Geschenk-Ecke in der Amberger Bahnhofstraße macht dicht - Baustellen vergraulen Laufkundschaft
Shoppen im Staub

Besonders die Geschäfte, die auf Laufkundschaft angewiesen sind, wie das Eiscafé Cadore oder die Geschenk-Ecke sind von den Baustellen in der Nachbarschaft massiv betroffen. Das wird auch noch einige Jahre so weitergehen. Als nächstes steht der Abriss des Forums (linke Seite) auf dem Programm. Bild: blu

Der nächste Laden in der Bahnhofsstraße schließt. Grund ist die Baustelle des Bürgerspitals. Staub und Schwerlaster vergraulen die Laufkunden. Ein Ende ist nicht in Sicht: Der Abriss des Forums steht bevor.

"50 Prozent Räumungsverkauf" steht groß im Schaufenster der Geschenk-Ecke. "Wegen der Baustelle", erklärt Inhaberin Elisabeth Wagner kurzangebunden. Zwar sei jetzt der Bauzaun endlich weg, der für die Baustellenfahrzeuge errichtet wurde und gleichzeitig die Kundschaft von den Geschäften regelrecht abschirmte. Doch die nächste Staubwolke wird nicht lang auf sich warten lassen: Der Abriss des Forums. "Der ganze Staub und Dreck. Da kann ich nichts mehr rausstellen", klagt Wagner und zeigt auf ihre Ständer mit Postkarten. Zwar habe ihr die Stadt andere Verkaufsräume angeboten, aber sie lehnte wegen der Lage in kleinen Gassen und zu hoher Mietpreise ab. Es ist schon der zweite Geschenkeladen, der in dieser Straße schließen muss, nach dem Kultladen Eibl von Theresa Mutzenbauer vor sechs Jahren.

Schwerlaster neben Eiscafé


Auch Karin Grandelis, Chefin des Eiscafés Cadore, seufzt. Schon das dritte Jahr lebt sie mit den Baustellen von Bürgerspital, Wirtschaftsschule und bald dem Forum in unmittelbarer Umgebung. "Wenn Sie ins Café gehen, wollen Sie ihre Ruhe haben und plaudern. Das geht natürlich nicht, wenn Schwerlaster vorbeifahren", berichtet sie. "Das ist optisch und praktisch nicht gerade der Hit." Auch der Dreck sei belastend. "Ich musste teilweise zehn Mal am Tag Fenster putzen." Direkt gegenüber wird mit dem Abriss des Forums bald eine neue Baustelle entstehen.

Die Eiscafé-Inhaberin wünscht sich, dass der Abriss am liebsten noch diesen November über die Bühne geht. Erstens sperre sie über den Winter ohnehin zu, zweitens sei die Staubentwicklung dann nicht so stark. Doch beim Bauamt sagt man ihr, dass der Zeitplan noch nicht klar ist. Grandelis hofft, dass sie bald über die Pläne aufgeklärt wird. Und dass nach dem Abschluss der Bauarbeiten die Straße wieder ordentlich belebt wird. "Das hier ist eigentlich eine ideale Lage", sagt sie. Doch bis alles fertig ist, muss sie sich wohl noch ein paar Jahre gedulden.

Die Firma "Egger Hörgeräte und Gehörschutz" direkt neben dem Cadore allerdings spürt die Auswirkungen nicht so stark. Der Grund ist klar: Ein Hörgerät kauft man nicht mal so im Vorbeigehen, wie eine Kugel Eis oder einen Kaffee. "Wir sind weniger auf Laufkundschaft angewiesen. Zu uns kommen die meisten Leute gezielt", bestätigt Geschäftsstellenleiter Harald Schmid. Doch er hat dafür andere Interessen: "Uns wären Parkplätze direkt vor der Tür wichtig." Denn besonders ältere, in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen, zählten zu seinen Kunden. Und für die Beratung müssten sie sich mehr Zeit nehmen.

"Das halten wir aus"


Auch die Apotheke an der Wart ist von den Baustellen betroffen. Mitarbeiterin Christa Winkler beobachtet, dass die Laufkundschaft weniger wird. "Absperrungen merkt man als Ladenbesitzer immer." Doch Winkler steht voll hinter den Baumaßnahmen. "Deshalb haben wir das bisher mehr oder weniger über uns ergehen lassen." Auch sie erhofft sich einen ordentlichen Aufschwung, wenn das Projekt beendet ist. "Das halten wir schon aus", gibt sie sich optimistisch.

Eines bereitet ihr wirklich Sorgen: Die Überlegungen zu einer Tiefgarageneinfahrt mitten in der Bahnhofstraße. "Da würde sich ein Loch direkt vor unserem Laden auftun", stöhnt sie. Außerdem verschandele das geplante Projekt das Stadtbild. "Wir sind bereit, alles auszuhalten. Aber wenn die Tiefgarageneinfahrt nicht kommt, würden viele Ladenbesitzer und Bürger aufatmen."

Ich musste teilweise zehn Mal am Tag Fenster putzen.Karin Grandelis, Eiscafé Cadore


Angemerkt: Stilles Leiden der LädenEine Absperrung, die die Geschäfte von der Laufkundschaft abschottet? Die zuweilen sogar aufgebaut bleibt, obwohl die Baustelle stillsteht? Und das fast drei Jahre lang und womöglich weitere drei Jahre? Dass die Ladenbesitzer in der Bahnhofstraße frustriert sind, ist verständlich. Fehlende Kunden und verstaubte Verkaufsflächen sind existenzbedrohend. Klar, am Ende versprechen Forum und Bürgerspital zum Einkaufsmagneten zu werden und die Bahnhofsstraße ordentlich zu beleben. Bis dahin versucht jeder, irgendwie zu überleben.

"Wir lassen das über uns ergehen", "Wir müssen durchhalten", "Was sollen wir denn machen?" ist von den Ladenbesitzern zu hören. Sich zu organisieren, die Möglichkeiten der gesellschaftlichen Mitbestimmung zu nutzen, um ihre Interessen gemeinsam gegenüber der Stadt zu vertreten, ist den Einzelkämpfern bisher nicht in den Sinn gekommen. Stattdessen durchqueren sie stillschweigend das Jammertal der Umsatzeinbußen, um dann am Ende im Einkaufsparadies die Früchte zu ernten. Wer bis dahin nicht durchhält, geht ein - wie die Geschenk-Ecke. Wie viele Geschäfte das stumme Leiden in der Bahnhofstraße die kommenden Jahre durchhalten, bleibt abzuwarten.
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