Hindernisse durch einen Zufall entdeckt
Kanaldeckel auf Straße gestellt

Tatort war die Gasfabrikstraße in Amberg. Bild: Steinbacher

Sie kamen von der Pfingstdult und hatten getrunken. In der Gasfabrikstraße wurden dann mehrere Kanaldeckel ausgehoben und auch zwei Papiertonnen umgetreten. "Sehr gefährlich", hörten die Angeklagten jetzt von Jugendrichter Peter Jung.

Aus gutem Hause


Zwei saßen auf der Anklagebank. 20 und 19 Jahre alt. Aus gutem Elternhaus, vorher nie mit dem Gesetz kollidiert. Und dann das: Ohne erkennbaren Grund und wohl nur aus reinem Übermut wurden in einer Mainacht letzten Jahres auf der Gasfabrikstraße mehrere Kanaldeckel ausgehoben und auf die Straße gestellt. Die Gussteile wogen einiges, es musste Kraft aufgewendet werden.

Waren es drei Deckel oder fünf? Vor Jugendrichter Peter Jung konnte das nicht genau geklärt werden. "Ist auch egal", sagte Jung und führte vor Augen, dass durch ein solches Vorgehen äußerst gefährliche Situationen für Verkehrsteilnehmer entstehen können. "Ich hatte schon einen solchen Fall", ließ der Richter wissen und berichtete, dass dabei ein Mensch sein Leben eingebüßt habe.

Der 20-Jährige sagte, er habe eigentlich nur zugeschaut. Sein neben ihm sitzender Freund bestätigte dies und gab sich als Täter zu erkennen. "Warum haben Sie das gemacht?", forschte Staatsanwalt Holger Vogl nach. Doch eine schlüssige Antwort bekam er nicht. Alkoholgenuss halt, plötzlicher Übermut. Dazu zählte auch, dass nur ein paar Schritte weiter zwei neben der Straße stehende Papiertonnen umgeworfen wurden.

Das Ausheben der Kanaldeckel war durch einen Zufall entdeckt worden. Ein Disponent der Integrierten Leitstelle hatte während seines Nachtdienstes auf installierte Videokameras im Außenbereich geblickt, die Straftaten beobachtet und nach der Polizei gerufen. Funkstreifenbeamte rückten an und nahmen noch am Tatort erste Ermittlungen auf.

Freispruch und Arrest


Dem 20-Jährigen war eine unmittelbare Beteiligung nicht nachzuweisen. Für ihn beantragte der Staatsanwalt Freispruch. Den 19-Jährigen hielt er für überführt und forderte 600 Euro Geldstrafe. Den Freispruch gab es dann auch von Richter Jung. Allerdings schickte er den zweiten Angeklagten in einen Freizeitarrest. Ihm schrieb der Richter ins Stammbuch: "Das war ein versuchter gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr."
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.