Gullydeckel auf Straße gelegt
Gericht will Schuldfähigkeit prüfen

Symbolbild: dpa

Mitten in der Nacht legte er einen Gullydeckel auf die Straße. Ein Pkw-Fahrer überfuhr diesen kurz darauf. An dessen Auto wurde der Unterboden beschädigt, es entstand ein Schaden von mehr als 5000 Euro.

Für diese Tat muss sich seit Mittwoch ein 22-Jähriger vor dem Amtsgericht Amberg verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vorsätzlichen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr vor. Sie beschuldigt den Sulzbach-Rosenberger, das Aufbringen des Gullydeckels auf die Straße habe vorhersehbare und vermeidbare Folgen gehabt, nämlich den Schaden an dem vorbeikommenden Fahrzeug.

Folgen nicht erkannt


Die Verteidigung bezweifelte hingegen, dass der Angeklagte die Folgen seiner Tat ernsthaft habe vorhersehen können. Rechtsanwalt Thomas Wegrich übergab Richterin Julia Taubmann und der Staatsanwaltschaft mehrere Dokumente. Diese sollten die Schuldunfähigkeit des Angeklagten belegen. So präsentierte der Verteidiger eine psychologische Stellungnahme und eine Einschätzung des Jugendamts. Die Schriftstücke sprachen dafür, dass der Angeklagte Betreuung und Hilfe benötige. Der Rechtsanwalt legte dann noch einen Intelligenztest des Angeklagten vor. "Ohne taktieren zu wollen", wie er betonte, "aber ich denke, das ist für die weitere Verhandlung wichtig." Der Test hatte eine deutlich geminderte Intelligenz des 22-Jährigen erbracht. Zum Prozessauftakt war auch der Pflegevater des Angeklagten gekommen. Bis 21 habe sich noch ein Jugendbetreuer um seinen Sohn gekümmert, berichtete er. Jetzt habe er keinen mehr. Er und seine Frau betreuten ihn nun, so gut sie könnten.

Hilfe gewünscht


"Ich brauche einen Betreuer, sonst komme ich nicht mehr zurecht", sagte der Angeklagte selbst. Staatsanwaltschaft, Richterin und Verteidigung waren sich schnell einig: Ein Gutachten soll in Auftrag gegeben werden, um die Schuldfähigkeit des Angeklagten zu klären. Richterin Taubmann beschloss, bis dahin das Verfahren auszusetzen.
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