Fischereiverein pflegt den Haidweiher
Ohne Fische droht Kloake

Am Biss erkennt Hans-Hermann Lier, dass hier der Biber am Werk war: Der lässt oben am Stock immer eine kleine Spitze stehen.
 
Da war mal saftiges Muschelfleisch drin. Aber das weiß nicht nur der Angler, sondern inzwischen auch der Bisam. Der hat deshalb am Haidweiher sein reines Pflanzenfresser-Dasein zugunsten häufiger Muschel-Häppchen aufgegeben. Bilder: Huber (5)

Der Biber hat sich jetzt auch eingenistet. Aber es hätte ihn gar nicht mehr gebraucht, um zu belegen, dass der Haidweiher ein gesundes Biotop ist. Der Fischereiverein Amberg hat ohnehin ein Auge drauf.

-Sulzbach. Seit etwa zehn Jahren kümmern sich die Angelfreunde um die größte Wasserfläche im Landkreis (14 Hektar), die sie sich problemlos mit den Wasserskifahrern teilen. "Wenn ein Boot im Wasser ist, angelt keiner", heißt das Prinzip, das alle anerkennen, sagt Hans-Hermann Lier, der Vorsitzende des Fischereivereins Amberg. Und weil die Angler vor allem morgens und abends unterwegs sind, kommt man sich da nicht ins Gehege: "Wir haben keine Probleme miteinander."

Kein einziger Zufluss


Ohnehin bestehe das Angeln ja nicht nur daraus, dass man am Wasser sitze und eine Rute hinein halte, erläutert Gerhard Doerfler, der im Verein für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. "Da ist mehr als die Hälfte Gewässerpflege." Und da braucht der Haidweiher schon einiges an Betreuung. Denn er ist eines dieser seltenen Gewässer, die keinen Zufluss haben und sich nur mit Oberflächenwasser füllen. Dadurch gelangen aber auch viele Nährstoffe aus der Landwirtschaft ins Wasser. Wenn man die nicht richtig regulieren kann, "dann haben wir eine Kloake", sagt Lier. "Aber der Uferbewuchs, die Wasserpflanzen und die Fische, die arbeiten dagegen."

Jedenfalls so lange genügend Wasser da ist. Im vergangenen Jahr hat der heiße Sommer den Fischereiverein ganz schön in Schwierigkeiten gebracht. Da ist so viel Wasser verdunstet, dass nur noch ein Notabfischen half. Zusätzlich hat der Angler-Nachwuchs rund 1500 Teichmuscheln umgesiedelt; zusammen mit den Bitterlingen, die bei ihrer Fortpflanzung auf Muscheln angewiesen sind und deshalb denselben Lebensraum bewohnen.

"In vielen Weihern findet man die Teichmuscheln gar nicht mehr", hat Hans-Hermann Lier beobachtet. Am Haidweiher dagegen stößt man am Ufer oft auf leere Schalen. Dafür ist der Bisam verantwortlich. Der ist eigentlich ein Pflanzenfresser, aber wenn er mitkriegt, wie leicht er mit seinen starken Zähnen die Teichmuscheln knacken und das Fleisch rausfuttern kann, "kommt er auf den Geschmack und frisst nur noch Muscheln", erklärt Lier.

Sie brauchen Fressfeinde


Doch das größte Interesse der Angler gilt natürlich den Fischen. So 50 bis 60 Zentner dürften aktuell drin sein im Haidweiher, meint Lier. Das meiste Gewicht bringen - obwohl sie nicht gefüttert werden - die großen Karpfen, deren Zahl Lier auf etwas weniger als 1000 schätzt. Laichfähige Hechte und Zander (also Raubfische) dürften es zwischen 200 und 300 sein. An Kleinfischarten zählt er auf: Rotauge, Rotfeder, Flussbarsch, Kaulbarsch, Giebel, Brachse, Schleie. Wegen dieser "Weißfische" braucht es auch die Räuber im Teich, "denn die nehmen überhand, wenn sie keine Fressfeinde mehr haben". Und auch die kranken Tiere aller Arten fallen dem Hecht zum Opfer.

Wie weiß aber der Angler, wo die Fische sind, die er gerne an den Haken bekommen möchte? Lier lächelt bei der Frage. Da müsse man auf die Wasservögel achten, erklärt er. Denn einige von ihnen hielten sich bevorzugt da auf, wo unten die Fische schwimmen. Das kann an der tiefsten Stelle - etwa zwei Meter - vorne an der B 85 sein oder in der Mitte, wo es bis zu 20 Meter vom Ufer entfernt nur etwa knietief ist. Hinten genießen die Fische Schutz sowohl vor Anglern als auch vor Wasserskifahrern: Dort ist für beide Sperrzone. Von Schwimmern droht den Tieren hier ohnehin keine Ruhestörung: Baden ist im ganzen Haidweiher verboten. Das hat das Landratsamt wegen des Wasserski-Betriebs so festgelegt.

Diese Zustände scheint auch der Biber zu schätzen, den der Gewässerwart vor zwei Jahren erstmals hier entdeckt hat. Wobei es rätselhaft ist, wie der nicht überall beliebte Nager zu einem Weiher ohne Zufluss kam. "Wahrscheinlich über die Vils, in die der Haidweiher abläuft", vermutet Lier. Er sieht den Biber nicht ungern: "Er schafft hier am Ufer Strukturen und Verstecke für andere Tiere. Das ist durchweg positiv." Und als Konkurrent fällt er aus: Fische interessieren den reinen Vegetarier nicht.
In vielen Weihern findet man die Teichmuscheln gar nicht mehr.Hans-Hermann Lier
Da ist mehr als die Hälfte Gewässerpflege.Gerhard Doerfler, Fischereiverein
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