Freundschaftsabend und EM-Viertelfinale
Das Herz schlägt für Italien

"Egal, wie das Spiel ausgeht, danach feiern wir einfach weiter - so oder so!" Zitat: Mario Marchioni über das EM-Viertelfinale am Samstag

Mario Marchioni ist ein Meister der Diplomatie. "Egal, wer gewinnt, der Sieger ist auf jeden Fall Europa", sagt der Italiener. Doch er wäre ein schlechter Landsmann, wenn er nicht für seine Mannschaft wäre. Das EM-Viertelfinale aber krönt auf alle Fälle den Freundschaftsabend.

Als Amberg und Desenzano del Garda einen Termin für ihre Geburtstagsparty ausmachten, konnte noch niemand ahnen, dass Deutschland und Italien im Viertelfinale der EM aufeinander treffen würden. Und so wird nicht nur das zehnjährige Bestehen der Städtepartnerschaft gefeiert, sondern gemeinsam Fußball geguckt - und da ist dann aber auch mal kurz Schluss mit der Gemeinsamkeit: Die Daumen werden der jeweiligen Nationalmannschaft gedrückt. Die Amberger fiebern mit der Löw-Elf, die italienischen Gäste wollen die Azzurri im Halbfinale sehen.

Freunde, aber auch Gegner


Mario Marchioni lacht ein bisschen verlegen, sagt dann aber diplomatisch: "Egal, wer gewinnt, der Sieger ist auf jeden Fall Europa." Und damit spielt er auch auf etwas an, was vor einer Woche kaum jemand für möglich gehalten hat: Der Brexit kommt tatsächlich. Doch die große europäische Politik tritt am Wochenende in den Hintergrund, die deutsch-italienische Freundschaft steht im Mittelpunkt - zumindest bis zum Anpfiff am Samstag, 2. Juli, um 21 Uhr. Für 90 Minuten werden dann aus Freunden kurz mal Gegner, aber nur kurz und nur für den Fußball.

Eine Delegation aus Desenzano del Garda wird sich morgen um 7 Uhr auf den Weg machen, um ins 630 Kilometer entfernte Amberg zu fahren. Doch nicht nur offizielle Vertreter der Partnerstadt kommen in die Oberpfalz, auch einige Bürger der Stadt am Gardasee unternehmen einen Kurztrip. "Sie kommen mit Privatautos", weiß Marchioni, der dem Komitee für Städtepartnerschaften vorsteht. Er selbst wird ebenfalls nicht mit dem Bus fahren, da er einen Tag länger bleiben möchte und nicht wie die Delegation am Sonntag, sondern erst am Montag abreisen wird. "Ich muss doch hier noch meine Freunde treffen", sagt er und hofft, dass dies mit Alt-Oberbürgermeister Wolfgang Dandorfer ebenso möglich sein wird wie mit dem früheren Kulturreferenten Norbert Fischer.

Bier beim Bergfest


Gegen 16.30 Uhr wird die Delegation am Freitag in Amberg eintreffen. Für den Abend hat Kulturreferent Wolfgang Dersch einen Besuch des Bergfestes organisiert. Darauf freut sich Mario Marchioni besonders. "Ich war zwar schon öfters auf dem Mariahilfberg, aber noch nie beim Bergfest", erzählt er und schwärmt sogleich vom guten Bier in der bayerischen Partnerstadt. Scherzhaft warnt er aber vor allzu ausuferndem Genuss des bayerischen Nationalgetränks.

Auf die Italiener wartet ein harter Samstag voller Arbeit. 20 Köche werden mit Unterstützung von 20 hiesigen Helfern für das Freundschaftsfest am Abend kochen. "Da müssen wir fit sein", betont der fröhliche Italiener. Dass beim Gegenbesuch in Desenzano am 17. September auch italienische Helfer den Amberger Köchen zur Seite stehen werden, ist für ihn eine Ehrensache. "Das ist wie ein Spiegel", sinniert er. "Wir machen bei euch ein Weinfest, die Amberger bei uns ein Bierfest."

Wein haben die Italiener jede Menge dabei: 300 Flaschen Weißwein, 250 vom Rotwein und 120 vom Spumante, "unserem Schaumwein". Spendiert hat diese allesamt das in Desenzano del Garda ansässige Weingut Cà Maiol. Dessen Besitzer Fabio Contato wird am Wochenende nicht in Amberg sein, bedauert Marchioni. "Er muss dienstlich nach Kroatien." Doch ein Vertreter der Firma wird mit in die Partnerstadt kommen. Insgesamt umfasst die Delegation 55 Leute. Mario Marchioni schätzt, dass weitere 20 Bürger aus Desenzano in die Oberpfalz fahren werden. "Sie kommen in eigenen Autos und haben selbst ihre Hotelzimmer gebucht."

Drei Minuten, nachdem am Montagabend die Italiener die Spanier mit 2:0 aus dem Fußballturnier gekickt hatten, klingelte bei Kulturreferent Wolfgang Dersch das Handy. Mario Marchioni war dran. "Was machen wir jetzt?", fragte er. Denn da war klar: Deutschland würde im EM-Viertelfinale am Samstag auf Italien treffen. Jetzt wird das Spiel beim Freundschaftsabend im Innenhof der Feuerwache übertragen. Da die offiziellen Ansprachen, die für 21 Uhr vorgesehen waren, mit dem Anpfiff kollidierten, wurden sie einfach um eine halbe Stunde vorverlegt. "Egal, wie das Spiel ausgeht, danach feiern wir einfach weiter - so oder so", sagt Mario Marchioni ganz diplomatisch.

Egal, wie das Spiel ausgeht, danach feiern wir einfach weiter - so oder so!Mario Marchioni über das EM-Viertelfinale am Samstag


Weinfest mit Musik und guten FreundenKäse, Wein und Kaffee

Am Samstag, 2. Juli, werden die Freunde aus Desenzano am Marktplatz die Bürger einladen, ihre Spezialitäten zu kosten: Wein und Käse. Von 11 bis 13 Uhr dürfen die Amberger den Grana Padano, einen langsam reifenden Käse aus der nördlichen Po-Ebene und den dazu passenden Weißwein probieren. Musikalisch macht die 50-köpfige Stadtkapelle Banda Cittadina Appetit auf den Freundschaftsabend, bei dem sie ebenfalls auftreten wird.

So schmeckt Desenzano

Um 19.30 Uhr steigt im Innenhof der Feuerwache der italienische Abend, Einlass ist ab 19 Uhr. Im Preis von 25 Euro sind ein Vier-Gänge-Menü mit Beilagen, Getränke (Wasser, Weiß- und Rotwein) und ein Weinglas "Zehn Jahre Städtepartnerschaft" enthalten. Den kulinarischen Auftakt macht ein Antipastiteller mit Parmaschinken, Salami, Coppa (Spezialität aus Schweinenacken), Grana Padano und Gemüse. Erster Gang ist wahlweise Risotto mit Radicchio und geräuchertem Scamorza oder Casoncelli, die regionale Variante der Ravioli, in Butter und Salbei.

Danach werden Tagliata (Fleischscheiben) vom Kalb oder Geschnetzeltes vom Rinderfilet mit Trüffeln, alternativ würziges oder getrüffeltes Schweinefilet, serviert. Beilage ist Ratatouille. Den Abschluss bildet die Streuseltorte Sbrisolona als Dessert. Karten gibt es bis Samstagmittag in der Tourist-Info (09621/10 233; tourismus@amberg.de) und an der Abendkasse. (san)
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