Glosse
Nachts auf der Jagd

Der Spätsommer ist herrlich - eigentlich. Denn leider bringt diese Jahreszeit für mich ein großes, fast nur mit fremder Hilfe zu lösendes Problem mit sich: Spinnen im Haus.

Ich besuche meine Eltern und will in meinem alten Kinderzimmer schlafen. Genau über der Lücke zwischen Fenstersims und Bücherregal hockt eine fette Spinne. Keine kleine Zitterspinne, die nur ein Netz baut und meist darin sitzen bleibt. Sondern ein großes schwarzes Exemplar mit einem dicken Körper und langen Beinen. Eigentlich bin ich sehr tierlieb, aber mit dem Achtbeiner im gleichen Raum halte ich es nicht aus.

Was nun? Sie mit einem Glas fangen und in den Garten tragen? Ich käme dem Tier zu nahe. Hole ich den Staubsauger - meine Eltern und meine Schwester würden mich für verrückt erklären. Ich fliehe die Treppe hinunter ins Wohnzimmer: Beim Anblick der schmalen Couch versuche ich, mich zu überzeugen, mir meinen Schlaf in einem bequemen Bett nicht von einer harmlosen Spinne nehmen zu lassen. Also wieder die Treppe rauf. Doch das Viech hockt noch immer im Zimmer. Ich könnte es mit Papas Pantoffel - wegen der Größe und damit verbundenen höheren Treffsicherheit gerne als Waffe benutzt - ins Jenseits befördern. Scheitert der erste Versuch, und der Spinne gelingt die Flucht, muss ich sie mühsam hinter den Schränken suchen.

Hektisches Treppauf-Treppab hat meine Mama aufgeweckt. Heldenhaft und unerschrocken hat sie die Spinne aus meinem Zimmer beseitigt. Als erwachsene Tochter und trotz Auszugs vor einigen Jahren bin ich in meinem Elternhaus immer noch Kind. Gut zu wissen, dass Mama und Papa im Gegenzug immer Eltern bleiben.
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