"Forscherinnen-Camp" an der OTH und bei Siemens
Mit Duroplast auf Du und Du

In ihren Herbstferien tüftelten die acht Mädchen aus ganz Bayern beim "Forscherinnen-Camp" an der OTH und im Siemens-Werk. Bilder: Hartl (4)

"Wer von Ihnen hat denn heute schon Plastik benutzt?" Alle Hände gehen nach oben. Die acht Mädchen erzählen über Kohlenstoffketten. Bei Plastik denken sie nicht an Barbiepuppen, sondern an Polymere.

Eine Woche lang haben sie sich beim "Forscherinnen-Camp" damit beschäftigt, haben an der OTH Vorlesungen dazu gehört, bei Siemens neuartige Kunststoffe gegossen und getestet. Über die Eigenschaften von Polymerwerkstoffen erzählen sie genauso begeistert wie über ihren Besuch im Klettergarten.

Sieben Mädchen zwischen 15 und 16 sowie eine 18-Jährige tüftelten in ihren Herbstferien an Kunststoffbauteilen. Sie bewarben sich dafür und mussten ein kleines Casting machen. "Da haben wir dann geschaut, ob die Mädels das wirklich selber wollten - oder eher nur ihre Eltern", erzählt Kirsten Wommer, Leiterin des Forscherinnen-Camps. In ganz Bayern finden solche Aktionen statt für Mädchen, die sich für Mint-Fächer - Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik - interessieren.

Technik ist immer noch eine Männerdomäne. Wäre es anders, gäbe es solche Veranstaltungen nicht. Vizepräsidentin der OTH, Frauenbeauftragte und Professorin Christiane Hellbach betont, dass der Frauenanteil bei Professorenstellen immer noch niedriger ist als der Anteil an Studentinnen in technischen Fächern. Frauen hätten niedrigere "Selbstwirksamkeit" als Männer. Das heißt, sie seien weniger überzeugt von ihren Fähigkeiten, müssten aber auch besser gefördert werden.

Bei den "Forscherinnen-Camps" tüfteln künftige Ingenieurinnen mit Thermoplast, Polymer und Ultramid. Bei ihnen wird Barbie vom Spielzeug zum Werkstoff aus Makromolekülen.




Am liebsten würde ich Medizintechnik oder Maschinenbau studieren. Allerdings arbeitet eine Freundin von mir als Ingenieurin in einem großen Unternehmen und da sagen Kollegen schon noch zu ihr: "Das kannst du nicht so gut, weil du eine Frau bist." Ich glaub, man muss sich schon noch stärker beweisen als ein Mann.Eluisa Uzana, 16 Jahre, Amberg




Meine Mutter ist Chemieingenieurin und hat mir schon ganz früh einen Chemiebaukasten geschenkt, wir hatten ein Mikroskop daheim. Selbst ausprobieren und schauen, was funktioniert, macht mir schon seit der Grundschule Spaß. Am meisten fasziniert mich, wie Flugzeuge funktionieren.Jeanne Monstadt, 16 Jahre, Furth bei Landshut




Ich interessiere mich seit zwei Jahren für Technik, wie das alles aufgebaut ist und wie man es besser machen kann. Das ist schon mein zweites Camp. Ich will auf jeden Fall etwas Technisches studieren. Dass das typische Männerberufe sind, ist eine Sicht von früher. Die gilt nicht mehr.Aileen Garea Garcia, 15 Jahre, Nürnberg
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