Gedenken an verheerenden Verkehrsunfall vor 50 Jahren in Amberg
Fünf junge Leute totgefahren

Zur Erinnerung an den verheerenden Verkehrsunfall am 21. August 1966 auf der Strecke von Haag nach Gailoh steht heute noch das Mahnmal an der Straße am südwestlichen Stadteingang. Unweit der Unglücksstelle symbolisieren die fünf Säulen, die durch Bögen verbunden sind, die fünf ausgelöschten jungen Menschenleben. Bilder: Hartl (2)
 
Die Gedenkmesse in der Schulkirche war gut besucht - ein Zeichen, dass die Ereignisse und Toten von damals nicht vergessen sind. Bild: Steinbacher
 
"Amberg trauert" titelte die AZ 1966 nach dem Unfall. Hans Sturm, einer der Überlebenden, tut es noch heute - nicht nur, wenn er den ganzseitigen Bericht über das schreckliche Geschehen von damals liest.

Ein betrunkener Autofahrer rast in eine Wandergruppe der Pfarrjugend: Fünf junge Menschen sterben, zwei werden schwer verletzt. Das ist einer der schlimmsten Verkehrsunfälle, die es je in Amberg gab. Passiert ist er am 21. August 1966, jährte sich gestern also zum 50. Mal. Anlass zu Erinnerung und Gedenken am Wochenende.

Am Vorabend des Jahrestags trafen sich Überlebende und Angehörige der damals Verunglückten zu einem Gedächtnisgottesdienst in der Schulkirche. "Wir haben ja gute Freunde verloren", schildert Hans Sturm den Grund für diese Feier, der ihn noch heute bewegt. Fast jeden August kehrte er in den vergangenen fünf Jahrzehnten an den Ort des schrecklichen Unfalls zwischen Haag und Gailoh zurück.

Wie einige andere Teilnehmer aus der Pfarrjugend-Wandergruppe, die damals unversehrt blieben, betete er für die Opfer und entzündete an ihrem Mahnmal bei Gailoh eine Kerze. Das hielt der Amberger heuer zum 50. Gedenktag für zu wenig. Er organisierte federführend für St. Martin und die KJG am Samstag den Gottesdienst, den Pfarrer Richard Salzl zelebrierte. Der Ruhestandsgeistliche ist der Bruder der beim Unglück ebenfalls verstorbenen Maria-Luise Salzl. Er blickte in seiner Predigt auf das damals schon Unbegreifliche zurück.

Verarbeitung schwierig


Das tat auch Hans Sturm, der heute noch von einem Ereignis spricht, "das einem ein Leben lang nachhängt." Noch immer hat er die schrecklichen Bilder seiner toten Kameraden vor Augen, die er in der Kirche namentlich nannte: Hans Luber, Otto Seeberger, Maria-Luise Salzl (damals alle 17 Jahre alt), Margot Kulzer (16) und Josef Scheid (15). Der Jüngste hatte laut Sturm zum ersten Mal an einem der fast jeden Sonntag stattfindenden Ausflüge der KJG St. Martin teilgenommen. Mit seiner Schwester ging der Amberger - seinerzeit 18 Jahre alt - in die Schule. Von daher weiß er, dass die Familie noch lange an der Entscheidung litt, ihren Junior mitgeschickt zu haben.

Warum fünf junge Menschen sterben mussten, "weiß nur der Liebe Gott", sagt Sturm, der selbst lange brauchte, dieses Erlebnis zu verarbeiten. Seine Stiefmutter leistete ihm dabei in vielen Gesprächen, auch mit religiösem Inhalt, Hilfe. Was der 68-Jährige allerdings bis heute nicht verstehen und akzeptieren kann, ist die Ursache, die zu dem Unglück geführt hatte. Nicht nur der Fahrer des Unfallwagens, ein großer Ford 17 M, war stark alkoholisiert, sondern auch seine Begleiter. Mit fünf weiteren Insassen war das Auto überladen, als es zur Katastrophe kam, wie die Amberger Zeitung damals schilderte.

Dass nicht noch mehr Opfer von dem Pkw getroffen wurden, war dem Umstand zu verdanken, dass sich die Jugendgruppe beim Wandern am Rand der Kreisstraße nach Gailoh in drei Teile auseinandergezogen hatte.

Sprung rettet acht Leben


Der 30-jährige Fahrer raste von hinten frontal in die letzte Traube aus sieben Jugendlichen. Die anderen zwei Gruppen mit je drei Leuten etwas weiter vorn sprangen nach dem "heftigen Schlag", den sie hinter sich hörten, und einem Warnruf von Hans Sturm vor dem schleudernden Auto zur Seite. In letzter Sekunde retteten sie so ihr Leben. (Angemerkt)

HintergrundSchon kurz nach dem Unfall hatte es geheißen, die jungen Leute hätten den Fehler gemacht, auf der rechten statt auf der linken Straßenseite zu gehen - um den direkt an ihnen vorbeifließenden Verkehr nicht im Rücken zu haben. Das war knapp fünf Monate später, Mitte Januar 1967, auch bei der Gerichtsverhandlung um die Ereignisse ein Thema. Dabei und schon nach den ersten polizeilichen Ermittlungen kurz nach dem Unglück wurde jedoch betont, dass ein anderer Pkw-Lenker, ebenfalls von hinten kommend, in gebührendem Abstand an den drei Fußgängergruppen vorbeigefahren war.

Der 30-jährige Unfallverursacher, laut AZ-Artikel vom 23. August 1966 selbst Vater von vier Kindern, war jedoch wegen seiner Alkoholisierung nicht in der Lage, Abstand und Situation richtig einzuschätzen, wie es auch im Urteil gegen ihn geheißen hatte. Demnach hatte der Amberger nicht einmal gebremst, als er in die siebenköpfige Menschentraube fuhr. Vier waren sofort tot, Margot Kulzer starb noch in der Nacht im Krankenhaus. Dort lagen auch zwei schwerverletzte junge Frauen noch länger; vier weitere junge Leute aus der Wandergruppe erlitten leichte Blessuren. Zum Unglückszeitpunkt gegen 19.55 Uhr hatte es leicht gedämmert, außerdem regnete es.

Als Erklärung oder Entschuldigung lässt Hans Sturm all das bis heute nicht gelten. Für ihn ist es nicht akzeptierbar, dass sich der Fahrer in diesem Zustand ans Steuer setzte. Der 30-Jährige und seine Begleiter hatten zuvor die Hohenkemnather Kirwa besucht und dort feuchtfröhlich gefeiert. Auch die Pfarrjugend hatte sich dieses Ziel ausgesucht. "Aber wir haben auf der Kirwa nur Brotzeit gemacht, von uns hat keiner einen Tropfen Alkohol getrunken", hebt Sturm noch heute empört den Unterschied hervor.

Der 30-jährige Familienvater hatte dagegen selbst zugegeben, in der Runde in Hohenkemnath sieben Halbe Bier konsumiert zu haben. Die Polizei ermittelte nach dem Unglück gegen 21.15 Uhr einen Blutwert von 1,17 Promille, der sich durch die Rückrechnung auf die Unfallzeit auf 1,33 erhöhte. (ath)

"Die Stadt und der Landkreis Amberg stehen im Zeichen tiefer Trauer. Unbarmherzig wie selten schlug am Sonntagabend der Verkehrstod zu." Schon die ersten zwei Sätze des AZ-Artikels verdeutlichten das Ausmaß der Katastrophe, die im Sommer vor 50 Jahren die ganze Region erschütterte.

Auf einer ganzen Seite berichtete die Amberger Zeitung am 23. August 1966 von dem verheerenden Verkehrsunfall auf der damaligen Kreisstraße AM 15. Die Worte, die die Redaktion wählte, drückten die Erschütterung Tausender Menschen aus: "Gerade noch vergnügt und guter Dinge auf dem Nachhauseweg von der Kirchweih in Hohenkemnath, starben zwischen Haag und Gailoh innerhalb weniger schrecklicher Sekunden fünf junge, lebensfrohe und hoffnungsvolle Menschen einen unfassbaren Tod."

"Mit der 14-köpfigen Schar der Pfarrjugend von St. Martin - insgesamt acht Buben und sechs Mädchen (eines wurde nach dem Kirwa-Besuch direkt vor Ort abgeholt, Anm. d. Red.) - waren sie am Sonntag gegen 14 Uhr vom Wingershofer Tor aus aufgebrochen zu einer Wanderung nach Hohenkemnath", schilderte die Amberger Zeitung weiter.

"Sie sollten nicht mehr zu ihren Eltern heimkehren. Erschüttert und fassungslos vor Schmerz stehen fünf Familien dem schrecklichen Geschick gegenüber, das sie getroffen hat." Am Mittwoch, 24. August 1966, betonte die AZ noch einmal, dass die ganze Region geschockt ist. Am Rathaus wehten die Fahnen auf halbmast und in Vertretung des damals verreisten OB Wolf Steininger sprach Franz Prechtl den Hinterbliebenen "das Mitgefühl des Stadtrates, der Verwaltung und der gesamten Einwohnerschaft Ambergs aus". Erneut auf einer ganzen Seite berichtete die Redaktion dann am Freitag über das Requiem in St. Martin und die Beerdigung der Toten auf den Friedhöfen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.