Fußwaschung beim Abendmahl-Gottesdienst
Die Apostel aus der 3. Klasse

So wird die Zeremonie heute Abend vonstatten gehen: Die Buben und Mädchen sitzen auf einer Bank vor dem Volksaltar. Pfarrer Markus Brunner wäscht ihnen die Füße. Eine Schüssel fängt das Wasser auf.
 
Für den gewaschenen Fuß gibt es sogar einen Kuss. Bilder: Huber (2)
Amberg: Pfarrkirche St. Georg |

Am Dreikönigstag mimte Jakob schon den Melchior. Deswegen schafft er den Jünger Jesu bestimmt mit links. Als solcher lässt sich der Neunjährige heute Abend von Dekan Markus Brunner die Füße waschen. Ein Akt der Demut - wie gemacht für Lausbuben.

"Wenn ihr mich ärgern wollt, dann wascht ihr vorher eure Füße nicht", sagt Pfarrer Markus Brunner bei der Generalprobe. Mit einem Augenzwinkern, versteht sich. Die Buben in der ersten Reihe lassen sich da nicht zweimal bitten. "Dann rennen wir beim Ehbauer extra nochmal durch den Mist", sagt einer. Auch er gehört zu den zwölf Aposteln, denen der Dekan heute Abend in der Georgskirche die Füße wäscht.

Jakob und seine Freunde aus der dritten Klasse der Max-Josef-Schule werden ihre Freude dabei haben. Doch die Fußwaschung am Vorabend des Karfreitags ist für die Kirche eine ernste Angelegenheit, eine symbolische Geste mit großer Aussagekraft. Die Kinder wissen, was die Aktion mit der Waschschüssel vor dem Volksaltar zu bedeuten hat. "Der Pfarrer macht das bei uns, weil es Jesus bei seinen Jüngern getan hat", sagt die achtjährige Amelie. "Richtig", betont Brunner, um doch noch etwas in die Tiefe zu gehen. "Mit der Fußwaschung rücken wir die dienende Liebe Jesu zu seinen Jüngern ins Bild", sagt er und verweist auf das Markus-Evangelium: "Sie ist Vorbild für uns, denn der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen." Papst Franziskus hat 2013 ein dickes Ausrufezeichen hinter dieses Bibelwort gesetzt, als er zwölf Strafgefangenen die Füße wusch. Heuer hat der Vatikan hochoffiziell auch Frauen für das Ritual zugelassen.

In der Pfarrei St. Georg sind weibliche Füße schon lange Bestandteil des Waschungsakts. "Wir haben da noch nie einen Unterschied gemacht", berichtet Dekan Brunner. "Aufgeregt hat sich deswegen noch niemand." 2005 war stellvertretend für die Schar der Gläubigen die Kirchenverwaltung an der Reihe, in den Jahren darauf folgten unter anderem die Kindergärtnerinnen, die Mitglieder des Frauenbundes, Kommunionhelfer, Lektoren und Mesner, die Ministranten, die Pfadfinder, die Firmlinge und heuer eben die Kinder aus der 3. Klasse. Ihnen steht ja ein besonderes Fest bevor. Die Buben und Mädchen, die heute Abend vor dem Altar sitzen, feiern am Sonntag, 8. Mai, Erstkommunion.

Seit Schuljahresbeginn bereiten sich die Drittklässler schon auf die Feier vor. Klar, dass sich Gemeindereferentin Gabriele Papp mit dem Vorbereitungsteam ein Motto ausgesucht hat, das auch zu Gründonnerstag und Ostern passt. Es heißt: "Eine Liebe, die sich gewaschen hat."

FußwaschungDie Fußwaschung ist fester Bestandteil der katholischen Gottesdienste am Gründonnerstag. Mit dem symbolischen Akt erinnert die Kirche an das letzte Abendmahl vor der Kreuzigung Jesu. Der biblischen Überlieferung nach wusch Jesus seinen Jüngern die Füße und trocknete sie mit einem Tuch. Durch dieses Beispiel wollte er zeigen, dass auch die Jünger untereinander zum Dienen bereit sein müssen. Weil laut Dekan Markus Brunner das Dienen fest zum Glauben gehört, lag der Gedanke nahe, die Fußwaschung an den Erstkommunionkindern zu vollziehen. Die besondere Ehre erfahren heute Abend: Lena Beck, Luis van Brakel, David Braun, Amelie Dehnert, Luca Fischer, Lukas Segerer, Jakob Kirsch, Anna Martner, Josey Michael, Moritz Stock, David Terschüren und Lena Weiß. (upl)
Wenn ihr mich ärgern wollt, dann wascht ihr eure Füße vorher nicht.Pfarrer Markus Brunner
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