Hausmeister geht auf Kollegen los
Wurfgeschoss Mistgabel

(Foto: dpa)

Immer gut, wenn die Justiz Zeugen hat, die völlig unvoreingenommen ihre Beobachtungen schildern. In diesem Fall eine Frau, die von ihrem Fenster aus sah, wie eine Mistgabel zum Wurfinstrument wurde. Hauptsächlich darauf bezog sich später der Schuldspruch gegen den Täter.

Amberg. (hwo) Es kann leicht sein, dass der Forken-Fall (wir berichteten) noch einmal vom Landgericht aufgegabelt werden muss. Denn Amtsrichterin Julia Taubmann widersprach sehr deutlich dem von Verteidiger Michael Schüll gestellten Freispruch-Antrag für seinen 60-jährigen Mandanten. Der Mann, Hausmeister von Beruf und zwischenzeitlich erwerbslos, hatte im Dezember vergangenen Jahres oberhalb des Hockermühlbades in einer Wohnanlage gearbeitet und soll sich geärgert haben, dass sein Vorarbeiter Sträucher nachschnitt, die von ihm vorher schon gekürzt worden waren.

Alles abgestritten


Was dann geschah, stand an zwei Prozesstagen zur Debatte. Dass er, zu diesem Zeitpunkt auf einem Traktoranhänger stehend, seinen Hausmeisterkollegen verbal mit dem Umbringen bedrohte und eine Mistgabel nach ihm schleuderte, bestritt der 60-Jährige vehement. Er habe ihn lediglich, so erfuhr die Richterin, darauf aufmerksam gemacht, dass sein Verhalten eher kontraproduktiv sei.

Etliche Zeugen marschierten auf in dieser Causa "versuchte gefährliche Körperverletzung". Das angebliche Opfer der Forken-Attacke trug Ohrenschützer, stand mit dem Rücken zu seinem Kontrahenten und wollte nur eine verbale Zurechtweisung mitbekommen haben. Ein weiterer am Ort des Geschehens tätiger Hausmeister, der wie seine Kollegen im Dienst eines lokalen Immobilienunternehmens steht, sah dagegen, wie der 60-Jährige eine Mistgabel ergriff und sie in Richtung des Sträucher-Nachschneiders schleuderte. Allerdings, so teilte er mit, habe sich die Forke mit ihren spitzen Metallzinken in einem Busch verfangen. Alles unterschiedliche Versionen. Also entschied sich die Richterin für die Vorladung einer Frau, die das Geschehen von ihrem Fenster aus beobachtet hatte. Die Rentnerin, damals beim Kochen in der Küche, berichtete, wie die Auseinandersetzung aus ihrer Sicht vonstatten ging: "Er hat die Mistgabel geworfen. Ich war erschrocken." Danach herrschte einigermaßen Klarheit.

"Bedrohliche Situation"


In erster Linie für Staatsanwältin Dr. Isabel Rupprecht. Sie hielt den Versuch der gefährlichen Körperverletzung für erwiesen und sprach von einer durchaus bedrohlichen Situation. Der Täter habe sie nicht unter Kontrolle gehabt: "Wenn jemand kein großer Speerwerfer ist, kann er unmöglich einordnen, wohin das Instrument fliegt." In diesem Fall eine Mistgabel. Die Anklagevertreterin beantragte 5400 Euro Geldstrafe.

"Keinesfalls", hielt Anwalt Michael Schüll dagegen. In der Grünanlage sei nicht anderes geschehen als eine verbale Attacke. Worte wären allerdings straffrei und müssten mit einem Freispruch einhergehen. Die Richterin sah's anders. Sie verhängte die von der Staatsanwaltschaft geforderten 5400 Euro und schilderte ihre gewonnenen Eindrücke so: "Die Mistgabel wurde zum Wurfgeschoss. Sie hätte treffen können."

Wenn jemand kein großer Speerwerfer ist, kann er unmöglich einordnen, wohin das Instrument fliegt.Staatsanwältin Dr. Isabel Rupprecht
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