Freies W-LAN in 20 Bussen in Amberg und Amberg-Sulzbach
Linien-Netz

In den Citybussen und den roten RBO-Bussen gibt es das kostenlose Bayern-W-LAN in Amberg und Amberg-Sulzbach. Ein Aufkleber im Bus weist auf den Hotspot hin. Die Anmeldung geht mit einem Klick. Bild: Steinbacher
 

Entspannt mit dem Bus fahren und dabei Mails checken, ein Online-Video schauen oder auf Facebook posten. In Amberg und Amberg-Sulzbach geht das. In ausgewählten Regional-Bussen gibt es kostenloses WLAN. Fraglich ist, ob das überall reibungslos klappt. Zum Beispiel auf der Fahrt von Amberg nach Neumarkt. Ein Selbstversuch.

Am Amberger Busbahnhof ist viel los. Es ist Mittag, zehn nach zwölf. Noch zehn Minuten, bis der Bus, Linie 60, der von Amberg über Kastl nach Neumarkt fährt, kommt. Von W-LAN keine Spur, bis ein Bus vorbeifährt. Das Handy plingt: „Bayern-W-LAN verfügbar“. Aber zu spät, der Bus ist zu schnell wieder weg.

Verbunden mit einem Klick


Pünktlich um 12.20 Uhr kommt die Nummer 60. Beim Drücken aufs W-LAN-Symbol auf dem Smartphone öffnet sich ein Browserfenster. „Mit Klick auf Verbinden akzeptieren Sie die Nutzungsbedingungen“ erscheint da. Den Verbinden-Button angetippt, schon taucht in dem offenen Browserfenster die Homepage der Bayerischen Staatsregierung auf. Das ging ja leicht.

Der Bus steuert die Haltestelle des Max-Reger-Gymnasiums an. Die ersten Schüler steigen ein. „Das W-LAN gibt es seit ungefähr vier Wochen – und die Schüler hat’s gefreut“, sagt Busfahrer Siegmund Tänzer. Er ist seit zwölf Jahren auf der Strecke Amberg-Neumarkt und zurück unterwegs und kennt seine Mitfahrer. Gerade die Schulkinder vertreiben sich ihre Zeit im Bus häufig mit dem Smartphone.



"Das WLAN gibt es seit ungefähr vier Wochen - und die Schüler hat's gefreut"Siegmund Tänzer




Weiter nach Gärbershof und Gailoh. Der Chat über Whats-App funktioniert reibungslos, sogar ein Bild senden ist drin. In Unterleinsiedl zeigt das Smartphone eine Facebook-Benachrichtigung an. Das soziale Netzwerk öffnet sich, präsentiert alle Videos, die Beiträge bauen sich in normaler Geschwindigkeit auf. Da stockt nichts. In Deinshof bekommen die Kollegen in der Redaktion eine Zwischenstands-Mail: W-LAN funktioniert gut, die Mission läuft.

„Auch andere Leute sprechen mich auf das W-LAN an. Ich war heute den Bus waschen, da hat mich ein Mitarbeiter der Firma gefragt, wie das Verbinden klappt – und schon war er erstaunt, weil er bereits im Netz drin war“, sagt Tänzer. Auch er selbst nutzt den schnellen Internet-Empfang, wenn er Pausen hat. „Das ist von Vorteil, wenn man schnell was nachschauen muss.“

Empfang in der Einöde


Eine Programm auf dem Handy wäre schön, um die gerade geknipsten Landschaftsfotos etwas zu optimieren. Im Play-Store lässt sich die App in guter Geschwindigkeit herunterladen. Auch das klappt also. Der Bus fährt mittlerweile irgendwo im nirgendwo zwischen Kastl und St. Lampert. Obwohl die Landschaft reizvoll ist, wäre Musik nicht schlecht. Die Songs auf dem Handy sind schon alt – neue müssen her. Die Internetseite von You-Tube lädt schnell, das Video lässt sich ohne Stocken abspielen. Das W-LAN funktioniert wunderbar.

Siegmund Tänzer düst inzwischen mit dem Bus auf der B 299 bei Stieglitzenhöhe. Zeit, das Netz auf Herz und Nieren zu testen. Am schnellsten zeigt sich schlechter Empfang erfahrungsgemäß mit Video-Telefonie. Ein Anruf über Skype ist da ideal. Und siehe da: keine Zeitverzögerung, das Bild ist scharf, der Ton klar. „Manchmal klappt die erste Verbindung nicht so gut, aber wenn man mal drin ist, geht’s wunderbar“, ist Tänzers Erfahrung. „In Pfeffertshofen zum Beispiel ist das Handy-Netz eine Katastrophe. Aber selbst hier geht die W-LAN-Verbindung.“

Auf der Rückfahrt: Ebenso keine Probleme. Das Netz bleibt stabil. Eine Busfahrt durch den Landkreis Amberg-Sulzbach lohnt sich. Mit oder ohne W-LAN. Durch die Aktion ist der „Zweckverband Nahverkehr“ Teil eines in der Oberpfalz einzigartigen Pilotprojekts, das es in ganz Bayern nur zweimal gibt. Davon soll vor allem der Nahverkehr profitieren.

Fernreise-Busse wie der "Flixbus" bieten bereits länger kostenlose Hotspots an. Auch bei der Deutschen Bahn gibt es in den ICEs freies W-LAN sowie auf einer Teststrecke im "Fugger-Express" zwischen München, Augsburg, Ulm und Treuchtlingen. Die Länderbahn, die unter anderem zwischen Regensburg und Hof pendelt, plant ab Ende des Jahres, in ihren Alex-Zügen Router zu installieren. Die lückenlose Versorgung mit Internet soll auch den öffentlichen Nahverkehr auf Straße und Schiene attraktiver machen.

Stabile Verbindung


So wie in der Linie 60 gibt es den Internet-Hotspot in 19 weiteren Bussen des "Zweckverband Nahverkehr Amberg-Sulzbach" (ZNAS). Seit April bieten zehn Amberger Citybusse und zehn RBO-Busse das freie W-LAN an. Der Internetzugang ist offen, es ist kein Passwort nötig. Das Datenvolumen ist unbegrenzt. "Die Region hat nun ein besonderes Alleinstellungsmerkmal: In der gesamten Oberpfalz wird nur in Amberg-Sulzbach Bayern-W-LAN im öffentlichen Nahverkehr angeboten", sagt Finanz- und Heimatsstaatssekretär Albert Füracker. Als eine der ersten Regionen in Bayern setzen Stadt Amberg und Landkreis Amberg-Sulzbach das Projekt um.

"Freies W-LAN in Bussen ist ein herausragendes Pilotprojekt. Die permanente Netzabdeckung in den Buslinien stellt eine echte Herausforderung dar. Hier wollen wir in Amberg Lösungsansätze finden - die Erfahrungen werden allen Gemeinden und Landkreisen zur Verfügung gestellt", sagt Füracker. Das Pilotprojekt ist auf zwei Jahre angelegt. In dieser Zeit übernimmt der Freistaat die Kosten. Danach wertet das Ministerium das Projekt aus und entscheidet mit dem ZNAS, wie es weitergeht.

"Amberg-Sulzbach eignet sich sehr gut, um die technische Funktion des mobilen Bayern-W-LANs in einer größeren Stadt mit ländlichem Umfeld zu erproben", sagt Dennis Drescher von der Pressestelle des Heimatministeriums. Da sei der Kontrast ideal: Das Stadtgebiet mit guter Netzanbindung und vielen gleichzeitigen Nutzern im Gegensatz zur ländlichen Region mit schlechter Mobilfunk-Abdeckung und weniger Usern. Bereits vor einem Jahr startete das Ministerium das Projekt im Landkreis Traunstein. Dort nutzen in zehn Bussen 10 000 Passagiere das W-LAN mit einem Datenvolumen von 216 Gigabyte.
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