Feuchte Mauern, undichtes Dach
Schutzhaus braucht Geld

In der Amberger Innenstadt gibt es drei Schutzwohnungen für Frauen, die vor häuslicher Gewalt fliehen. Der Sozialdienst katholischer Frauen ist Eigentümer des Gebäudes und plant jetzt eine Sanierung. Symbolbild: dpa
 
Diese Frauen kommen völlig verzweifelt zu uns. Sie wissen nicht wohin. Wir können ihnen zumindest vorübergehend eine Bleibe bieten und sie in dieser Zeit bei einem Neuanfang unterstützen.
Amberg: SkF-Zentrale |

Das Haus ist heruntergekommen und ist doch eine der gefragtesten Adressen in Amberg: Pro Jahr suchen in dem feuchten Gemäuer rund 20 Frauen Schutz vor häuslicher Gewalt. Jetzt soll das Gebäude endlich renoviert werden.

Das Dach ist undicht, der Putz bröckelt. "Wir müssen dringend etwas tun", sagt die Vorsitzende des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF), Marianne Gutwein. Ihr Verein ist seit 20 Jahren Eigentümer eines Hauses in der Amberger Innenstadt, das drei Schutzwohnungen für Frauen beherbergt. Die genaue Adresse ist geheim, um dem Schutzbedürfnis der Bewohnerinnen Rechnung zu tragen. Mit dem Renovierungsvorhaben geht Gutwein nun aber an die Öffentlichkeit.

Amberger Eigeninitiative


1996 hat der SkF das Gebäude erworben. "Wir hatten sehr viele Anfragen. Der Bedarf war groß", blickt Gutwein zurück. Amberg war damals als Standort für ein staatlich gefördertes Frauenhaus nicht zum Zug gekommen. Burglengenfeld, Weiden und Nürnberg hatten sich um eine solche Einrichtung beworben und dann auch den Zuschlag erhalten. "Wir mussten aber auch bei uns etwas tun", sagt die Vorsitzende. Deswegen nahm der SkF in Amberg - damals unter der Leitung von Maria Geiss-Wittmann - die Sache selbst in die Hand.

Die Bayerische Landesstiftung stellte einen Kredit über 100 000 D-Mark zur Verfügung. Ein Betrag, der für den Hauskauf und eine notdürftige Renovierung reichte. Auf die Tatsache, dass der Verein das Geld binnen fünf Jahren zurückzahlen konnte, ist Gutwein heute noch stolz. Seither bleibt der SkF jedes Jahr auf einem Defizit sitzen, denn die Unterhaltskosten sind regelmäßig höher als die Mieteinnahmen. Und dennoch ist Gutwein der Ansicht, dass sich die Investition gelohnt hat.

Seit 1996 haben rund 250 Frauen mit ihren Kindern in dem Haus einen sicheren Zufluchtsort gefunden. Ein grandioser Erfolg, wie SkF-Sozialpädagogin Sabine Kreiner meint. "Diese Frauen kommen völlig verzweifelt zu uns. Sie wissen nicht wohin", erzählt sie. "Wir können ihnen zumindest vorübergehend eine Bleibe bieten und sie in dieser Zeit bei einem Neuanfang unterstützen." Die Notlagen der Betroffenen sind unterschiedlich. Oft fliehen die Frauen vor gewalttätigen Ehemännern. "Aber es geht auch um seelische Gewalt, psychischen Druck." In vielen Fällen verweisen Polizei oder Behörden auf das Angebot des SkF. Oft melden sich die Frauen auch bei der Telefonberatung des Vereins.

Sternstunden als Hoffnung


Mittlerweile hat sich ein Architekt das marode Gebäude mit seinen drei Wohnungen angesehen und eine erste Kostenschätzung abgegeben. "Wir kommen um eine Generalsanierung nicht mehr herum. Sie wird wohl 250 000 Euro kosten", mutmaßt Gutwein. Das Haus braucht eine Frischzellenkur vom Keller bis zum Dach - energetische Sanierung und neue Möbel inklusive. Wenn das Geld reicht, wird auch der bisher ungenutzte Dachboden noch ausgebaut. "Da wollen wir ein Spielzimmer für die Kinder schaffen."

Diese Frauen kommen völlig verzweifelt zu uns. Sie wissen nicht wohin. Wir können ihnen zumindest vorübergehend eine Bleibe bieten und sie in dieser Zeit bei einem Neuanfang unterstützen.Sozialpädagogin Sabine Kreiner

Gutwein und ihre Mitstreiterinnen haben eine große Hoffnung: Sie heißt Sternstunden. Die Benefizaktion des Bayerischen Rundfunks arbeitet schon seit vielen Jahren mit dem SkF zusammen. Die ersten Gespräche hätten bereits stattgefunden. Ausgang ungewiss. "Wir bereiten alles vor, damit wir zügig anfangen können - wenn die Finanzierung klappt." Über das Ensembleschutzprogramm seien auch Zuschüsse von der Stadt zu erwarten. "Wir tragen zusammen, was wir können", sagt stellvertretende Vorsitzende Waltraud Frieser. Erst vor wenigen Tagen habe der Lionsclub 1500 Euro überreicht.

___



Weitere Informationen und Spendenkonten im Internet: www.skf-amberg.de

Frauen ohne ObdachIn Amberg fehlen Wohnungen. Das kann auch der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) bestätigen. "In letzter Zeit melden sich immer mehr Frauen, die von Obdachlosigkeit bedroht sind", berichtet Sozialpädagogin Christine Gunesch. "Das ist ein relativ neues Phänomen. Früher hatten wir solche Anfragen in diesem Ausmaß nicht." Die drei Schutzwohnungen in der Innenstadt stehen Frauen offen, die vor häuslicher Gewalt flüchten. Andersgeartete Notlagen können nicht berücksichtigt werden. "Das bringt uns natürlich in die Bredouille", sagt die SkF-Mitarbeiterin. "Wir sehen diese Not, können aber nicht helfen." Das sei besonders tragisch, wenn die Klientinnen Kinder haben.

Wenn eine alleinerziehende Frau mit Kindern auf der Straße steht, wird die Familie im schlimmsten Fall getrennt. "Dann kommen die Kinder in Pflegefamilien, bis die Mutter eine Wohnung gefunden hat." In der Regel sind diese Familien auf Hartz IV angewiesen. Gunesch: "Mit vier Kindern und Hartz IV eine Wohnung zu finden, ist in Amberg nahezu unmöglich." Das Problem stelle sich auch dann immer wieder, wenn Frauen nach einer Übergangszeit aus den Schutzwohnungen ausziehen. Auch sie müssen sich dann auf Wohnungssuche begeben und werden meistens nicht fündig. (upl)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.