Familienvater vor Gericht
20-Jährige sexuell genötigt

Symbolbild: dpa

Nach den Übergriffen von Köln und Hamburg weiß man endgültig: Wer eine Frau ohne deren Einwilligung sexuell angeht und ihr Nein ignoriert, muss damit rechnen, dass ihn sich die Justiz holt. Auch in Amberg gab es einen solchen Fall.

Drei junge Männer hatten die Nacht zum 24. Januar in einem Tanzlokal durchgemacht. Wodka floss, der Alkoholspiegel stieg. Als Sperrstunde geboten wurde, wechselte das Trio in ein Lokal, das bereits wieder geöffnet hatte und setzte dort die Sauftour fort.

Der 23-jährige Familienvater, den die Staatsanwaltschaft jetzt vor das Schöffengericht holte, hatte satte 2,1 Promille, als er plötzlich Grenzen überschritt und sämtliche Anstandsregeln über Bord warf.

Hand auf dem Oberkörper


Der Mann näherte sich einer ihm unbekannten Lokalbesucherin, drückte der 20-Jährigen einen Kuss auf die Lippen, hielt sie am Kopf fest und strich ihr mit der Hand über den Oberkörper. Die Frage vor Gericht lautete nun: Fiel das noch in den Bereich des Beleidigungs-Paragrafen oder musste von sexueller Nötigung ausgegangen werden?

"Ich wollte das nicht", hörten die Richter jetzt von der 20-Jährigen. Auch sie hatte seinerzeit viel Alkohol getrunken. Doch das konnte nicht ins Gewicht fallen. Die Polizei war damals aus einem anderen Grund alarmiert worden. Sie kam, weil von den Männern angeblich beim Verlassen des Lokals wüste Drohungen ausgestoßen worden waren.

Erst als die Funkstreifenbeamten eintrafen, hörten sie von der 20-Jährigen, dass es eine sexuelle Attacke gegeben hatte. Sie fahndeten, stellten das Trio und nahmen den 23-Jährigen vorläufig fest. Vor dem Schöffengericht machte der Familienvater nun Erinnerungsslücken geltend. Die 20-Jährige aber schilderte, wie sie quasi ansatzlos geküsst und dann am Oberkörper bis hinunter zu den Beinen berührt wurde. "Nicht begrapscht, aber mit der Hand gestreift." Daraus leitete Staatsanwältin Michaela Frauendorfer den Tatbestand der sexuellen Nötigung ab.

"Allerdings strafrechtlich im unteren Bereich", wie sie argumentierte und dem Angeklagten wegen des Alkoholgenusses verminderte Schuldfähigkeit zugute hielt. Die Anklagevertreterin forderte ein Jahr Haft zur Bewährung und verlangte von den Richtern, 2200 Euro Geldauflage zu verhängen.

Bewährung, Geldauflage


Das Plädoyer von Verteidiger Reinhard Jäger war zweigeteilt. Die Schwelle erheblichen Einwirkens sei an sich nicht überschritten, meinte er und setzte sich dafür ein, den Mann freizusprechen. Für den Fall, "dass sich das Gericht anders entscheidet", sollte nach Jägers Ansicht im Urteil "nicht über vier Monate mit Bewährung hinausgegangen werden." Das Schöffengericht verhängte acht Monate mit Bewährung und setzte eine Geldauflage von 1500 Euro hinzu. Mit dem Vorgehen, so Richter Markus Sand, seien durchaus Schwellen überschritten worden. Auch, wenn der Alkohol in diesem Fall eine Rolle gespielt habe.
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