Filmemacher in Schönwerth-Realschule
Bei Neonazis nicht wegschauen

Filmemacher Peter Ohlendorf stellte am Donnerstag in der Franz-Xaver-von-Schönwerth-Realschule seinen Dokumentarfilm über die rechte Musikszene in Deutschland vor. Anlass war der Aktionstag gegen Rechtsextremismus. Bilder: Konrad (2)
 
"Wir müssen nicht nur da sein, wo's raucht und knallt. Wir müssen vorher da sein." Zitat: Filmemacher Peter Ohlendorf

Seine Botschaft konnte Regisseur Peter Ohlendorf nicht so ganz vermitteln: Eine Filmvorführung sollte die Neunt- und Zehntklässler der Schönwerth-Realschule zu mehr Zivilcourage gegen Rechts ermutigen. Doch in der anschließenden Diskussion vertraten die Jugendlichen teilweise aber eine andere Meinung als der Filmemacher.

"Blut muss fließen" hieß der Dokumentarfilm, den Schüler aus den 9. und 10. Klassen der Schönwerth-Realschule am Donnerstag in der Aula ansahen. Das einstündige Werk handelt von Journalist Thomas Kuban, der sich unentdeckt in die Neonazi-Szene einschleuste. Dort filmte er mit versteckter Kamera Feiern und Konzerte. Die Vorführung fand im Zuge des Aktionstags gegen Rassismus statt. Geschichtslehrerin Corinna Wendl hatte dafür den Regisseur des Werks, Peter Ohlendorf, eingeladen, um im Anschluss mit den Schülern zu diskutieren.

Der Titel des Films leitet sich aus einem in der rechten Szene populären Song ab. Darin finden sich die Zeilen "Blut muss fließen, knüppelhageldick, wir scheißen auf die Freiheit dieser Judenrepublik". Texte wie diese seien für Neonazis üblich. Das machte der Film deutlich. Fühlen sie sich unbeobachtet, vollziehen die Skinheads den Hitler-Gruß und besingen den Kriegsverbrecher Rudolf Heß. Auch Schlachtrufe stimmen sie an: "Wir sind arische Kämpfer, nationale Sozialisten", oder "Eine U-Bahn bauen wir, von Jerusalem bis nach Auschwitz". Die Orte der Konzerte werden von der Szene geheim gehalten. Über mehrere Stationen gelangte Thomas Kuban zu den Veranstaltungsorten. Er selbst verglich die Recherche mit einer Schnitzeljagd.

Verdeckte Recherche


Im Jahr 2003 begann der Journalist seine verdeckte Arbeit. Im Film verfolgten die Schüler, wie er sich auf die Suche nach dem Grund für die Entstehung der rechten Szene macht: In Sachsen hätte die Politik das Aufkommen der Neonazis durch Einsparungen provoziert. So seien diese zum Alleinunterhalter für die Jugend geworden, spekulierte Kuban.

Besonders wichtig ist ihm das Verhalten von Polizei und Justiz. Auf den Konzerten gebe es stets Fälle von Volksverhetzung und Aufrufe zur Straffälligkeit. Das werde aber kaum verfolgt. Zum Schluss des Films blieb ein großes Fragezeichen: Er endet mit dem Auffliegen des Nationalsozialistischen Untergrunds. Wie geht es mit der Szene weiter? Der NSU verschleiere jetzt den Blick auf die Neonazis als Ganzes, resümierte Regisseur Ohlendorf die aktuelle Lage. "Wir müssen nicht nur da sein, wo's raucht und knallt. Wir müssen vorher da sein."

In der anschließenden Diskussion versuchte der Filmemacher die Schüler für mehr Zivilcourage zu gewinnen: "Wenn Ihr mitbekommt, dass jemand im Bus rechte Musik hört: mal Hand hoch, wer würde weghören?", fragte er die Zehntklässler. Die überwiegende Mehrheit meldete sich. Wiederholt versuchte der 63-Jährige die Schüler zu überzeugen, dass es besser wäre, mit demjenigen zu reden und ihn davon abzubringen, Musik mit rechten Texten zu hören. Doch die Realschüler machten es dem Freiburger nicht leicht: "Ich kenne jemanden, der ist nicht rechts, engagiert sich sogar für linke Themen und hört trotzdem solche Bands", sagte eine Schülerin. "Die Musik kann sich ja gut anhören, auch wenn die Texte fragwürdig sind", ergänzte ein anderer Schüler. Die meisten störe es doch nicht.

Diskussion entscheidend


Ohlendorf empfahl den Schülern, zu versuchen, mit der Person zu reden. Und auch im Notfall zur Polizei zu gehen. "Ich glaube nicht, dass es richtig ist, wegzuhören." Doch: Noch während er sprach, ertönte die Pausenglocke und die Schlussworte des Filmemachers gingen im allgemeinen Gemurmel der Schüler unter.

"Wir werden das Thema im Unterricht aufgreifen", kündigte Organisatorin Corinna Wendl an. Mit 30 Schülern sei das einfacher. Klar wollten die Jugendlichen auch provozieren. "Aber das Entscheidende ist doch die Diskussion darüber, wie wir im Alltag damit umgehen."

Wir müssen nicht nur da sein, wo's raucht und knallt. Wir müssen vorher da sein.Filmemacher Peter Ohlendorf
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