Gewalt gegen Frauen
Mit blauem Auge auf die Wache

Gewalt im häuslichen Umfeld passiert weitaus häufiger, als auf der Straße. Robert Hausmann, Leiter der Polizeiinspektion Amberg, und Kriminalhauptkommissarin Marianne Kargl berichteten aus ihrem Alltag. Bild: Hartl

Mit Verletzungen im Gesicht und dem Kind auf dem Arm kam eine Frau (23) auf die Wache. Sie sei vom Partner verprügelt worden, erzählte sie der Polizeibeamtin. Die Maschinerie setzte sich in Gang: Das Opfer wurde vernommen, aber auch beraten.

Wo beginnt Anzüglichkeit? Ist Gewalt gegen Frauen seit der Silvesternacht in Köln ein neues Phänomen? Die Fragen, mit denen MdB Barbara Lanzinger ihre Ortsvorsitzendenkonferenz der Frauen-Union überschrieben hatte, bewegten die Zuhörerinnen. "Natürlich ist Gewalt gegen Frauen kein neues Phänomen", gab Lanzinger am Donnerstagabend im Kongresszentrum die Antwort gleich selbst. Sie hatte sich Experten zum Thema an das Podium geholt. Die Zahlen, die die Referenten vorlegten, schockierten. Robert Hausmann, Leiter der Polizeiinspektion Amberg, hatte Beispiele im Gepäck. So erklärte er den Einsatz bei der Hexennacht: "Wir wollten, dass zu jedem Zeitpunkt Beamte präsent sind." Er betonte aber auch, dass Gewalt im häuslichen Umfeld weitaus öfter vorkomme: 118 Fälle seien 2015 zur Anzeige gebracht worden. Die Polizei gebe Opfern auch Rat, wohin sie sich nach ihrer Vernehmung wenden könnten. Hier nannte Hausmann den Weißen Ring oder den Sozialdienst katholischer Frauen. Marianne Kargl ist Kriminalhauptkommissarin in Regensburg und Beauftragte der Polizei für Frauen und Kinder. "Sexuelle Gewalttaten durch Fremde sind seltener als Beziehungstaten", sagte sie. 2015 seien in der Oberpfalz 59 Vergewaltigungen gemeldet worden, in Amberg drei. Alkohol spiele eine wesentliche Rolle.

VerhaltenstippsGehen Sie aufrecht und zeigen sie Selbstbewusstsein.

Senken Sie nicht den Blick.

Reden Sie laut und deutlich und sprechen Sie Fremde konsequent mit "Sie" an, damit andere wissen, dass es sich nicht um einen internen Streit handelt.

Wer das Gefühl hat, verfolgt zu werden, kann die 110 wählen.

Nehmen Sie rechtzeitig die Wohnungsschlüssel in die Hand. Diese können auch als Waffe dienen.

Nehmen Sie an Selbstverteidigungskursen teil oder lernen Sie eine Kampfsporttechnik.

Gefährden Sie nicht ihr Leben.

Üben Sie zu Hause laut "Nein" oder "Stopp" zu sagen.

(Diese Verhaltenstipps gab Kriminalhauptkommissarin Marianne Kargl ihren Zuhörerinnen).


Zitate"Ich hab' das auch schon erlebt. Nach dem Motto: Hey, du schaust nicht schlecht aus. Also, früher mal."

MdB Barbara Lanzinger erklärt den Begriff "Anzüglichkeit".

"Es gibt Männer, die glauben, sie können Rechte daraus ableiten, wenn sich eine Frau von ihnen nach Hause bringen lässt."

"Studien besagen, dass bei konsequenter Gegenwehr zwei Drittel aller Vergewaltigungen abgebrochen werden. Im Einzelfall kann es aber zu einem noch brutaleren Vorgehen kommen."

"2015 wurden in der Oberpfalz 1309 Fälle von häuslicher Gewalt angezeigt. In einem Drittel dieser Fälle waren Kinder anwesend. 775 Kinder mussten 2015 in irgendeiner Form Gewalt zwischen Vater und Mutter erleben."

"In der Oberpfalz kam es bisher nicht zu gruppenartigen Ausfällen."

"Auch eine spätere Strafverfolgung ist möglich. Beweisstücke sollten ungewaschen aufbewahrt werden."

Kriminalhauptkommissarin Marianne Kargl, Beauftragte der Polizei für Frauen und Kinder

"Jeden dritten Tag wendet sich statistisch gesehen eine Frau an uns, die im Rahmen der häuslichen Gewalt Schaden erlitten hat."

Polizeioberrat Robert Hausmann, Leiter der Polizeiinspektion Amberg
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