Hausmeister geht auf Kollegen los
Mysteriöse Mistgabel-Misere

Symbolbild: dpa

Die Mistgabel ist ein Gartenwerkzeug. Eher nie wird sie dazu benutzt, gegen andere drohend vorzugehen. Dennoch soll das passiert sein. Im Dezember letzten Jahres, als der Hausmeister-Trupp eines Amberger Immobilienunternehmens zu Arbeiten auf einem Grundstück nahe des Hockermühlbades schritt.

Es ist ein Fall der Widersprüche. Schwierige Sache für Amtsrichterin Julia Taubmann, die sich intensiv bemüht, all das aufzuhellen, was sich im Außenbereich von Wohnungen oberhalb des städtischen Freibads zutrug. Fest steht nach dem ersten Verhandlungstag in Sachen Mistgabel: Da war etwas.

Die Frage lautet aber: Wie ging das alles vor sich, als angeblich - wie sie die Vorsitzende nennt - eine Forke zum zweckentfremdeten Einsatz kam? Auf der Anklagebank sitzt, der versuchten gefährlichen Körperverletzung beschuldigt, ein 60-Jähriger. Schenkt man seinen Angaben Glauben, dann beschränkte sich die Auseinandersetzung mit einem wie er als Hausmeister bei einem Immobilienunternehmen arbeitenden Mann auf eine verbal ausgetragene Kontroverse. Der Mann will sich geärgert haben, dass der Kollege Sträucher nachschnitt, die er Tage zuvor bereits gekürzt hatte. Das ging ihm wohl irgendwie an die Berufsehre.

Sträucher nachgeschnitten


Die Version des Angeklagten: "Ich bin vom Hänger meines Traktors gesprungen, habe die Mistgabel zu Boden geworfen und ihm gesagt, dass ich die Sträucher erst vor zwei Wochen geschnitten habe." Mehr nicht.

Dafür sei er quasi postwendend mit einer Kündigung bedacht worden. Seiner Meinung nach eine schreiende Ungerechtigkeit. "Die wollten mich loswerden", hörte die Richterin und entnahm staunend einem später dem 60-Jährigen ausgestellten Arbeitszeugnis, dass es sich bei ihm um einen "wertvollen Mitarbeiter" gehandelt habe. Kein Geständnis also. Im Gegenteil: Angeblich nur eine Unmutsäußerung, wie sie bisweilen vorkommt. Also holte Richterin Taubmann den seinerzeit vermeintlich Attackierten als Zeugen herein und bekam eine andere Version. Der Mann, quasi eine Art Vorarbeiter, ließ vernehmen, dass er Sträucher schnitt, die sein Untergebener bereits gekürzt hatte. Jedoch wohl nicht zur Zufriedenheit der Anwohner. Also habe er nachgebessert. Dann plötzlich sei der 60-Jährige auf ihn zugesprungen, habe die in diesem Verfahren eine Hauptrolle spielende Mistgabel in den Händen gehalten und ihn damit bedroht.

Es gab noch einen dritten Hausmeister. Er beobachtete den Forken-Fall aus der Distanz und lieferte eine Schilderung, die sich mit dem Ablauf deckte, den Staatsanwältin Dr. Isabel Rupprecht in ihre Anklageschrift geschrieben hatte. Siehe da: Plötzlich nahm die Dramaturgie der Gabel-Begebenheit einen ganz anderen Handlungsablauf. Der 60-Jährige soll nämlich das auf dem Traktoranhänger liegende und mit mehreren Zinken versehene Gartenwerkzeug genommen und "wie einen Speer" auf seinen Kollegen geschleudert haben. Die Forke verfing sich in einem Busch. Worauf der Mann, so vernahm die Vorsitzende, von der Ladefläche gesprungen, auf den Hausmeister-Vorarbeiter zugelaufen sei und gerufen habe: "Wenn du noch einen Strauch nachschneidest, stech' ich dich ab!" Ob der Angegriffene das hören konnte, ist bisher unklar. Er trug einen Lärmschutz für beide Ohren. Sogenannte "Micky Mäuse", wie sie die Richterin zu beschreiben beliebte.

Fortsetzung nächste Woche


Die mysteriöse Mistgabel-Misere setzt sich fort. Nächste Woche müssen neue Zeugen kommen. Darunter auch eine Frau, die den seltsamen Vorgang von ihrem Fenster aus beobachtet haben soll. Für den mutmaßlichen Täter, energisch verteidigt von Anwalt Michael Schüll, geht es dabei um die Existenz. "In meinem Alter gibt mir keiner mehr Arbeit", klagte er sein Leid. Allerdings, so weiß man bisher auch, hatte er zuvor schon mal eine Abmahnung erhalten.
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