Hirschauer, der Kloschüssel in der Tenne in die Luft sprengte, sprintete wie eine Rakete davon
Mit 5,24 Promille nicht voll

"Er war relativ gut beieinander. Er wirkte zwar betrunken, war aber ansprechbar und orientiert, lief noch problemlos." Zitat: Robert Hausmann, Leiter der Polizeiinspektion Amberg

5,24 Promille - dieser Wert machte am Montag deutschlandweit Schlagzeilen. Festgestellt hatte ihn die Amberger Polizei bei einem 26-jährigen Hirschauer, der am Samstagmorgen um 1 Uhr mit einem Böller eine Kloschüssel in der Diskothek Tenne in die Luft gesprengt hatte (wir berichteten). Was dabei die Polizei überraschte: Der Übeltäter wirkte nicht volltrunken, konnte sich verständlich artikulieren.

"Er war relativ gut beieinander", beschrieb Robert Hausmann, der Leiter der Polizeidirektion Amberg, den Zustand des 26-Jährigen. "Er wirkte zwar betrunken, war aber ansprechbar und orientiert, lief noch problemlos." Deshalb habe man ihn nicht ins Krankenhaus gebracht, sondern Angehörigen übergeben.

"Er ist noch vor unserer Security davongerannt", wunderte sich auch Christian Stammler, der für den Betrieb in der Tenne verantwortlich ist. "Zu dritt sind wir hinter ihm her. Erst nach 500 Metern haben wir ihn erwischt." Die 5,24 Promille hätten ihn überrascht, sagte Stammler, da der Hirschauer zuvor eine Stunde lang an der Theke gesessen sei und nur Wasser getrunken habe.

Entschuldigung und Schadensbegleichung


Nach der Tat habe er sich noch entschuldigt, am nächsten Tag dann angerufen und versichert, dass er den Schaden begleiche. Den Knall der Explosion hörte man laut Stammler in der Disco gar nicht. "Dann kam ein Gast rein und hat erzählt, dass es geknallt hat und dass Scherben auf der Toilette liegen." Die sei ganz voller Rauch gewesen - von dem China-Böller, den der Hirschauer in der Kloschüssel zur Explosion gebracht hatte. "Zuvor hat er einen Haufen Papier reingestopft, damit der Böller nicht untergeht."

Er war relativ gut beieinander. Er wirkte zwar betrunken, war aber ansprechbar und orientiert, lief noch problemlos.Robert Hausmann, Leiter der Polizeiinspektion Amberg

Sollte die Geschichte nicht zu einem Einbruch des Geschäfts in der Tenne führen, wird Stammler den 26-Jährigen wohl nicht anzeigen, da keine Personen verletzt wurden und er für den Schaden geradestehen will. Ob ein Verfahren gegen ihn eingeleitet wird, hängt aber nicht nur von einer Anzeige ab, wie Oberstaatsanwalt Dr. Thomas Strohmeier auf AZ-Nachfrage erläuterte.

Falls ein besonderes öffentliches Interesse vorliege, könne das bei Sachbeschädigung auch ohne Antrag des Geschädigten geschehen. Oder wenn man den Fall als "Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion" werte.

Promille-WerteDie 5,24 Promille des Hirschauers sind der Atemalkoholwert, nicht der Blutalkoholwert. Diese Unterscheidung betont der Amberger PI-Leiter Robert Hausmann. Hier wurde also mit dem Alkomat gemessen, in den man hineinpusten muss und der daraus den Promillewert errechnet. Das Ergebnis einer Blutalkoholmessung könne davon abweichen. Sie gilt als die beweiskräftigere Variante. Im unteren Promillebereich und bei Ordnungswidrigkeiten liefert aber auch das Atemalkoholmessgerät Evidential gerichtsverwertbare Daten. Für gewöhnlich bewegen sich die Spitzenwerte, die man in der PI misst, bei 2 bis 3 Promille. "Wer Alkohol nicht gewöhnt ist, bekommt schon bei 1,5 Promille Riesenprobleme", lautet Hausmanns Erfahrung.

Ab 2,8 Promille sprechen Experten von Vollrausch, ab 3 Promille beginnt der Bereich der Lebensgefahr. Die Sängerin Amy Winhouse starb 2011 an 4,16 Promille Blutalkohol. Es gibt aber auch Berichte über an Alkohol gewöhnte Personen, die bis zu sechs Promille und mehr überlebt haben. (ll)
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