Gefährliche Raupen auf dem Vormarsch
Stadt warnt vor Spinnern

Der Eichenprozessionsspinner hat sich nicht nur auf dem Mariahilfberg eingenistet, wie hier am Philosophenweg, sondern in der gesamten Stadt. Bild: Wolfgang Steinbacher
 
Das gespinstartige Geflecht am Philosophenweg ist gefährlich. Bild: Stadt Amberg

Zur bestbesuchten Zeit des Jahres breitet sich der Eichenprozessionsspinner am Mariahilfberg aus. Bergfest-Gänger müssen vorsichtig sein: Die Tierchen haben sich am Philosophenweg angesiedelt. Sie sind gefährlich, weil ihre Raupen mikroskopisch kleine Nesselhaare mit Widerhaken besitzen, die das Eiweißgift Thaumetopein enthalten und bei Menschen juckende und entzündliche Hautreaktionen, Asthmaanfälle oder andere allergische Reaktionen auslösen können.

Aber vom Berg aus breiten sich die Tiere weiter aus. "Nun wurde bei Kontrollen die Schmetterlingsart zunehmend an weiteren Stellen, an denen sich Eichen befinden, entdeckt", sagte Stadtpressesprecherin Susanne Schwab.

So seien nicht nur wie bereits vor zwei Wochen in der AZ berichtet im Stadtgraben und am Philosophenweg, sondern mittlerweile im gesamten Stadtgebiet Gespinste des Eichenprozessionsspinners entdeckt worden. Eine Fachfirma ist mit dem Absaugen der Gespinste beauftragt.

Vor allem in den sensiblen Bereichen, wie im Umfeld von Sportstätten und Spielplätzen, aber auch im Stadtgraben werde daran gearbeitet. "Wir verfolgen aufmerksam die weitere Entwicklung, um früh reagieren zu können", sagte Schwab.

Gleichzeitig werden die Bürger gebeten, selbst besonders umsichtig zu sein, wenn sie sich in der Nähe von Eichen aufhalten.



Parallelen einer Prozession - Angemerkt von Andrea MußemannDas ist schon ein saublöder Zeitpunkt, den sich die Eichenprozessionsspinner da ausgesucht haben. Ausgerechnet zur Bergfestzeit treiben sich die fetten Raupen in weißen Gespinsten um den Philosophenweg herum. Was tun sie da zum Teufel, außer ihre mit Gift gespickten, leicht brechenden Härchen vom Wind verbreiten zu lassen und so ahnungslosen Spaziergängern Hautreizungen zu verpassen?

Sie warten auf ihre Transformation, ihr persönlicher Rexit. Nach fünf bis sechs Entwicklungsstadien werden aus ihnen aber keine wunderschönen Schmetterlinge, sondern schmucklose Nachtfalter. Ihre Nahrung: Blätter. Die Gefahr für die Bratwurst auf dem Gipfel am Biertisch hält sich also in Grenzen.

Allerdings ziehen böse Zungen Parallelen zum menschlichen Prozessionsteilnehmer. Das Meyers-Lexikon bescheinigt den Tierchen regelrechte Geselligkeit und: "Sie ziehen abends in geschlossener Ordnung auf den Fraß." Wenn das mal kein Grund ist, auf den Eichenprozessionsspinner anzustoßen. Der kennt sich aus. Trotzdem angewidert von dieser scheinbar putzigen Charaktereigenschaft, die der unseren während der Bergfest-Woche gar nicht so unähnlich ist, erkundigen wir uns heimlich nach den natürlichen Feinden: Wanzen, Schlupfwespen, Raupenfliegen, der Kuckuck und räuberische Käfer wie zum Beispiel der Puppenräuber.

Auch wenn das nicht unbedingt die vertrauenswürdigsten Kumpanen für einen Kampf gegen die ätzende Raupentruppe ist, ein bisschen Grusel belebt schließlich das Geschäft - und endlich haben alle einen triftigen Grund zum Busfahren.


Drei FragenKamen schon besorgte Bergfestgänger zu ihnen wegen des Eichenprozessionsspinners?

Wolfgang Potsch: Ehrlich gesagt wusste ich bis gerade gar nicht, dass wir den hier auch am Berg haben. Aber um Ihre Frage zu beantworten: Nein.

Wenn jemand mit der Raupe in Berührung kommt, was können Sie empfehlen?

Potsch: Wir können bei der Akutversorgung schon etwas machen, letztendlich müssen aber klinische Versorgungen her und entsprechende Medikamente eingenommen werden, um Atemnot zu verhindern und die Reaktionen der Haut zu lindern.

Wie läuft's insgesamt heuer für das BRK auf dem Bergfest?

Potsch: Wir sind relativ zufrieden. Es geschah bisher nichts Außergewöhnliches.

Hintergrund


Die gespinstartigen Ansammlungen, in denen sich die Raupen aus den Eiern entwickeln, finden sich an Stämmen und Ästen. Die filzig aussehenden Geflechte und die Raupen dürfen auf keinen Fall berührt werden, denn dann ist die Gefahr von gesundheitlichen Schäden am größten. Infos beim Baureferat, 10 407 oder 10 418. (roa)
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