Geodätischer Grundnetzpunkt spielt für Vermessung und Navigation große Rolle
Amberg macht's auf den Punkt genau

Gruppenleiter Johann Brandl und sein Mitarbeiter Franz Neumeier bestimmen die Höhe der GNSS-Antenne millimetergenau. Bilder: hfz (2)
 
Die Vermesser vom Landesamt zeigen ihre Übersichtskarte mit dem Amberger und dem benachbarten Grundnetzpunkt bei Schwandorf. Ihre Arbeitsanweisungen sind für alle Standorte in einem Heft gebündelt.

Orientierung auf der Erde - dreidimensional, zentimetergenau und schnell: Dazu trägt auch ein Punkt in Amberg bei. Es ist der sogenannte geodätische Grundnetzpunkt, der an der Grenze zwischen der Stadt und der Gemeinde Ursensollen liegt.

Es ist einer der bestbestimmten Festpunkte in Bayern, der eine ganz besondere Rolle für eine flächendeckende hochpräzise Positionsbestimmung mit Satellitennavigationssystemen für zentimetergenaue Koordinaten in Lage und Höhe liefert, teilt das Amberger Vermessungsamt nicht ohne Stolz mit. Truppleiter Johann Brandl und sein Kollege Franz Neumeier vom Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung sind derzeit im ganzen Freistaat von Coburg bis nach Passau unterwegs.

Sie sind Teil einer akribisch geplanten Messkampagne, in der an sechs Tagen von sechs Trupps des Landesamts insgesamt 36 landesweit verteilte Grundnetzpunkte aufgesucht werden. Ziel ist laut Brandl und Neumeier, ein Messverfahren vorzuhalten, das flächendeckend hochpräzise Positionsbestimmung in Echtzeit in einem amtlichen Bezugssystem für moderne, wirtschaftliche und hochverfügbare Geoinformationssysteme ermöglicht.

Prinzip ist einfach


Das Prinzip ist nach ihren Worten einfach: Die Positionsbestimmung mit einem satellitengestützten Global Navigation Satellite System (GNSS) ermöglicht mit einem einzelnen Empfänger nur eine Genauigkeit von rund 10 Metern. Navigationsgeräte im Auto oder der Empfänger im Smartphone nutzen diese Methode. Handyfotos, Geocaching und anderes erlauben also nur eine ungefähre Angabe der Position auf der Erdoberfläche. Für die Steuerung von Baumaschinen, Ingenieur- und Katastervermessungen werden aber zentimetergenaue Werte gefordert, idealerweise in Echtzeit oder allenfalls nach nur kurzer Messzeit.

Moderne Empfangsgeräte und weltweite Satellitennavigationssysteme, bei uns zur Zeit das bekannte amerikanische GPS und das weniger bekannte russische GLONASS, bald auch das europäische Galileo, schaffen diese Leistung bei entsprechender Anordnung. Wird gleichzeitig mit zwei Empfängern gemessen, ist Zentimetergenauigkeit erreichbar, informieren Brandl und Neumeier.

Ein Empfänger muss dabei nach ihrer Auskunft auf einem Ausgangspunkt mit bekannter Position stehen. Bei einem Messverfahren mit Namen SAPOS (R) ersetze eine Referenzstation den Empfänger auf dem Ausgangspunkt. Zusätzlich ermöglichten Korrekturwerte von SAPOS (R) dem Nutzer eine enorme Steigerung der Positionsgenauigkeit. "Er spart Zeit und Kosten, zumindest für die entbehrliche Zweitantenne", heißt es im Bericht der Vermessungsbehörde.

Für ein bundesweites Netz


Die Position der 38 bayerischen SAPOS(R)-Referenzstationen werde ständig von der Zentrale in München überwacht und gegebenenfalls korrigiert. Zusammen mit insgesamt über 250 in den Bundesländern verteilten Stationen bildeten sie ein bundesweites Netz und die Grundlage für die moderne Landesvermessung in Bayern. Amberg am nächsten sind demnach die Stationen in Auerbach, Schönsee, Schwandorf und Neumarkt. Gewissermaßen zur Eichung werden seit 2005 an den Grundnetzpunkten Satellitenmessungen, Schweremessungen (Messung der Erdanziehungskraft) und flächenhaftes Nivellement (präzise Höhenmessungen) ausgeführt. Nun werden diese Arbeiten abgeschlossen.

Bei der deutschlandweiten GNSS-Kampagne im Sommer 2008 war der geodätische Grundnetzpunkt bei Lengenloh laut Amt auch schon dabei. Damals schrieb die Amberger Zeitung in ihrer Überschrift: "Millimetergenaue Infos aus dem All". Als einer von 17 Punkten war er auch im Juli 2011 für Schweremessungen mit einem höchstempfindlichen Absolutgravimeter auserkoren.

HintergrundNutzen für den Bürger:

Wenn 2017 der neue Höhenbezugsrahmen NHN eingeführt und nach 2018 die UTM-Umstellung erfolgt ist, können Betreiber mit Satellitenvermessung amtliche Koordinaten und Höhen in Sekundenschnelle mit einer Genauigkeit im Zentimeterbereich bestimmen. Das hat entscheidende Synergieeffekte bei modernen, positionsbasierten Anwendungen im Katastrophenschutz, Umweltmanagement, Leitungskataster, bei der Maschinensteuerung und Logistik etc.

Die Verschneidung unterschiedlicher Fachinformationen (Kanäle, Leitungen, amtliche Geobasisdaten) in Echtzeit wird damit erst sinnvoll, verdeutlicht das Vermessungsamt, Bauprojekte und flächendeckende Versorgung würden vereinfacht und kostengünstiger. Schließlich werde der Unterhalt des amtlichen Raumbezugssystems effektiver und für den Steuerzahler billiger.

Früher wurden über 35 000 trigonometrische Festpunkte durch die amtliche Triangulation in Bayern bestimmt und gepflegt, um lokale Vermessungen erst zu ermöglichen, schildert das Vermessungsamt den Hintergrund. Heute genügen nach seiner Auskunft 35 SAPOS-Referenzstationen im Freistaat, die den vermarkten, integrierten Raumbezug von zukünftig rund 110 geodätischen Grundnetzpunkten repräsentieren. Mehr zum Thema: http://www.ldbv.bayern.de/produkte/dienste/sapos.html

Nutzen für die Fachwelt:

Durch die Satellitenvermessung ist es nun möglich, eine dreidimensionale Position (ETRS) in Sekundenschnelle und ohne Sichtverbindung zu bestimmen. Moderne und effektive Geoinformationssysteme (GIS) verlangen, dass aus dieser 3D-Position unmittelbar ein europaweit homogener amtlicher Lagebezug (UTM) und Höhenbezug (NHN Normalhöhe) abgeleitet werden kann.

Dies wird durch die sehr stabil und sicher vermarkten Grundnetzpunkte ermöglicht, die als flächendeckende identische Verknüpfungspunkte zwischen 3D-Position, Nivellement und Schwerewerten die Umrechnung der gemessenen Koordinaten in Meereshöhen erlauben, informiert das Vermessungsamt.
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