Gesunde Ernährung in den Kindertagesstätten
Was auf den Tisch kommt

Zu einem Blick in die Küche der internen Mittagsverpflegung bei Siekids lud Bürgermeisterin Brigitte Netta (Vierte von rechts), die auch Leiterin der Einrichtung ist, ihre Kolleginnen aus dem Landkreis ein. Zusammen mit Wolfhard-Rüdiger Wicht und Ursula Eckl von der Landwirtschaftsschule (von links) stellte sie die Vorzüge einer regionalen Versorgung vor. Bild: Hartl
 
Zu einem Blick in die Küche der internen Mittagsverpflegung bei Siekids lud Bürgermeisterin Brigitte Netta (Vierte von rechts), die auch Leiterin der Einrichtung ist, ihre Kolleginnen aus dem Landkreis ein. Zusammen mit Wolfhard-Rüdiger Wicht und Ursula Eckl von der Landwirtschaftsschule (von links) stellte sie die Vorzüge einer regionalen Versorgung vor. Bild: Hartl

Dinkel, Hirse, Kichererbsen? Essen Kinder nicht? Alles eine Frage der Präsentation, meint Andrea Baum, Hauswirtschafterin bei der Kindertagesstätte Siekids. Sie geht schon mal mit dem Globus und einem Sachbuch in die Gruppe und erzählt, wo das für die Kinder unbekannte Nahrungsmittel eigentlich herkommt.

(pinl/roa) "Wir arbeiten mit relativ wenigen Zutaten", sagte Baum bei einem Ortstermin mit Bürgermeisterinnen aus dem Landkreis in der Kita an der Werner-von-Siemens-Straße. Brigitte Netta hatte als Leiterin der Einrichtung ihre Kolleginnen eingeladen, mehr über die Möglichkeiten einer optimalen Ernährung für Kinder zu erfahren und stellte klar, dass auch in der Politik ein Augenmerk auf die Rahmenbedingungen gelegt werden müsse.

"Dort, wo Baumaßnahmen anstehen, sollte bereits jetzt mitgedacht werden und die Voraussetzung für bedarfsgerechte Ernährung geschaffen werden", sagte Netta. Ihrer Meinung nach geht es auch darum, kreative Geschäftsmodelle zu unterstützen. Deshalb hatte sie Leitenden Landwirtschaftsdirektor Wolfhard-Rüdiger Wicht und Schulleiterin Ursula Eckl zu Gast. Ihre Klassenzimmer an der Hockermühlstraße werden regelmäßig von ausgebildeten Hauswirtschafterinnen besucht - Expertinnen in Sachen Ernährung und Haushaltsführung.

Zwei davon saßen mit am Tisch: Ursula Baum und Tanja Breitkopf. "Um manche Vorschriften erfüllen zu können, muss man richtig Geld in die Hand nehmen", betonte Breitkopf. Doch dies zahlt sich ihrer Meinung nach aus: "An der Qualität und der Gesundheit." Gelernte Fachkräfte würden weitaus geschickter haushalten als ungelernte: "Wenn ich daran zurückdenke, wie großzügig ich früher Erdbeeren geputzt habe", sagte Breitkopf. Landwirte aus der Region Amberg-Sulzbach zählen zu den Lieferanten von Siekids. Gegessen wird, was auf den Tisch kommt - für die Mädchen und Buben zur Not auch püriert, da nie Geschmacksverstärker zum Einsatz kommen.

Auf Externe angewiesen


So viel Glück, eine eigene Küche mit Personal im Haus zu wissen, haben nicht alle Einrichtungen. Nach dem Wegfall des Marienheims als Caterer von elf Schulen und Kindergärten (wir berichteten) müssen neue Lösungen für die Mittagsverpflegungen her. Im Gespräch mit betroffenen Einrichtungen und potenziellen Nachfolgern ergab sich dabei noch kein klares Bild. Aber: "Der Kuchen wird definitiv aufgeteilt", sagte Michael Donhauser von der Fahrrad-Küche aus Raigering, der sich 2010 mit seiner Idee der Verpflegung selbstständig gemacht hat.

Neben zwei laufenden Anfragen stünde bereits fest, dass er ab September für das Mittagessen der Kinder in der Max-Josef-Schule zuständig sei. Jurawerkstätten-Küchenchef Andreas Wiesner hingegen konnte sich nicht vorstellen, die derzeitigen Lieferkapazitäten zu erweitern. "Schließlich wollen wir den aktuell belieferten Schulen weiterhin voll gerecht werden", merkte der Gastronomie-Leiter an. Die Situation könne erst ab der Fertigstellung der neuen Werkshalle sinnvoll bewertet werden.

Auch der Küchenmeister des Klinikums St. Marien, Peter Fischer, räumte ein: "Von der Zusammensetzung des Essens sind wir per se nicht auf Drei- bis Sechsjährige ausgerichtet." Neben der Versorgung der beiden Kinderkrippen des Roten Kreuzes, Mäuseland und Marienkäfer, käme eine Übernahme weiterer Kitas nicht infrage. Auch aus finanzieller Sicht kann der Verpflegungs-Betriebswirt den Rückzug des Marienheims nachvollziehen. Bei Preisen um die zwei Euro pro Mahlzeit und der zeitintensiven Belieferung werde ersichtlich, "dass das auf Dauer ein Verlustgeschäft ist". Mit der Verpflegung der Kindergartenkinder durch das Marienheim hatte Rita Strobl, Leiterin des Kindergartens Christkönig, nie Probleme. Jetzt muss auch sie sich einen neuen Caterer für ihre Schützlinge organisieren. Dafür ließ sie sich Probe-Mahlzeiten von verschiedenen Anbietern schicken.

In der Kindertagesstätte St. Konrad in Ammersricht ist die Entscheidung dagegen schon gefallen: Wie Leiterin Elisabeth Gromes auf Nachfrage bestätigte, übernimmt künftig der Service Bettina König aus Raigering die Verkostung für die Kita. Beiden liegt ein abwechslungsreicher Speiseplan am Herzen. "Zweimal Fleisch, zweimal Milchspeisen und einmal Fisch", erklärt Gromes das Konzept für eine Woche.

Entscheidung als Chance


Grundsätzlich können die Fachkräfte in den Kindergärten und Schulen selbst entscheiden, was sie vom Angebot ihres Zulieferers bestellen. Den aktualisierten Leitfaden der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) gibt es dafür erst seit 2013. So gesehen ist die Suche nach den zukünftigen Köchen für Ambergs Nachwuchs auch eine Gelegenheit, um neue und entsprechend gesunde Ernährungsweisen auszuprobieren.

Der Begriff Hauswirtschaft ist vielleicht altmodisch, das Thema Ernährung hat jedoch einen steigenden Stellenwert.Wolfhard-Rüdiger Wicht, Leiter des Landwirtschaftsamtes
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