Finanzmakler muss zweieinhalb Jahre in Haft
Renditen bis zu 1000 Prozent versprochen

Am zehnten Prozesstag brach der Angeklagte sein Schweigen. Er will in gutem Glauben gehandelt haben, als er Darlehensverträge mit meist begüterten Kunden abschloss und die vereinnahmten Gelder an Leute überweisen ließ, die in ebenso gerissener wie krimineller Weise über ein betrügerisches Netz rings um den Erdball verfügen. Das allerdings will der 54-Jährige erst gemerkt haben, als es zu spät war.

Der Amberger Finanzmakler (54) kann mit dem Urteil zufrieden sein. Er bekam zweieinhalb Jahre, wurde am frühen Freitagabend auf freien Fuß gesetzt und muss sich nicht ankreiden lassen, dass er rund vier Millionen Euro in betrügerischer Weise auf seine Haben-Seite brachte. Ganz im Gegenteil: "Auch Betrüger können zu Betrogenen werden", ließ Roswitha Stöber, Vorsitzende der Ersten Strafkammer der Landgerichts, anklingen.

Der Angeklagte habe sich persönlich keinen Cent zugeschanzt, sagte sie und unterstrich, dass er offenbar von England aus agierenden Kriminellen auf den Leim ging. Mit anderen Worten: Erst wurden Darlehensgeber von dem Makler um hohe Summen gebracht, dann zappelte der Betrüger selbst an der Angel. Den Geldgebern wurde ins Stammbuch geschrieben, sie seien "leichtgläubig gewesen".

"Mir brennt der Kittel"


Was Staatsanwalt Dr. Andreas Gietl als "wohl einzigartigen Fall" bezeichnete, nahm sich über zehn Verhandlungstage hinweg aus wie im Märchen vom "Sesam, öffne dich". Die Maxime lautete sinngemäß: Für die gewährten Darlehen, benötigt zur Auslösung eines 500-Millionen-Euro-Topfs, würden Renditen bis zu sagenhaften 1000 Prozent bezahlt. Manche der um ihr Geld gebrachten Leute glauben noch immer, dass der avisierte Euro-Regen irgendwann kommt.

In Weiden hatte es heuer elf Jahre Haft für den 69-jährigen Wolfgang S. gesetzt. Er begann mit den Finanzgeschäften und kam 2013 in U-Haft. "Warum haben Sie danach weitergemacht?", wurde der Amberger Finanzmakler jetzt gefragt. Die Antwort sinngemäß: Er habe fest geglaubt, an die versprochenen Gelder zu kommen. Zunächst offenbar mit guten und zuredenden Worten an seine Partner in England, dann sehr massiv. "Mir brennt hier der Kittel", schrieb er nach Großbritannien, als seine Kunden drängten.

17 einzelne Betrügereien umfasste die Anklageschrift. Die meisten davon wurden eingestellt, weil sie von dem Finanzmakler auf eine Firma abgeschlossen wurden, die noch zu Zeiten des abgeurteilten Wolfgang S. gegründet wurde. Dadurch minimierte sich der angerichtete Finanzschaden von vier Millionen auf rund 480 000 Euro. Denn mehrfach hatte der Makler Kontrakte auf seinen eigenen Namen laufen lassen. Auch diese Summen gingen über weltweite Konten nach England. Das hielten die Richter für erwiesen.

Im Vorfeld hatte die Kammer dem Angeklagten für ein Geständnis eine Strafe zwischen zweieinhalb und drei Jahren zugesagt. Drei Jahre verlangte Staatsanwalt Dr. Andreas Gietl, für eine Ahndung unter zweieinhalb Jahren plädierten die Anwälte Hans Meyer-Mews (Bremen) und Michael Schüll (Amberg).

Sehenden Auges


Die Kammer verhängte zweieinhalb Jahre und hob den Haftbefehl auf. In der Begründung hieß es: "Er ist letztlich selbst betrogen worden." Allerdings wurde dem 54-Jährigen angelastet, dass er zu lange wartete und sehenden Auges in die Brandung einer Finanzmisere segelte.
Er ist letztlich selbst betrogen worden.Richterin Roswitha Stöber in ihrer Urteilsbegründung
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