Fünf Kinder machen's möglich
Mami-Pause dauert 13 Jahre

Noch müssen sich die Kinder daran gewöhnen, dass Mama arbeitet. Wegen der Erziehung von Leopold (15), Ferdinand (12), Johann (8), Wilhelm (6) und Elisabeth (3) war Candida Bialek 13 Jahre zu Hause. Bild: Stephan Bialek
 

Gerade am Tag der Familie, dem 15. Mai, wird sie wieder in aller Munde sein - die Vereinbarkeit der Elternrolle mit dem Beruf. Doch trotz aller teils preisgekrönten Bemühungen ist das gar nicht so einfach. Das zeigt der Fall von Candida Bialek (42), die nach fünf Kindern und 13 Jahren Job-Pause wieder arbeiten geht.

Amberg. (tk) Leopold (15), Ferdinand (12) und Johann (8) sind in der Schule, Wilhelm (6) ist im Kindergarten. Nur Elisabeth, mit drei Jahren das jüngste der Bialek-Kinder, ist an diesem Vormittag mit der Mama unterwegs. Während die Tochter versucht, die widerspenstige Marmelade fein säuberlich auf dem Frühstücksbrot zu verteilen, spricht Candida Bialek über ihr neues Leben, das teilweise auch ihr altes ist. "Die Gleitzeit spielt mir in die Karten. Ohne sie könnte ich das alles gar nicht machen."

Zwölf Stunden pro Woche ist die Ambergerin für die AOK da, bei der sie bis zum Alter von 28 Jahren Vollzeit beschäftigt war. Zunächst im Außen-, dann im Innendienst. Dann kam Leopold auf die Welt. Die Mami-Pause begann und sollte 13 Jahre dauern. Wie sich die 42-Jährige die Arbeit jetzt einteilt, hat ihr die Chefin selbst überlassen. Von zwei Sechs-Stunden-Schichten bis zu mehreren, teils längeren Pausen am Tag ist für die gelernte Sozialversicherungsfachangestellte theoretisch alles möglich.

Zwölf Stunden pro Woche


"Ich will halt, dass ich in den zwölf Stunden pro Woche meine Arbeit auch schaffe und vor 13 Uhr zu Hause bin. Da kommen Leopold, Ferdinand und Johann aus der Schule und brauchen was zum Essen." Das lässt sich regeln. Doch es gab zunächst ein großes Problem, das mit der Familie und dem Beruf rein gar nichts zu tun hatte. Während die Jungs in der Schule lernen beziehungsweise im Kindergarten spielen, ist Elisabeth auf ihre Mama angewiesen. Den dringend benötigten Kindergartenplatz für ihre Jüngste bekommen die Bialeks erst im September 2016, die Rückkehr der Mutter an den Schreibtisch war aber bereits für Oktober 2015 vereinbart. "Zum Glück gibt es die Elternschule", in der kurzfristig ein Platz frei geworden war. Candida Bialek räumt ein, dass sie ohne diese Hilfe nicht in die AOK hätte zurückkommen können. Letztlich sei es einer zufälligen Fügung zu verdanken, dass Elisabeth montags bis mittwochs betreut wird, während die Mama arbeitet und Papa Stephan als Sicherheits-Ingenieur in der gesamten Republik unterwegs ist.

Knackpunkt Kindergarten


Und noch eine Klippe war zu umschiffen. Wilhelms Betreuungsvertrag mit dem Kindergarten St. Michael galt für zwei Tage pro Woche. Als die Mama wieder Geld verdiente, musste auf drei Tage aufgestockt werden. "Da hieß es zuerst, das geht nicht." Erst nach mehreren Gesprächen sei eine Lösung gefunden worden: "Es ist gut, so wie es jetzt ist. Aber daran wären wir fast gescheitert", sagt Biakel über sich und ihren Arbeitgeber, zu dem der Kontakt nie ganz abgerissen ist. Zum Beispiel wegen des AOK-Magazins, das auch alle Mitarbeiterinnen im Mutterschutz erhalten - egal, wie lange sie schon zu Hause sind: "Da stand was über das neue Computer-System drin. Da wusste ich, ich muss was anderes machen oder es wird sauschwer. Aber Angst vor der Rückkehr hatte ich nie."

Die wäre laut AOK-Fachbereichsleiter Stefan Schmidt auch völlig fehl am Platz gewesen. Jeder Wiedereinsteigerin werde die Einarbeitungszeit zugestanden, die sie benötigt. Gleich wieder bei 100 Prozent zu sein, "würde so auch keiner verlangen". Dass das Modell der Krankenkasse, für jeden Mitarbeiter ein individuell ausgearbeitetes Arbeitszeitmodell zu kreieren, in der Praxis funktioniert, gibt es seit sechs Jahren schwarz auf weiß. Das Amberger Bündnis für Familie zeichnete das Unternehmen 2010 mit dem 1. Preis in der Kategorie bis 250 Beschäftigte aus. Candida Bialek und ihre Familie profitieren davon: "Als Lehrerin beispielsweise schon um 7.30 Uhr in der Schule zu sein, das würde nicht funktionieren." Müssen doch die Buben zuerst zum Unterricht beziehungsweise in den Kindergarten gebracht werden. Ist das, was die 42-Jährige ihre tägliche morgendliche Tour nennt, beendet, geht's direkt ins Büro: "Da brauch' ich dann erst mal 'nen Kaffee."

Home-Office was für Papa


Schon mit den ersten Schlucken wird die fünffache Mutter zu einem neuen Menschen: "Zu Hause bin ich anders. Mir tut das in der Arbeit echt gut. Es gibt andere Themen, und du wirst anders gefordert. Ich bin dann nicht nur Mama." Das ist sie dafür den Rest der Woche daheim. In ihrem Haus im Sebastiansviertel, wo Papa Stephan freitags Home-Office-Tag hat. Candida schnappt sich dann Elisabeth und geht raus, weil die Tochter dem Vater "sonst nicht von der Pelle rückt". Gerade diese Erfahrung ist es, die Bialek gerne ins Büro fahren lässt: "Die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten, befindet sich für meine Stellenausschreibung noch in der Testphase. Für mich käme es aber nicht in Frage." (Kommentar)
Zu Hause bin ich anders. Mir tut das in der Arbeit echt gut. Es gibt andere Themen, und du wirst anders gefordert. Ich bin dann nicht nur Mama.Die fünffache Mutter Candida Bialek nach 13 Jahren Job-Pause
Weitere Beiträge zu den Themen: AOK (44)Tag der Familie (25)Candida Bialek (1)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.