Günter Jehl ist der neue Direktor der Dr.-Johanna-Decker-Schulen
Denken ist erlaubt

Hereinspaziert! Günter Jehl ist der neue Direktor der Dr.-Johanna-Decker-Schule. Mit dem 49-jährigen Schwandorfer tritt zum ersten Mal ein Mann an die Spitze der 177 Jahre alten katholischen Schule, die mehrere Besonderheiten aufweist: Sie vereint Gymnasium und Realschule unter einem Dach, sie nimmt nur Mädchen auf, und ihre Trägerin ist die Schulstiftung der Diözese Regensburg. Zur Amtseinführung von Jehl am Freitag, 28. Oktober, ist um 10 Uhr ein Gottesdienst in St. Martin, um 11.30 Uhr beginnt der Fes

Seit die Armen Schulschwestern von unserer lieben Frau 1839 das Institut als erste höhere Schule für Mädchen in der Oberpfalz gegründet haben, stand immer eine Frau an der Spitze. Jetzt haben die Decker-Schulen erstmals einen Mann als Direktor.

Die AZ sprach mit Günter Jehl über seine Ideen und Pläne.

Herr Jehl, wie war Ihr erster Eindruck von der Schule?

Günter Jehl: Sehr gut. Meine Frau und ich sind schon vor meinem offiziellen Dienstantritt hier von den Oberstufenschülerinnen mit einem Brief zum Schulfest eingeladen worden. Sie haben uns mit einer Engelsgeduld anderthalb Stunden lang durch das ganze Areal geführt. Das war ein hoch beeindruckendes Erlebnis. Und auch insgesamt war es atemberaubend positiv, wie die Menschen hier auf mich zugegangen sind.

Wenn man an eine Mädchenschule wechselt, macht man sich doch sicher auch Gedanken, was die Vorteile des Unterrichts in reinen Mädchenklassen sind, oder?

Ja. Und für mich als Physiker ist es schon ein zentrales Thema, wenn Studien ergeben, dass im MINT-Bereich - also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik - die Koedukation eher die Buben bevorzugt. Und dann sind nach meiner Erfahrung gerade in der Mittelstufe die Mädchen den gleichaltrigen Buben voraus. Das heißt, man hat hier an der DJDS homogenere Klassen von der Entwicklungsstufe her. Außerdem sind Lautstärke und Bewegungsdrang bei Buben anders ausgeprägt. Wenn die zwei Stunden still sitzen sollen, müssen sie einfach raus zum Austoben.

Ist es für Sie ein Thema, an den Decker-Schulen irgendwann auch Jungen zuzulassen?

Es ist ein Denkmodell, aber momentan ist es für mich und die beiden Schulen kein Thema. Je mehr ich hier kennenlerne, umso mehr sehe ich, was hier für eine gute Arbeit gemacht wird. Ich möchte das bisherige Profil erhalten, selbst wenn man damit von den Anmeldezahlen her gesehen - heuer haben wir im Gymnasium 31 Schülerinnen aufgenommen - mal ein Tal durchschreiten sollte. Man muss sich auch dessen bewusst sein, dass die Aufnahme von Jungen beide Schulen komplett verändern würde.

Was sind die aktuellen Herausforderungen der DJD-Schulen?

Von der Gebäudesituation her unter anderem der Leerstand der Räume, die früher von den Schwestern bewohnt wurden. Da braucht man ein Konzept, wie man diese Räumlichkeiten zukünftig nutzen möchte.

Und bei den Lehrern oder den Schülerinnen?

Beim Kollegium liegt der Altersschnitt höher als an meinem alten Gymnasium in Oberviechtach - da war er 41. Also ist hier die Frage drängender, wie wir wieder gute Lehrer finden, wenn Pensionierungen in größerer Zahl anstehen. Für die Schülerinnen ist mein Ziel, dass wir Anmeldezahlen bekommen, mit denen sowohl die Realschule als auch das Gymnasium gut in die Zukunft planen können - also etwa eine gesunde Zweizügigkeit. Ohne dass aber eine existenzgefährdende Konkurrenz zu den anderen Schulen am Ort entsteht.

Wie könnte da Werbung aussehen?

Man muss all das, was bei uns geleistet wird, in die Öffentlichkeit transportieren, damit diese das reiche Schulleben hier angemessen wahrnimmt.

Was schätzen die Eltern an den DJD-Schulen? Die spezielle Werteorientierung?

Da gibt es wohl verschiedene Aspekte. Die Monoedukation spielt sicher eine große Rolle, auch eine besondere Form von Behütetsein. Natürlich auch die christliche Orientierung, also dass bei uns gewisse Rahmenelemente einfach zum schulischen Alltag gehören: das Morgengebet, die Schulgottesdienste oder die Lehrer, die auch im Privatleben entsprechend engagiert sind, was dann wiederum ins Schulleben mit einfließt.

Unterrichten Sie als Direktor noch selbst?

Von den Anrechnungsstunden her muss ich angesichts der Größe der Schulen keinen Unterricht halten, ich möchte aber nach Möglichkeit bald einen zusätzlichen Mathekurs für Schülerinnen kurz vor dem Abitur und eine Wahlfachgruppe Schach anbieten. (Zur Person)

Zur PersonGünter Jehl (49) ist in Schwandorf geboren und hat dort 1986 sein Abitur gemacht. Anschließend absolvierte er in Regensburg ein Studium der Physik (Diplom) sowie des Lehramts für Gymnasien in den Fächern Mathe und Physik. Nach dem Referendariat in Regensburg war seine erste Planstelle das Ortenburg-Gymnasium in Oberviechtach (1994 bis 1997), ehe er für fünf Jahre an das Kultus- bzw. Wissenschaftsministerium abgeordnet wurde. Dort arbeitete er unter anderem in einem Projekt mit, das im Zuge der Hightech-Offensive die EDV-Ausstattung in der Schule förderte. Als er ans Ortenburg-Gymnasium zurückkam, wurde er dort mit 35 Jahren stellvertretender Schulleiter, 2008 schließlich Direktor.

Von 2011 bis 2015 war Jehl Bezirksvorsitzender der Oberpfälzer Direktorenvereinigung. Zur Frage "G8 oder G9?" sagt er: " Ich bin ein Verfechter des neunjährigen Gymnasiums mit der Option, für die sehr Guten eine gute, fundierte achtjährige Gymnasialausbildung zu ermöglichen. Das scheint ja in Zukunft möglich."

Für die ausgeschriebene Stelle des Leiters der DJD-Schulen habe er sich beworben, weil er sich nach der langen Zeit in Oberviechtach und dem Gefühl, dort alles erreicht zu haben, für eine neue Herausforderung reif gefühlt habe, sagt Jehl. "Dort war alles gut aufgestellt. Ich bin sozusagen gegangen, als es am schönsten war." Als faszinierend empfindet er am neuen Wirkungsort, dass eine Schule in privater Trägerschaft zum Teil vollkommen andere Abläufe hat. So seien etwa die meisten Lehrkräfte Angestellte, die der private Träger selbst einstelle. "Als Direktor hat man hier ganz andere Freiheitsgrade als im staatlichen Schulwesen."

Ein Hobby von Günter Jehl ist Schach: "Ich bin seit 24 Jahren Vorsitzender des Schachklubs Schwandorf, aber das aktive Spielen läuft momentan auf Sparflamme." Außerdem bezeichnet er sich als "leidenschaftlichen Amateurmusiker", "sowohl im Kirchenchor, als auch instrumental" mit Klavier, Orgel, E-Bass oder Harmonika. Lesen ist seine dritte große Freizeitbeschäftigung. Dabei befasst sich Jehl, der Vorsitzender der Katholischen Erwachsenenbildung im Landkreis Schwandorf ist, gerne mit besonderen Persönlichkeiten, über die er dann auch Vorträge hält. So hat ihn zum Beispiel Fritz Gerlich stark beeindruckt, ein früher Widerstandskämpfer gegen Hitler: "Das ist für mich ein Vorbild." (ll)
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