Gericht ermittelt: Wer hat den Reitsattel gestohlen?
Mit Satteldiebstahl vergaloppiert

Nein, sagt der Angeklagte, er sei weder ein Dieb noch ein Betrüger. Der 40-Jährige will vollkommen unschuldig sein an einem Fall mit der Überschrift "Reitsattel", der nun das Amtsgericht beschäftigt.

Amberg-Sulzbach. Fest steht: Im März 2013 wurde in die Sattelkammer eines Reiterhofs im nördlichen Landkreis eingebrochen. Der Täter entwendete drei Sättel im Wert von nahezu 10 000 Euro und wurde trotz umfangreicher Bemühungen nicht ermittelt. Die Sache gelangte zunächst zu den Akten. Einige Zeit darauf kam es zur Hausdurchsuchung bei einem in der Nähe wohnenden 40-Jährigen. Er hatte über eine Internetplattform Zubehör für Reiter angeboten. Und siehe da: Einer der beim Einbruch geklauten Sättel wurde bei ihm gefunden.

Wer war der Einbrecher?


War er der Einbrecher? Sollte auch der besagte Sattel versteigert werden? "Keineswegs", argumentiert der 40-Jährige nun vor der Amtsrichterin Julia Taubmann. Die fragliche Sitzgelegenheit habe er irgendwann für 2050 Euro an eine Frau aus Franken verkauft, dann aber (wegen der Unzufriedenheit seiner Kundin) nur kurze Zeit später wieder zurückgenommen und gegen einen anderen Sattel ausgetauscht.

Für die Richterin war wichtig, zu erfahren: Die Frau aus Franken (41) hatte ihr Pferd auf dem seinerzeit vom Einbruch heimgesuchten Reiterhof eingestellt. Sie wurde nun über eine Stunde lang als Zeugin vernommen und machte deutlich: "Der Sattel ist von dem Mann nie durch einen anderen ausgetauscht worden. Ich wollte ihn ja behalten." Bis heute sei sie im Besitz von Papieren, die doch eigentlich bei einem Umtausch hätten zurückgefordert werden müssen. Der Angeklagte hatte dafür eine Erklärung: "Ich habe sie damals gebeten, die Unterlagen entweder an mich zurückzugeben oder sie zu vernichten." Denn bei gebraucht veräußerten Sätteln seien Garantieerklärungen nicht unbedingt erforderlich.

Der Richterin lagen Fotos vor, die der Angeklagte von dem fraglichen Sattel gemacht hatte. Darauf befinden sich Datumsangaben, die darauf hindeuten, dass das aus feinem Leder genähte Teil zum Zeitpunkt des Einbruchs in der Sattelkammer bei dem 40-Jährigen war. Beweist dies seine Unschuld? Wohl eher nicht. Denn von einem Spezialisten der Polizei erfuhr Julia Taubmann: "Solche Daten auf Bildern können leicht gefälscht werden."

Es geht mit Zeugen weiter


Der ungewöhnliche Prozess geht weiter. Die Richterin will noch nicht vernommene Zeugen hören, um sich ein abschließendes Urteil bilden zu können. In ihrer Anklageschrift geht Staatsanwältin Franziska Bücherl davon aus, dass der 40-Jährige entweder selbst der Einbrecher war oder durch Dritte wieder in den Besitz des vorher von ihm verkauften Sattels gelangte, um ihn dann - quasi als Hehlerware - übers Internet anzubieten.
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