Friedrich Brandl wird 70
Heimat, Natur und der Protest

Sein neuestes Buch heißt "Inmitten meiner grünen Insel". Friedrich Brandl verfasste das Werk voller Sonette über Natur und Oberpfalz auf diesem Tisch in seinem Garten. Bild: Konrad

Die Demos gegen die WAA in Wackersdorf haben Friedrich Brandl aufgeweckt: Damals entdeckte er seine Liebe zur Lyrik. Morgen feiert er 70. Geburtstag.

"Die Auseinandersetzung mit der Natur hat Einfluss auf vieles gehabt, was ich geschrieben habe", sagt der Schriftsteller und Volksschullehrer. "Angefangen hat alles mit progressiven und provokativen Mundartdichtungen." Die Wiederaufarbeitungsanlage habe er als akute Bedrohung der Oberpfalz gesehen: "In der Mundart kann man einiges besser hinterfotzig oder zweideutig ausdrücken", erklärt Brandl. Wenn er aber einen größeren Leserkreis ansprechen oder etwas Längeres erzählen wolle, dann formuliere er mittlerweile in der Schriftsprache. "Ich war ja 35 Jahre lang Lehrer. Man erzählt nicht immer in Mundart."

Seit 2008 ist Brandl im Ruhestand. Seither nimmt er sich viel Zeit für die Literatur. Er arbeitet seine Kindheit und Jugend auf, und schreibt über "Tränengas und Zärtlichkeit" am Bauzaun der Wiederaufarbeitungsanlage. Das war nicht immer so: Mit 15 schmiss er die Schule, spielte Gitarre in einer Band, war Gruppenleiter bei der katholischen Jugend. Nach der Ausbildung zog es ihn dann aber doch wieder zurück auf die Schulbank: Er wollte nicht als Industriekaufmann arbeiten. Am Spätberufenengymnasium in Wolfratshausen holte er neun Jahre Gymnasium nach. "Es war schwierig, sich umzugewöhnen: Vorher hatte ich samstags frei, hatte schon ein bisschen Geld verdient."

Nach fünf Jahren machte er sein Abitur und nach weiteren drei Jahren beendete er auch sein Studium zum Volksschullehrer. Bald darauf kamen die Hochzeit und das Engagement für die Natur- und Umweltschutzbewegung. Fünf Jahre war er im Landkreis Ansbach Lehrer. Nach vier Jahren in Freudenberg wechselte Brandl nach Sulzbach-Rosenberg. Von 1982 bis 2008 unterrichtete er an der Krötenseeschule, zuletzt als Konrektor. Im Ruhestand hatte Brandl dann mehr Zeit um seine Erlebnisse aufzuschreiben. "Die literarische Verarbeitung des Protests in Wackersdorf ist gar nicht so häufig", erzählt er.

Vor zwei Jahren habe er Lesungen an den Oberpfälzer Berufsschulen gehalten. "Mehr als die Hälfte der Klassen wollten aus dem Wackersdorf-Buch vorgelesen bekommen. Die jungen Leute waren erstaunt, was da alles los war." Seinen Geburtstag feiert der Autor mit seiner Frau Jutta, den Kindern Ferdinand, Ina und Philipp und alten Weggefährten. Oberbürgermeister Michael Cerny hat ihn zu einer Ehrung in die Stadtbibliothek eingeladen.
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