Gesundheitsamtsleiter Dr. Roland Brey zum Start der Grippesaison
Schweinegrippe kommt heuer wieder

An der aktuellen Situation zeigt sich übrigens, wie sinnvoll eine jährliche Impfung ist: Die Influenza B ist heuer im Impfstoff wohl nicht so gut abgedeckt, war das aber im letzten Jahr. Der Schutz daraus dürfte jetzt noch bestehen.

Das Robert-Koch-Institut hat den offiziellen Start der Grippe-Saison in Deutschland verkündet. Auch in der Region hört man jetzt von Schulklassen, bei denen die Hälfte der Kinder wegen Grippe fehlt. Die AZ sprach darüber mit Dr. Roland Brey, dem Leiter des Gesundheitsamtes.

Herr Dr. Brey, schlägt sich bei uns das Anrollen der Grippewelle schon in Zahlen nieder?

Brey: Wir hatten Ende 2015 schon vereinzelt Nachweise. Wobei wir ja immer das Problem der starken Untererfassung haben: Uns muss es nur gemeldet werden, wenn der Arzt testet und es ans Labor gibt. Aber auf dieser Basis verzeichnen wir tatsächlich von Woche zu Woche steigende Nachweise.

Kann man schon absehen, ob der Krankheitsverlauf wieder so heftig wird wie im vergangenen Jahr?

Brey: Da war es tatsächlich eine sehr starke Grippe-Saison. Der Erreger vom Typ Influenza A war da vor allem für ältere Menschen gefährlich. Es gab viele Krankenhaus-Einweisungen und sogar Todesfälle. Heuer geht der Typ um, der 2009 als "Schweinegrippe" auftrat. Der wird jetzt vom Impfstoff gut abgedeckt. Und die Krankheitsverläufe sind hier ohnehin meist weniger problematisch. Meiner Einschätzung nach müsste die Grippe-Saison heuer leichter verlaufen.

Sind wieder ältere Menschen besonders gefährdet?

Brey: Die "Schweinegrippe" betrifft eher Jüngere und "mittelalte" Erwachsene. Bundesweit wurden bei Jugendlichen schon erste Komplikationen gemeldet.

Wie schaut es bei Kindern aus?

Brey: Da macht man ja häufig keine Diagnostik, weil die Grippe in der Regel leichter verläuft. Aber typisch sind auch hier Husten und Fieber als Symptome. Das kann aber oft auch ein anderer Infekt sein, weil die bei Kindern alle ziemlich gleichförmig verlaufen. Man darf hoffen, dass die Ausbreitung gehemmt wird, wenn nächste Woche Faschingsferien sind.

Hilft jetzt eine Impfung noch?

Brey: Für die Hauptrisikogruppen würde ich sie auf jeden Fall empfehlen, also für Leute mit chronischen Erkrankungen, Herzkranke, Zuckerkranke oder anderweitig Vorgeschädigte. Aber es kann sein, dass es Engpässe beim Grippe-Impfstoff gibt. Das hört man jedenfalls von den Herstellern. An der aktuellen Situation zeigt sich übrigens, wie sinnvoll eine jährliche Impfung ist: Die Influenza B ist heuer im Impfstoff wohl nicht so gut abgedeckt, war das aber im letzten Jahr. Der Schutz daraus dürfte jetzt noch bestehen.

Sind denn Flüchtlinge, die in Gemeinschaftsunterkünften leben, besonders gefährdet?

Brey: Die Ansteckungsgefahr ist schon höher, wie sich bei der Ausbreitung der Windpocken gezeigt hat. Auf der anderen Seite sind die Flüchtlinge in Amberg vor allem junge Männer, das ist bei uns nicht die klassische Zielgruppe für eine Impfung. Ein Risiko ist schon da, aber das ist nicht so wie etwa in einem Seniorenheim. Wir versuchen in den Gemeinschaftsunterkünften schon, Impfungen als Angebot zu etablieren, aber Priorität hat zunächst einmal die Erstuntersuchung.

Ist das Zika-Virus bei uns ein Grund zur Beunruhigung?

Brey: Allenfalls für Fernreisende. Schwangeren müsste man jetzt etwa von bestimmten Reisen abraten. Aber bei uns haben diese Mückenarten nicht die Voraussetzungen, dass sie hier leben und das übertragen können. Die Experten sagen deshalb, dass das Virus zwar zu uns eingeschleppt werden kann, sich hier aber nicht ausbreiten kann.

An der aktuellen Situation zeigt sich übrigens, wie sinnvoll eine jährliche Impfung ist: Die Influenza B ist heuer im Impfstoff wohl nicht so gut abgedeckt, war das aber im letzten Jahr. Der Schutz daraus dürfte jetzt noch bestehen.Dr. Roland Brey
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.