Hamburger Tropeninstitut bestätigt Virus-Verdacht
Zika bei Brasilien-Rückkehrer

Für ihn ist das folgenlos. Für sein Umfeld ist es, nach dem, was wir wissen, auch folgenlos.

Leicht erhöhte Körpertemperatur, dazu Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen. Das klingt nach Grippe. Selbst, wenn sich ein Hautausschlag und Juckreiz oder eine Bindehautentzündung hinzugesellen, denken hierzulande die wenigsten Erkrankten an das Zika-Virus, das für Schwangere gefährlich werden kann. Walther Grau, Internist und Ambergs einziger fachzertifizierter Reisemediziner, hatte bei einem Brasilien-Rückkehrer einen Verdacht, der sich mittlerweile bestätigt hat.

In über 20 Staaten Süd- und Mittelamerikas grassiert seit etwas mehr als einem Jahr das Zika-Virus, das bei Neugeborenen schwere Fehlbildungen hervorrufen kann und in Europa erst vor wenigen Wochen in die Schlagzeilen geraten ist. Die Weltgesundheitsorganisation hat aufgrund der Gefahr für Ungeborene den internationalen Gesundheitsnotfall ausgerufen. Spätestens seitdem ist Internist Dr. Walther Grau, der mit drei Kollegen im Stadtgebiet eine Hausarztpraxis betreibt, sensibilisiert.

Als Ende Januar ein junger Mann aus der Region nach einem mehrmonatigen Brasilien-Aufenthalt zur Untersuchung kam, lag schnell die Vermutung nahe, dass es sich um den ersten Zika-Fall mit Amberger Beteiligung handeln könnte.

Für ihn ist das folgenlos. Für sein Umfeld ist es, nach dem, was wir wissen, auch folgenlos.Walther Grau über seinen mit dem Zika-Virus infizierten Patienten

Der Mittzwanziger hatte Walther Grau berichtet, dass er in Brasilien krank geworden war, aber das Gefühl hatte, nicht richtig behandelt worden zu sein. "Er hat zunächst an Dengue-Fieber gedacht. Aber nach dem, was er gesagt hat, musste man den Verdacht äußern, dass es sich um Zika handeln könnte." Eine Blutprobe, ausgewertet vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin, gab dem Amberger Arzt recht. Eine Sprecherin bewertete am Dienstag auf Nachfrage Graus Leistung: "Er ist einer der ersten Ärzte, die daran gedacht haben, dass der Verdacht bestehen könnte." Vergleichbare Fälle habe es bundesweit (inklusive Amberg) erst 21 Mal gegeben.

Der 52-Jährige fühlt sich geehrt und wundert sich, warum das Virus in Brasilien nicht erkannt wurde. Schließlich sei das Land die aktuelle Zika-Hochburg. Dem Patienten, der bei seinem Besuch in der Praxis die noch über Jahre im Blut nachweisbare Erkrankung längst ausgeheilt hatte, geht es gut: "Er hat das überstanden. Für ihn ist das folgenlos. Für sein Umfeld ist es, nach dem, was wir wissen, auch folgenlos."
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