Gutachter nehmen Faschingswagen unter die Lupe
Sicherer Hafen für Narrenschiffe

Ralf Dittrich ist beim TÜV in Amberg für die Begutachtung der Faschingswagen zuständig. Bild: upl
 
Gute Idee: Das Aufstellen von Absperrgittern, damit die Zuschauer nicht auf die Straße laufen.
 
Ordner säumen den Weg der Gaudiwürmer.

Auch ein Pirat muss zum TÜV. Zumindest dann, wenn er sich mit einem stattlichen Dreimaster ins Meer der Maschkerer begibt. Für Faschingswagen gelten strenge Vorschriften - amtlich und alles andere als Seemannsgarn.

Auch die größte Gaudi muss gut organisiert sein - besonders, wenn Hunderte oder gar Tausende daran teilhaben wollen. In diesen Tagen flattern den Veranstaltern der Faschingszüge in Freudenberg, Hahnbach, Rieden, Schnaittenbach, Schmidmühlen und Vilseck die Genehmigungsbescheide der zuständigen Behörden auf den Tisch. Sie beinhalten eine ganze Reihe von Auflagen.

Gutachter gefragt


Die Untere Straßenverkehrsbehörde des Landratsamtes stellt generell klar: "Bei den Umzügen dürfen grundsätzlich nur ordnungsgemäß zugelassene und versicherte Fahrzeuge teilnehmen, die der Straßenverkehrszulassungsordnung und Fahrzeugzulassungsverordnung entsprechen." Das bedeutet, dass jedes Vehikel im Gaudiwurm über eine Betriebserlaubnis sowie eine Zulassung verfügen und außerdem verkehrssicher sein muss. "Fahrzeuge, die wesentlich verändert wurden und auf denen Personen befördert werden, müssen von einem amtlich anerkannten Sachverständigen begutachtet werden", heißt es weiter.

In der TÜV-Niederlassung an der Dieselstraße haben sich die ersten Faschingsschrauber schon gemeldet. "Bei uns gehen Nachfragen aus dem ganzen Landkreis ein", erklärt Standortleiter Ralf Dittrich. Er empfiehlt jeder Gruppe, die gerade ihren Wagen zusammenbaut, sich strikt an dem Merkblatt zu orientieren, das die Veranstalter bei der Anmeldung an die Teilnehmer verteilen. "Da ist schon mal das Wichtigste geregelt." Danach sei ein Anruf bei einer Prüfstelle dringend zu empfehlen. "Oft stellt sich dann heraus, dass gar kein Gutachten nötig ist."

Wenn Zugmaschine und Anhänger ohnehin eine gültige Prüfplakette haben, verkehrssicher sind, Abmessungen und Gewichte nicht überschreiten und die sonstigen Vorgaben für den Umzug einhalten, kann auf ein Gutachten unter Umständen verzichtet werden. "Das ist von Fall zu Fall verschieden. Pauschal kann man das nicht sagen." Oft klärten sich die wichtigsten Fragen bereits bei einem Telefongespräch oder nachdem ein Bild des Wagens zugesandt wurde. Für das Gutachten gibt es ein Musterformular. Je nach Aufwand werden für die Bescheinigung 50 bis 100 Euro fällig.

Verständnis für Auflagen


Die Auflagen beschäftigen natürlich auch die Faschingsvereine, von denen die meisten dem Landesverband ostbayerischer Faschingsgesellschaften (LVO) angehören. In der LVO-Geschäftsstelle in Nabburg ist gerade Hochsaison. "Die Auflagen für die Umzüge sind in jedem Landkreis anders", berichtet Schriftführerin Irmgard Frischholz. Sie rät den Veranstaltern, sich bei Unklarheiten im Genehmigungsbescheid direkt an die zuständige Behörde zu wenden.

Es geht nicht nur um die Sicherheit der anderen. Letztendlich geht es um den eigenen Schutz.Ralf Dittrich

Dittrich hat Verständnis für die Auflagen. Auch wenn ihre detailgenaue Umsetzung für die Veranstalter und auch die Wagenbauer zusätzliche Arbeit bedeutet: "Es geht nicht nur um die Sicherheit der anderen. Letztendlich geht es um den eigenen Schutz", sagt der Mann vom TÜV.

AuflagenNicht jeder Faschingswagen muss vor seinem Einsatz im Gaudiwurm extra von einem amtlich anerkannten Sachverständigen begutachtet werden. Ein Gutachten ist laut TÜV-Süd aber immer erforderlich:

  • wenn Fahrzeug oder Aufbau die zulässigen Abmessungen überschreiten (Breite: 2,55 Meter, Höhe: 4 Meter).
  • bei Überschreitung der zulässigen Achslasten und Gesamtgewichte.
  • bei einer Änderung von Fahrzeugteilen wie Bremsen, Zugeinrichtungen oder Lenkung.
  • bei der Beförderung von Personen, wenn ein zusätzlicher Aufbau angebracht wird.


Neben den fahrzeugtechnischen Vorschriften haben die Organisatoren von Faschingszügen, die vom Landratsamt Amberg-Sulzbach genehmigt werden, unter anderem folgende Punkte zu beachten:

  • Die Teilnahme von Fahrzeugen mit rotem Kennzeichen ist unzulässig.
  • Der Veranstalter muss für den Umzug eine Haftpflichtversicherung abschließen. Zusätzlich ist erforderlich, dass für jedes eingesetzte Fahrzeug auch noch separat die erforderliche Haftpflichtversicherung besteht.
  • Für jedes einzelne Fahrzeug ist neben dem Fahrer (Mindestalter 18 Jahre) ein Verantwortlicher zu bestimmen. Für diese Personen herrscht absolutes Alkoholverbot.
  • In Frontladerschaufeln dürfen Menschen nur befördert werden, wenn ein amtlich anerkanntes Gutachten vorliegt, das bescheinigt, dass diese Schaufeln für die Zeit des Umzugs gesichert werden können.
  • Während der Veranstaltung darf nur mit Schrittgeschwindigkeit (4 bis 7 km/h) gefahren werden.
  • Aus Sicherheitsgründen ist darauf zu achten, dass alle Festwagen von Aufsichtspersonen begleitet werden. Dabei ist pro drehendes Rad ein Begleiter erforderlich.

Detaillierte Informationen im Internet:
www.brauchtumsveranstaltungen.de

Die wichtigsten technischen Vorschriften


Für die Teilnahme von Fahrzeugen an Fest- und Faschingszügen gibt es eine bundesweit gültige Verordnung, in der die wichtigsten Eckpunkte geregelt sind. Das "Merkblatt über die Ausrüstung und den Betrieb von Fahrzeugen und Fahrzeugkombinationen für den Einsatz bei Brauchtumsveranstaltungen" verteilen die Veranstalter in der Regel an alle Gruppen, die sich angemeldet haben. Auszüge:

Maße und Gewichte

Bei der Verwendung der Fahrzeuge auf örtlichen Brauchtumsveranstaltungen dürfen die gemäß zulässigen Abmessungen, Achslasten und Gesamtgewichte der Fahrzeuge überschritten werden, wenn keine Bedenken gegen die Verkehrssicherheit auf diesen Veranstaltungen bestehen. Die Unbedenklichkeit ist vom amtlich anerkannten Sachverständigen im Gutachten zu bescheinigen.

Personenbeförderung

Fahrzeuge, auf denen Personen befördert werden, müssen mit rutschfesten und sicheren Stehflächen, Haltevorrichtungen, Geländern beziehungsweise Brüstungen und Ein- oder Ausstiegen im Sinne der Unfallverhütungsvorschriften ausgerüstet sein. Beim Mitführen stehender Personen ist eine Mindesthöhe der Brüstung von einem Meter einzuhalten. Beim Mitführen von sitzenden Personen oder Kindern ist eine Mindesthöhe von 80 Zentimetern ausreichend. Sitzbänke, Tische und sonstige Auf- u Einbauten müssen mit dem Fahrzeug fest verbunden sein. Die Verbindungen müssen so ausgelegt sein, dass sie den üblicherweise im Betrieb auftretenden Belastungen standhalten. Ein- und Ausstiege sollten möglichst hinten, bezogen auf die Fahrtrichtung, angeordnet sein. Auf keinen Fall dürfen sich Ein- und Ausstiege zwischen zwei miteinander verbundenen Fahrzeugen befinden. Beim Mitführen von Kindern auf Ladeflächen muss mindestens eine geeignete erwachsene Person als Aufsicht vorhanden sein.

Bremsausrüstung

Die Fahrzeuge müssen grundsätzlich mit einer Betriebsbremse und einer Feststellbremse ausgerüstet sein. Abweichungen sind beschränkt auf örtliche Einsätze möglich, sofern ein amtlich anerkannter Sachverständiger die Ausnahme befürwortet und die zuständige Stelle eine Genehmigung erteilt.

Fahrzeugverbindungen

Es dürfen nur Verbindungseinrichtungen in amtlich genehmigter Bauart verwendet werden. Unsachgemäße Änderungen oder Reparaturen sowie Beschädigungen sind nicht zulässig.

Versicherungen

Für jedes der eingesetzten Fahrzeuge muss eine Kraftfahrzeughaftpflichtversicherung bestehen, die die Haftung für Schäden abdeckt, die auf den Einsatz der Fahrzeuge beim Umzug zurückzuführen sind.
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