals verkauften die Hüttners den in die Jahre gekommenen Zweitwagen und das Motorrad und schafften sich dafür einen Renault Twizy an. Man könnte sich jetzt streiten, ob das überhaupt ein Auto ist. Es hat keine Fenster, keine Heizung, wirkt also mehr wie ein Quad mit Dach (und wird von der Versicherung auch so eingestuft). Aber immerhin haben zwei Leute drin Platz.

Bei der Probefahrt waren das Hüttner und seine Frau Marion. "Der Twizy zauberte uns ein Dauergrinsen ins Gesicht", erinnern sie sich. Es war wie Gokart-Fahren. Lautlos und wieselflink düste das Quad herum. 84 km/h reichten den Hüttners vollkommen aus. "Und man findet überall einen Parkplatz." Diese positive Erfahrung wog schwerer als die Stimmen von Bekannten, dass doch die Technik noch gar nicht ausgereift sei. Heute hat der Twizy - Werner Hüttner fährt damit in die Arbeit nach Amberg - 30 000 Kilometer auf dem Buckel "und fährt immer noch tadellos". "Mir macht jede Fahrt Spaß", sagt Werner Hüttner. Folge für die Gattin: "Ich muss nicht mehr zum Einkaufen fahren, das macht jetzt alles mein Mann."

Da war es natürlich klar, dass 2015 auch der neue Erstwagen ein E-Auto wurde. Als "große elektrische Schwester für unseren Twizy" kam ZOE ins Haus. Dieses E-Modell von Renault ist äußerlich von einem ganz normalen Benziner nicht mehr zu unterscheiden - fünf Sitze, fünf Türen, allerlei elektronischer Schnickschnack, "und wir bringen sogar den Kinderwagen für den Enkel in den Kofferraum". Nicht nur das: Mit drei Personen 14 Tage in den Urlaub war auch kein Problem. Die Reisen führten nach Amsterdam oder ins Allgäu. "Dort sind sie in Sachen E-Mobilität schon viel weiter als wir", ist Werner Hüttners Eindruck. "In Holland zeigt dir das Navi ständig an, wo Ladesäulen sind." Selbst für die leidenschaftlichen E-Mobilisten war allerdings überraschend, wie billig sie die 1800-Kilometer-Reise kam. Lediglich einmal mussten sie fürs Aufladen 6,80 Euro zahlen. "Sonst war es immer umsonst."

Planung gehört dazu


Aber ist das ein entspanntes Langstrecken-Fahren, wenn man immer auf die Reichweiten-Anzeige achten muss? "Man kann nicht einfach ins Blaue fahren, das ist schon klar", sagt Marion Jung-Hüttner. Über passende Lademöglichkeiten müsse man sich im Internet schon informieren. "Aber das geht einem ins Blut über und ist bald ganz normal", ergänzt Werner Hüttner. Der Vorteil dabei: "Der normale Autofahrer landet immer an der Tankstelle; wir haben in der Umgebung der Ladesäulen schon so tolle Lokale oder Geschäfte entdeckt." Da spielt es dann auch keine Rolle, wenn ZOE eine halbe Stunde oder (bei der langsameren Variante) eine Stunde Strom saugen muss, um aufzuladen.

"Umdenken" ist ein Wort, das die Hüttners oft gebrauchen, wenn sie ihren E-Auto-Alltag schildern. Das heißt etwa: "Bei der Fahrt ins Allgäu muss ich zweimal laden, also fahre ich die 300 Kilometer eben nicht in drei Stunden, sondern in fünf." Vorteil: "Man kommt ganz entspannt an und man sieht Orte, an die man sonst nicht hinkommt." Das Leben mit dem E-Auto "entschleunigt", findet Marion Jung-Hüttner. Eine Autobahnreise mit 110 km/h sei im Vergleich mit der 180-km/h-Raserei geradezu entspannend.

Doch auch bei viel niedrigeren Geschwindigkeiten schwören die Hüttners auf den E-Auto-Fahrkomfort: "Kein Gerucke, kein Gebrumm und eine super Beschleunigung - beim Ampelstart lassen wir alles stehen, auch Sportwagen." Kein Wunder, wenn man in vier Sekunden von null auf 50 km/h kommt.

Die KostenfrageDie Hüttner'sche Urlaubsreise nach Amsterdam erfolgte praktisch ohne Fahrtkosten. Doch auch wenn er in der heimischen Garage mit Ökostrom auftankt, schwebt Werner Hüttner in Kostenregionen, von denen man bei Autos mit Verbrennungsmotoren nur träumen kann: Er hat ausgerechnet, dass er beim Twizy auf 1,80 Euro für 100 Kilometer kommt, beim ZOE auf gut 4 bis 5 Euro (bei 27 Cent pro Kilowattstunde Strom). Dass er 79 Euro Batteriemiete im Monat zahlt, will Werner Hüttner nicht unterschlagen. "Aber das bedeutet gleichzeitig, ich habe die Garantie, dass sie immer funktioniert.

Sollte sie kaputt sein, wird sie ausgetauscht." Auch die Anschaffungskosten für den ZOE findet Hüttner angesichts der Leistung des Autos in Ordnung. "Ich bin da voll zufrieden." (ll)


Amberg hinterherDie Stadt Amberg läuft nach Einschätzung von Werner Hüttner und Marion Jung-Hüttner in Sachen Ladestationen der Entwicklung etwas hinterher. In deren Gebiet gebe es lediglich die eine auf dem Parkplatz des Landratsamtes. Da komme man zwar in der Regel schon hin, aber in letzter Zeit seien öfter auch beide Parkplätze belegt gewesen. Hersbruck oder Neumarkt sind da schon weiter, haben die beiden E-Mobilisten gemerkt. "Und wenn es inzwischen sogar in Illschwang oder Hohenburg Ladesäulen gibt, würde es auch der Stadt Amberg gut zu Gesicht stehen, das etwas auszubauen." (ll)
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