Finanzmakler vor Gericht
Milde Strafe für Millionenbetrug?


Der Schlag auf Justitias Pauke kam unverhofft. Wenn er auspackt, kann ein wegen Millionenbetrugs angeklagter Amberger Finanzmakler mit einer milden Ahndung rechnen. Er müsste dann das Weihnachtsfest auch nicht in U-Haft feiern,

käme auf freien Fuß.

Die beiden Verteidiger Hans Meyer-Mews (Bremen) und Michael Schüll (Amberg) hatten das sogenannte Rechtsgespräch verlangt und sie bekamen es dann auch.

Am neunten Prozesstag zogen sich die Richter, beide Verteidiger und Staatsanwalt Dr. Andreas Gietl zwei Stunden lang zurück und verhandelten nichtöffentlich. Dann wurde das Ergebnis in eher knapper Form von der Strafkammervorsitzenden Roswitha Stöber im Gerichtssaal mitgeteilt.

Keine Andeutungen


Fest steht nach diesem Kurzbericht: Wenn der 54-jährige Finanzmakler, der Darlehensgeber aus dem In- und Ausland unter der Zusicherung unglaublich hoher Renditen um vier Millionen Euro gebracht haben soll, ein Geständnis ablegt, kann er mit einer Haftstrafe zwischen zweieinhalb und drei Jahren rechnen.

Er käme offenbar noch vor Weihnachten aus der U-Haft frei, könnte sich nach einjähriger Inhaftierung womöglich auf einen offenen Vollzug der Reststrafe freuen.

Was die Strafkammer zu diesem eher unverhofften Zugeständnis brachte, ist bisher völlig schleierhaft. Dazu machte die Vorsitzende Richterin Roswitha Stöber keinerlei Andeutungen.

Sie fügte ihrer Mitteilung zu dem Gesprächsergebnis lediglich hinzu, dass mehrere der insgesamt 21 angeklagten Betrugsfälle eingestellt werden könnten. Warum das? Auch dazu wird man wohl erst in der Urteilsbegründung, die am 18. Dezember erfolgen könnte, Näheres hören.

Ob er denn dem Ausgang der intern geführten Unterredung zustimme, wurde der Finanzmakler gefragt. Er tat es und will nun bis zum 18. Dezember sein Geständnis schriftlich fixieren. Allerdings machte die Strafkammer zur Bedingung, dass er dann auch Fragen beantwortet.

Vielleicht wird dabei deutlich, welche Rolle er spielte, als Geldgeschäfte der schier unglaublichsten Art abliefen. Mit einem über Gebühren angeblich auszulösenden Geldtopf in Höhe von 500 Millionen Euro und Menschen, die sich dazu ködern ließen, diese Gebühren zu finanzieren.

Womöglich ist nach dem Geständnis auch irgendwie Klarheit darüber geschaffen, wer sich "die Kohle" - wie der Angeklagte in einer seiner verlesenen und nach England geschickten E-Mails schrieb - unter den Nagel riss.
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